Hamburg

Winterhude: Verlagsgebäude wird zum Apartment-Hotel

rüher saß hier der Jahreszeiten Verlag. Jetzt entsteht am Poßmoorweg 6 in Winterhude das „suitescloud 9" mit 148 Mikro-Wohnungen.

rüher saß hier der Jahreszeiten Verlag. Jetzt entsteht am Poßmoorweg 6 in Winterhude das „suitescloud 9" mit 148 Mikro-Wohnungen.

Foto: Masterbox.de/ Sicon Gmbh

In dem Backsteinbau am Poßmoorweg entstehen 148 Mikro-Wohnungen. “Serviced apartments“ sind in Hamburg auf dem Vormarsch.

Winterhude. Lange war das 1978 errichtete, schmucklose Backsteingebäude am Poßmoorweg Sitz des Jahreszeiten Verlags. Nachdem der Standort vor etwa 20 Jahren um einen Neubaukomplex erweitert wurde, gab der Verlag ihn 2017 komplett auf. Jetzt soll der Backsteinbau saniert und zu einem Schmuckstück umgestaltet werden. Die Sicon Gmbh, die sich auf den Umbau von aufgegebenen Gewerbeimmobilien fokussiert hat, errichtet dort das „suitescloud 9“: ein Apartment-Hotel mit 148 Mikro-Wohnungen.

Hinter der im New-York-Stil gestalteten Backsteinfassade, zu der die dunkel gestrichene Außentreppen und Fensterrahmen einen interessanten Kontrast bilden werden, entstehen 148 hochwertige Apartments mit Pantry-Küche für den kürzeren oder längeren Aufenthalt. Außerdem erhält das in unmittelbarer Nähe zum Mühlenkamp-Quartier liegende Apartment-Hotel ein Restaurant und ein Café, sowie für die Bewohner einen Fitnessraum. Ihnen steht auch ein Concierge- sowie ein Reinigungsservice zur Verfügung.

Luxus-Apartments auch in ehemaligem Seniorenheim

„Mit unserem Angebot kommen wir der Nachfrage nach zeitlich flexiblem Wohnen nach“, sagt Projektleiter Marco Brenner von der Sicon GmbH. „Unsere Gäste können flexibel ein- und ausziehen, brauchen keine Möbel und ersparen sich die mit dem Mieter einer Wohnung verbundenen Formalitäten wie das Einholen der Schufa-Auskunft oder das Zahlen einer Kaution.“ Zudem hätten Menschen, die nur zeitlich begrenzt in Hamburg wohnen wollten, auf dem normalen Wohnungsmarkt gar keine Chancen. „Welcher Vermieter nimmt denn jemanden, der nach einem Jahr wieder weg ist?“ Dabei gebe es in Metropolregionen wie Hamburg viele Firmen mit ausländlichen Mitarbeitern, die oft nur zeitlich befristet kämen – ob Monteure oder hoch bezahlte IT-Berater.

Apartments zur Selbstversorgung mit einem Hotelservice zu kombinieren, ist ein Angebot, das in Deutschland auf dem Vormarsch ist. Laut Allgemeiner Hotel- und Gastronomie-Zeitung gibt es derzeit rund 28.500 dieser Einheiten, die Auslastung habe 2018 mit zwölf Millionen Übernachtungen bei 80 Prozent gelegen.

Der Anteil der Geschäftsreisenden betrage derzeit 70 Prozent, doch auch im Freizeitsektor nehme die Nachfrage zu. In Hamburg betreibt die Sicon GmbH rund 450 Hotel-Apartments in ehemaligen Gewerbegebäuden: in einem Telekom-Bau in Stellingen das „Sylc.“ (347 Apartments ab 1470 Euro), in einem früheren Seniorenheim auf der Uhlenhorst das „Freytag“ (33 Luxus-Apartments, ab drei Monate, die Nacht ab 70 Euro) und in einem denkmalgeschützten Post-Gebäude das „Apartment 040“ (77 Apartments, ab 1700 Euro).

Apartment-Hotels auch in der City Nord und in Lemsahl

Ähnliche Angebote gibt es seit 2018 in einem umgebauten Bürohochhaus in der City Nord, wo unter dem Namen „my4walls“ 143 Mikro-Apartments entstanden sind (ab 49 Euro pro Nacht) sowie in den Adina-Apartmets zu Füßen des Michels (128 Apartments) und in der Speicherstadt (202 Apartments). Auch das Golfhotel Treudelberg in Lemsahl werden ab April 90 Apartments das Angebot an klassischen Hotelzimmern ergänzen (monatlich ab 1495 Euro).

Das städtische Unternehmen Hamburg Tourismus begrüßt den Trend. „Das wachsende Segment der Serviced Apartments bietet eine ansprechende Ergänzung zu Hotels und Apartments. Es entspricht dem Zeitgeist, sich auf Reisen – ob nun privat oder beruflich – wie zuhause fühlen zu wollen“, sagt Sprecher Sascha Albertsen. Ulrike von Albedyll, Sprecherin des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, sieht in dem neuen Konzept noch keine unmittelbare Konkurrenz. „Dieses Angebot ist meiner Meinung nach eher für einen etwas längeren Aufenthalt gedacht, die durchschnittliche Übernachtungsdauer in Hamburger Hotels liegt aber bei nur zwei Nächten.“ Angesichts des leichten Auslastungsrückgang in der Branche erfülle sie weitaus mehr mit Sorge, dass immer neue Hotels gebaut würden.

Das „suitescloud 9“ in Winterhude soll 2021 eröffnen

Das „suitescloud 9“ soll im ersten Quartal 2021 eröffnen und wird pro Nacht durchschnittlich 110 Euro kosten. Für seine neue Nutzung wird das bislang sechsgeschossige Gebäude um ein zurückspringendes Staffelgeschoss ergänzt. Zudem wird die Backsteinfassade teilweise erneuert und erhält Holzsporessenfenster. Um das Haus herum soll viel Grün gepflanzt werden.

Bernd Kroll, ehemaliger CDU-Politiker aus Hamburg-Nord und Sprecher der IG Unser Mühlenkamp, freut sich auf das künftige Apartment-Hotel in der Nachbarschaft. „Boardinghäuser und Mikro-Apartments entlasten mit ihren Angeboten den Wohnungsmarkt. Das kommt Menschen entgegen, die nur auf Zeit in Hamburg sind, aber auch allen, die von Berufs wegen herziehen und sich erst einmal nach einer Wohnung umsehen müssen“, sagt er. Die Gastronomie und die ansprechende Gestaltung des Gebäudes am Poßmoorweg kämen dem ganzen Quartier zugute.