Verkehr

Investitionen: Bahn startet Offensive in und um Hamburg

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Matthias Popien
Neue Lärmschutzwände wie hier in Rahlstedt sollen die Zuggeräusche für die Anwohner der geplanten S 4 minimieren.

Neue Lärmschutzwände wie hier in Rahlstedt sollen die Zuggeräusche für die Anwohner der geplanten S 4 minimieren.

Foto: Vectorvision

Bis 2040 werden mindestens neun Milliarden Euro investiert. Im Sektor Verkehr sind Klimaschutzziele noch längst nicht erreicht.

Hamburg/Kiel. Mindestens neun Milliarden Euro will die Deutsche Bahn (DB) bis 2040 in und um Hamburg investieren. Das sagte Frank Limprecht, Leiter der DB-Abteilung Großprojekte Nord, vor dem Wirtschaftsausschuss im Kieler Landtag. „Die Bedarfsplanprojekte im Knoten Hamburg lösen Engpässe auf, schaffen mehr Kapazitäten und erzeugen zahlreiche Synergieeffekte für die norddeutsche Region“, so Limprecht. Zu den Maßnahmen gehören unter anderem die Erweiterung des Hamburger Hauptbahnhofs, der Bau der S-Bahn-Linie S 4 und die Schienenanbindung des geplanten Fehmarnbelttunnels.

Limprechts dem Ausschuss präsentierte Liste besteht aus 15 Maßnahmen. Einige sind noch nicht einmal im Entwicklungsstadium, andere bereits im Bau. Tatsache ist: Die Bahn wird in den kommenden Jahrzehnten leistungsfähiger werden müssen – dies allein schon aus Gründen des Klimaschutzes. Die Bahn, das umweltfreundliche Verkehrsmittel, könnte eine noch vor Kurzem nicht vorstellbare Renaissance erleben.

Bahn-Offensive: Viele Projekte werden noch Jahre brauchen

Denn besonders bei den CO2-Emissionen im Bereich Verkehr ist Deutschland noch weit entfernt von seinen Zielen. Laut dem 2016 beschlossenen Klimaschutzplan sollen diese Emissionen bis 2030 im Vergleich zu den Werten von 1990 um 40 bis 42 Prozent sinken. Ein schönes Ziel. Aber: Von 1990 bis 2017 haben sich die Verkehrsemissionen nicht verringert, sondern sogar noch leicht erhöht – von 164 Millionen Tonnen CO2 (1990) auf 167 Millionen Tonnen (2017). Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor. Mit anderen Worten: Deutschland bleiben nun nur noch zehn Jahre, um die Minderungsziele im Bereich Verkehr zu erreichen.

Da ist es gut, dass die Bahn nun investiert. Viele Projekte werden allerdings noch Jahre brauchen, bis sie umgesetzt sind. Manche werden erst nach 2030 fertig sein. Nicht dazu gehört der Bau der S-Bahn S 4-Ost nach Ahrensburg mit Fortführung bis Bad Oldesloe. In diesem Jahr ist Baubeginn, die komplette Fertigstellung ist fürs Jahr 2028 avisiert. Rund 1,8 Milliarden Euro soll das Schienenprojekt kosten. Unter anderem werden in Wandsbek neue Haltepunkte gebaut. Zwischen Ahrensburg und dem Hauptbahnhof sollen die Züge im Zehn-Minuten-Takt verkehren können. Nach Angaben der Bahn profitieren rund 250.000 Menschen von der neuen S-Bahn. Es ist die wichtigste Maßnahme im Großknoten Hamburg – so nennen sie bei der Deutschen Bahn den Hauptbahnhof und die dorthin führenden Gleisanlagen.

Neues Kreuzungsbauwerk in Wilhelmsburg für 120 Millionen Euro

Im Stadium der Idee befindet sich hingegen die Fortführung der S 4 über den derzeit westlichsten Haltepunkt, den Bahnhof Altona, in Richtung Elmshorn. „Damit könnte man den Regionalverkehr aus Elmshorn auf die S-Bahn verlegen“, sagte Frank Limprecht. Vorteil der S 4-West: eine engere Taktung, also häufigere Fahrten, die so nur die S-Bahn bieten kann. Erforderlich wäre dafür allerdings ein Überwerfungsbauwerk, also eine Gleisbrücke, nördlich des Bahnhofs Altona. Kosten: unbekannt.

Bereits in Planung ist der Bau eines zusätzlichen Bahnsteiggleises im Hamburger Hauptbahnhof. Damit soll die Leistungsfähigkeit dieses Verkehrsknotens erhöht werden. Hinzu kommt eine Wendeanlage in Wandsbek. 70 Millionen Euro soll das in etwa kosten. Mit dem Bau wird wohl erst nach Fertigstellung der S 4-Ost begonnen werden können.

In Wilhelmsburg soll für etwa 120 Millionen Euro ein neues Kreuzungsbauwerk entstehen. Damit wird der Personenverkehr auf der Bahnstrecke zwischen Hamburg-Hauptbahnhof und Hamburg-Harburg entlastet. Die geplante Gleisbrücke wird die beiden Güterverkehrsstrecken Hafen Hamburg–Maschen und die Güterumgehungsbahn mit ein­ander verbinden. 2029 soll das Bauwerk in Betrieb genommen werden.

300 Millionen Euro wird die neue unterirdische Verbindungskurve in Harburg kosten. Sie soll Fahrzeiten beim Personenverkehr verkürzen. Die Planungen haben gerade erst begonnen. Inbetriebnahme: vermutlich 2031.

In Meckelfeld entsteht eine weitere Gleisbrücke. Sie vereinfacht beim Rangierbahnhof Maschen das Ein- und Ausfahren. Das Bauwerk kostet 145 Millionen Euro und soll 2026 fertig sein.

Mehr Platz für Züge im Bahnhof Elmshorn

In Elmshorn soll der Bahnhof ein weiteres Gleis bekommen, um die Kapazität zu erhöhen. Zwei Konzeptvarianten wurden bereits erarbeitet. Die Kosten liegen bei etwa 40 Millionen Euro, 2029 könnte das Bahnsteiggleis fertig sein.

Dem Nahverkehr in Richtung Büchen soll der Neubau eines weiteren Gleises im Bereich Anckelmannsplatz/Rothenburgsort helfen. Das 1,13 Kilometer lange Gleis würde die Leistungsfähigkeit der Strecke erhöhen. Kosten: 21 Millionen Euro. Hier haben die Planungen allerdings noch nicht begonnen.

Zu der von Limprecht genannten Investitionssumme von neun Milliarden Euro zählt auch der Ausbau des überlasteten Hamburger Hauptbahnhofs, ebenso die Verlegung des Fernbahnhofs Altona an den Diebsteich, die Schienenanbindung des Belttunnels sowie verschiedene Verbesserungen auf den Schienenwegen im Dreieck Hamburg-Hannover-Bremen. Belastbare Zeitpläne gibt es hier noch nicht.

Kai Vogel, der verkehrspolitische Sprecher der SPD im Kieler Landtag, lobte die Anstrengungen der Bahn. Aber aus seiner Sicht kommen sie zu spät. „Die Infrastruktur auf der Schiene wurde über Jahre stiefmütterlich behandelt, das rächt sich nun“, sagte er. „Die Investitionssumme für den Norden ist zwar hoch, doch wurden mehrere Projekte für den Norden vergessen oder bewusst ausgespart.“ Vogel nannte den Bau eines dringend erforderlichen dritten Gleises zwischen Hamburg und Elmshorn sowie die Elektrifizierung der auch als Marschbahn bekannten Bahnlinie Hamburg-Westerland (Sylt).

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