Hamburg

Ties Rabe will Schüler besser aufs Berufsleben vorbereiten

Foto: imago images / Rupert Oberhäuser

Neben dem Unterricht an Stadtteilschulen sollen Schüler in Betrieben lernen. Das erhöhe die Chancen auf einen Ausbildungsplatz.

Hamburg. Mit einem erweiterten Angebot will die Stadt die Chancen auf einen Ausbildungsplatz für Schüler mit Hauptschulabschluss oder ohne Abschluss erhöhen. Jede der 60 Stadtteilschulen erhält die Möglichkeit, eine Praxisklasse einzurichten, in der die Schüler an drei Tagen der Woche in der Schule und an zwei Tagen im Betrieb lernen. Von Schule und Betrieb unabhängige Berufseinstiegsbegleiter sollen die jungen Menschen dabei unterstützen.

„Wer mit Sicherheit nicht in die gymnasiale Oberstufe gehen wird, der kann jetzt besser auf das Berufsleben vorbereitet werden. Bislang gab es das Modell bereits an einigen Schulen, aber wir wollen das jetzt im großen Stil ausbauen“, sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD). Für den Start des Projekts zum zweiten Schulhalbjahr haben sich 35 Stadtteilschulen angemeldet. Bei einer Klassengröße von elf Jungen und Mädchen können knapp 400 Schüler an dem Projekt teilnehmen. In den kommenden Jahren soll die Kapazität schrittweise auf 600 Teilnehmer erhöht werden.

Berufsbegleiter sind für maximal elf Schüler verantwortlich

Praxisklassen und Berufsbegleitung beginnen in Jahrgang neun und umfassen die zehnte Klasse. Die Berufsbegleitung erstreckt sich zusätzlich über die ersten sechs Monate nach dem Berufseinstieg, bei Bedarf auch länger. Jeder Berufsbegleiter – Sozialpädagogen und betriebliche Ausbilder des Weiterbildungsträgers Grone-Schulen – soll für zehn bis elf Schüler verantwortlich sein. Die Schüler erhalten im Rahmen der regulären Stundentafel mindestens 20 Unterrichtsstunden pro Woche in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch, Naturwissenschaften, Gesellschaftswissenschaften, Sport und in den Künsten.

„Derzeit wechseln 40,2 Prozent der Schulabgänger dank mehrerer Reformen der beruflichen Bildung nach Klasse zehn direkt in Ausbildung und Beruf“, sagte Rabe. Vor acht Jahren seien es lediglich 25,2 Prozent gewesen. „Ein Jahr nach dem Verlassen der Schule haben schon 60 Prozent einen Ausbildungsplatz. Aber wir glauben, dass noch mehr möglich ist“, sagte der Schulsenator.

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5,7 Prozent der Azubis haben keinen Schulabschluss

„Wir freuen uns, wenn die Schüler mehr Praxisbezug im Unterricht bekommen“, sagte Handwerkskammer-Präsident Hjalmar Stemmann. 40 Prozent der Auszubildenden im Handwerk hätten einen Hauptschulabschluss, 5,7 Prozent keinen Abschluss. Die Betriebspraktika verteilen sich vor allem auf die Berufe Anlagenmechaniker, Fachverkäufer Lebensmittel, Friseur sowie Kfz-Mechatroniker. „Wer anfangs Probleme mit der Pünktlichkeit hat, lernt es mit der Zeit“, sagte Stemmann.

„Die berufliche Orientierung ist das A und O, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken“, sagte Handelskammer-Vizepräses André Mücke. „Die Praxisklassen helfen Jugendlichen, direkt und im Unternehmen berufliche Kenntnisse und Erfahrungen zu erlangen“, sagte Arbeitsagentur-Chef Sönke Fock. Die Stadt und die Arbeitsagentur finanzieren das Projekt mit je 4,2 Millionen Euro für die nächsten fünf Jahre.