Hamburg

Wird die Willy-Brandt-Straße zum autofreien Boulevard?

CDU-Spitzenkandidat Marcus Weinberg und Unternehmerin Christina Block bei der Vorstellung ihres Konzepts für die Untertunnelung der Willy-Brandt-Straße und die oberirdische Neugestaltung des Abschnitts.

CDU-Spitzenkandidat Marcus Weinberg und Unternehmerin Christina Block bei der Vorstellung ihres Konzepts für die Untertunnelung der Willy-Brandt-Straße und die oberirdische Neugestaltung des Abschnitts.

Foto: Marc Hasse

CDU-Spitzenkandidat Marcus Weinberg plädiert für Tunnellösung und neue Grünflächen. Großteil des Verkehrs soll unterirdisch fließen.

Hamburg. Zehntausende Autos fahren täglich über die Willy-Brandt-Straße zwischen HafenCity und Innenstadt. Die meisten Fahrer nutzten diese Schneise zur Durchreise, die wenigsten wollten in die Innenstadt, an Lärm und Abgasen sei hier kein Mangel, wohl aber an besonderer Lebensqualität, sagt CDU-Spitzenkandidat Marcus Weinberg. Er hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, einen Großteil des Verkehrs unter die Erde verlagern zu wollen und damit einen Vorschlag der Handelskammer aufzugreifen. Am Mittwoch präsentierte Weinberg nun eine Zeichnung und ging ins Detail.

Sein Vorstoß ist im Zusammenhang mit der jüngsten Debatte zur Belebung der Innenstadt und über den Verkehr in der City zu sehen. Vor kurzem startete eine Volksinitiative für eine autofreie Innenstadt, die Bürgerschaft debattierte in der Aktuellen Stunde darüber.

Oberirdisch soll es nur noch zwei Tempo-30-Spuren für Lieferverkehr geben

Weinbergs Plan sieht vor, für den Durchgangsverkehr zwischen Deichtorplatz und Millerntor einen etwa 2,5 Kilometer langen Tunnel mit vier Spuren bauen lassen. Dazu zählte dann also neben der Willy-Brandt-Straße auch die Ludwig-Erhard-Straße. Oberirdisch soll es nur noch zwei Tempo-30-Spuren für Lieferverkehr in die Innenstadt geben. Auf der freien Fläche könnten ein Boulevard, Grünflächen, eine Markthalle und bis zu 2000 neue Wohnungen entstehen, erklärte Weinberg, gemeinsam mit der Unternehmerin Christina Block und dem Architekten Christian Kottmeier, die das Anliegen unterstützen.

Die Willy-Brandt-Straße (ehemals Ost-West-Straße) sei eine der wichtigsten Verkehrsachsen in Hamburg, sagte Weinberg. „Derzeit bildet sie jedoch auch eine Barriere, die mitten durch das Herz unserer Innenstadt führt. Wir wollen, dass wieder zusammenwächst, was früher zusammengehörte.“

Kurzer Weg von der Innenstadt in die HafenCity

Eine neue Gestaltung des Abschnitts würde es Bürgern und Touristen erleichtern, von der Innenstadt in die HafenCity zu spazieren und umgekehrt, sagte Christina Block. Wie berichtet, gibt es unter den Einzelhändlern in der City große Sorgen, dass das neue Überseequartier in der HafenCity mit seinen Verkaufsflächen dem Handel in der Innenstadt das Wasser abgraben könnte. Durch eine attraktive Verbindung der beiden Areale lasse sich diese Konkurrenzsituation vermeiden, sagte Block.

Das Konzept der Handelskammer für die Willy-Brandt-Straße sah vor, nur den 1,3 Kilometer langen östlichen Abschnitt zwischen Deichtorplatz und Rödingsmarkt in einen Tunnel zu verlegen. Dieser sollte in offener Bauweise entstehen. Weinberg sagte am Mittwoch, er habe sich zunächst an diesen Plänen orientiert, als er die Kosten für eine Untertunnelung auf 800 Millionen bis eine Milliarde Euro schätzte. Da sein aktuelles Konzept eine längere Untertunnelung und eine geschlossene Bauweise zur Lärmvermeidung für die Anwohner vorsehe, schätze er die Kosten nun auf 1,1 bis 1,7 Milliarden Euro, sagte Weinberg.

600 Millionen Euro Zuschuss wären vom Bund zu erwarten. Weitere Millionen ließen sich durch den Verkauf des frei werdenden Baugrunds beschaffen, sagte Weinberg, ohne sich hier auf eine Schätzung festlegen zu wollen. Als die Kammer ihren Vorschlag präsentiert hatte, hieß es, Berechnungen zufolge könnten oberirdisch 23.000 Quadratmeter Baugrund frei werden, die die Stadt für 416 Millionen Euro verkaufen könnte.

Rot-grüner Senat hat Untertunnelung schon früher abgelehnt

Weinberg geht davon aus, dass ein Planfeststellungsverfahren vier Jahre und der Bau zwei Jahre dauern würde. Vergleichbare Projekte wie der Tunnel am Luise-Kiesselbach-Platz in München zeigten, dass eine Belebung von Innenstädten durch solche Maßnahmen gelingen könne, sagte Weinberg.

Die rot-grünen Regierungsfraktionen hatten eine Untertunnelung schon früher abgelehnt. Seitdem hat sich ihre Haltung nicht geändert. „Die CDU wärmt eine alte Diskussion neu auf“, teilte SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf am Mittwoch mit. „Schöne Bilder und oberflächliche Finanzierungspläne machen viele zu Recht skeptisch. Klar ist, dass solch ein sehr komplexes Straßen- und Städtebauprojekt eine der wichtigsten Verkehrsadern Hamburgs über Jahre lahmlegen würde.“

Der CDU-Vorschlag sei „in der Umsetzung technisch äußerst schwierig“, erklärte Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks. „Die Willy-Brandt-Straße führt über das Nicolaifleet hinweg, sie grenzt an U-Bahn-Anlagen und Deichtortunnel. Das bedeutet, dass eine erhebliche Tiefenlage des Tunnels unter der Willy-Brandt-Straße sowie erhebliche Eingriffe in den Stadtraum nötig wären.“