Wandsbek

Hamburg streitet um Ersatz für abgeholzte Bäume

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Die Parteien sind sich uneinig, wie die Wiederaufforstung im Bezirk Wandsbek vorgenommen werden soll (Symbolbild).

Die Parteien sind sich uneinig, wie die Wiederaufforstung im Bezirk Wandsbek vorgenommen werden soll (Symbolbild).

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Sollen neue Miniwälder die verlorenen Bäume ersetzen oder finden Gutachter genügend Standorte in dicht bebauten Quartieren?

Hamburg. Seit 2010 wurden allein im Bezirk Wandsbek 7.551 Straßenbäume und 5.817 sonstige Bäume (in öffentlichen Parks oder auf Spielplätzen) gefällt. Den insgesamt 13.368 Opfern des Baubooms stehen jedoch lediglich 3.789 neu gepflanzte Bäume gegenüber, was für Wandsbek ein Defizit von 9.579 Bäumen ausmacht. Die CDU will dem mit großflächigen Aufforstungen begegnen, die Grünen mit einem Gutachten und kleinteiligen Pflanzungen.

"Im Bezirk Mitte hat sich die Koalition aus CDU, FDP und SPD darauf verständigt, eine 17 Hektar große Fläche nahe dem Öjendorfer Park aufzuforsten", sagte der Wandsbeker CDU-Bezirksabgeordnete Sandro Kappe. "Dieser Ansatz sollte auch im Bezirk Wandsbek verfolgt werden." Um die fehlenden 10.000 Wandsbeker Bäume zu ersetzen, seien etwa 25 Hektar aufzuforsten. Kappe schlug vor, dafür in erster Linie Flächen vorzusehen, die keinen oder nur geringen ökologischen Wert hätten. Kappes Begründung: die Flächen seien knapp in Wandsbek.

Mehr Bäume pflanzen da, wo es besonders eng ist?

Mit exakt der gleichen Begründung schlagen die Grünen ein Kontrastprogramm vor. Sie wollen vorzugsweise in dicht besiedelten Bereichen des Bezirks nachpflanzen und dafür ein Gutachten in Auftrag geben. "Der Platz im Stadtstaat Hamburg ist begrenzt, sowohl für Neubauten als auch für den Ausbau der Straßen und Radwege. Viele Bäume mussten aus diesen Gründen in den letzten Jahren gefällt werden", sagte Wandsbeks Grünen-Fraktionsvize Julia Chiandone. "Ersatz ist an gleicher Stelle fast nie zu realisieren, und die Suche nach Standorten für Ersatzpflanzungen erweist sich als schwierig und zeitaufwendig, weil im Untergrund häufig Leitungen verlaufen. Wir brauchen daher dringend einen Überblick darüber, wo es noch freie Flächen für Bäume oder für Baumgruppen an Straßen gibt, an denen dann zügig Ausgleichsbäume gepflanzt werden können."

Dabei wollen die Grünen nicht nur die 10.000 verlorenen Bäume 1:1 ersetzen, sondern im Verhältnis 1:1,5 nachpflanzen. Starten sollen die Gutachter in den "Pilotstadtteilen" Wandsbek Kern und Bramfeld, ihre Ergebnisse im Herbst vorlegen, damit in der Pflanzsaison 2020/21 gesetzt werden kann. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse dürfte klar sein, welchen Weg Wandsbek gehen wird. Am Donnerstag, 30. Januar, wird sich Rot-Grün in der Bezirksversammlung durchsetzen.

( axö )

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