Harvestehude

Schmutzige Trennung zwischen Pfadfindern und Kirche

Kinder und Jugendlichen der Pfadfindergruppe St. Andreas. demonstrieren gegen Rauswurf.

Kinder und Jugendlichen der Pfadfindergruppe St. Andreas. demonstrieren gegen Rauswurf.

Foto: MARCELO HERNANDEZ / FUNKE Foto Services

Der Stamm St. Andreas hat den Kontakt zur Kirchengemeinde abgebrochen. Beim Auszug lief wohl nicht alles glatt: Polizei eingeschaltet.

Hamburg. Die Pfadfinder St. Andreas in Harvestehude haben sämtliche Gespräche mit der Kirchengemeinde abgebrochen. Bereits im Dezember waren sie aus den Kirchenräumen an der Bogenstraße ausgezogen. Auf Anfragen und Mitteilungen der Kirche reagieren die Pfadfinder seit Wochen nicht mehr.

"Leider haben die Pfadfinder das Gespräch am Runden Tisch erst gar nicht begonnen, wie es verabredet war. Sie hatten keine vom Thing bestimmten Vertreter der Jugendlichen geschickt", sagt der zuständige Propst Martin Vetter. Hintergrund: Ein Thing ist eine Vollversammlung der Pfadfinder. Die Arbeit des Pfadfinderstammes an der Kirchengemeinde ist nun offiziell beendet. "Es besteht überhaupt keine Kommunikation mit den Verantwortlichen der Pfadfinder, weil diese auf Mails des Kirchengemeinderats nicht antworten", so der Propst.

Die Fronten sind verhärtet. Stammesführer Artur Tietgens: "Wir waren mit der Zusammenstellung des Runden Tisches nicht einverstanden. Das war eine Farce." Zum ersten Runden Tisch in der vergangenen Woche hatten die Pfadfinder zwei inoffizielle Vertreter geschickt.

Propst Vetter: Das ist kriminelles Verhalten

Warum die Gruppe Anfang Dezember nach und nach aus den Räumen gezogen ist, ist der Kirche unklar. Nach Abendblatt-Informationen sind die Pfadfinder unter anderem in Räumlichkeiten der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde an der Grindelallee gezogen, die aber langfristig wohl nicht groß genug sein werden. Auch haben Eltern Keller bereitgestellt, in denen die Kinder und Jugendlichen zusammenkommen können.

"Kirchengemeinderat und Hauptamtliche haben weder direkten Kontakt zu den Jugendlichen noch wissen sie, wer welche Entscheidungen trifft", heißt es auf der Homepage von St. Andreas.

Brisant: Die Kirche wirft den Pfadfindern vor, Möbel aus dem Eigentum der Kirchengemeinde aus dem Keller entfernt sowie Schlösser geknackt zu haben. Außerdem seien Türen beschädigt worden. "Der Pastor hat sie beim Auszug noch darauf hingewiesen, dass die Möbel der Kirche gehören. Genützt hat es nichts", so Martin Vetter. Das sei kriminelles Verhalten.

"Unter diesen Bedingungen ist eine weitere Zusammenarbeit nicht möglich." Die Polizei ist inzwischen eingeschaltet. Stammesführer Artur Tietgens: "Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen unsere Sachen gepackt. Das wird sich sicherlich klären lassen."

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Wie die Jugendarbeit in der Gemeinde nun weitergeht, steht noch nicht fest. Martin Vetter: "Ich kann mir gut vorstellen, dass St. Andreas ein Ort ist, wo eine neue Jugendarbeit begonnen werden kann. Für die Gemeinde steht jetzt ein Neustart an."

"Unser Rauswurf wurde jetzt durchgeführt. Wir gehen getrennte Wege. Das bedauern wir sehr", so Artur Tietgens. Die Pfadfinderarbeit gehe zur Zeit weiter, und die Pfadfinder sind bereits im Gespräch mit einem neuen Träger.