Hamburg

Nach Belästigung im Flixbus: Fahrer werden nachgeschult

Ein Fernbus von Flixbus steht an einem Busparkplatz.

Ein Fernbus von Flixbus steht an einem Busparkplatz.

Foto: Wolfram Steinberg/dpa

21-Jährige hatte berichtet, sie sei sexuell bedrängt worden. Weitere Berichte über Beschimpfungen und Beleidigungen.

Hamburg.  Der Bericht der 21-Jährigen Svea über ihre Erlebnisse in einem Flixbus hat viele bestürzt. Die junge Frau soll auf einer Fahrt von Würzburg nach Hamburg von einem Mitfahrer sexuell belästigt worden sein. Sie hatte umgehend Anzeige erstattet, die Ermittlungen laufen. Weiter warf sie den beiden Busfahrern vor, ihr nicht geholfen zu haben, obwohl sie ihre Lage kommuniziert habe.

Auf Nachfrage gab Flixbus nun an, dass beide Busfahrer inzwischen eine Nachschulung gemacht haben, damit diese künftig „angemessener“ reagieren könnten.

Bepöbelungen und Beschimpfungen

Einige Leser hatten sich nach dem Bericht im Hamburger Abendblatt an die Redaktion gewandt. Ein Leserbrief stammt von der Hamburgerin Dagmar H., die von einer ähnlichen Notlage in einem Flixbus berichtet. Ihre Schilderungen beziehen sich auf eine Fahrt am 26. Februar 2019 von Hamburg nach Berlin. „Ich wurde von einer zwölfköpfigen Jungessellenabschiedsrunde, die Dosenbier und Schnapsflaschen dabeihatte, beschimpft und angepöbelt, nachdem ich sie gebeten hatte, leiser zu sein“, so Dagmar H.

„Sie beschimpften mich und eine Mitreisende drei Stunden lang mit sexistischen und rassistischen Sprüchen, die weit unter der Gürtellinie lagen“, berichtet sie. Einen Zweitbusfahrer habe es auf der Fahrt nicht gegeben. Der Fahrer selbst habe sich nicht dazu geäußert, keiner der Mitreisenden habe bei ihr gestanden. „Ich bin entsetzt, dass der Fahrer keinerlei Autorität besitzt und Haltung zeigt, und bin irritiert, dass Alkohol und wüste Beschimpfungen in wüster Lautstärke im Bus geduldet werden.“ Das Erlebte hat sie nur wenige Tage später auch Flixbus mitgeteilt.

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Flixbus betont: „Generell nutzen wir Feedback dieser Art immer, um in Zusammenarbeit mit unseren Buspartnern Fahrerinnen und Fahrer nachzuschulen und sensibilisieren.“ Und weiter: „Um unsere Buspartner und deren Fahrer bei ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen, erhalten alle Fahrer zu Beginn ihrer Tätigkei­t ein umfangreiches Training, welches neben umfassenden Sicherheitsthemen auch Trainingseinheiten zu Serviceabläufen, unseren AGB/ABB und zum richtigen Umgang mit Fahrgästen beinhaltet. Weitere schriftliche Handlungsempfehlungen für Buspartner und -fahrer werden zudem stetig aktualisiert. Die Betriebssteuerung steht den Fahrern rund um die Uhr bei Fragen jeglicher Art zur Verfügung.“

Kameras widersprechen dem Bedürfnis nach Privatsphäre

Zum Thema Alkohol in Flixbussen verweist Flixbus PR-Manager Sebastian Meyer auf die allgemeinen Beförderungsbedingungen. „Unsere Fahrer sind befugt, offensichtlich alkoholisierte oder unter dem Einfluss von sonstigen Drogen stehende Personen von der Beförderung auszuschließen.“ Generell seien die Fahrerinnen und Fahrer angehalten, in Fällen wie dem beschriebenen von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen.

Eine weitere Abendblatt-Leserin hat sich nach dem jüngsten Fall der 21-jährigen Svea an Flixbus gewandt und von ihren Sorgen um ihre Töchter berichtet, die regelmäßig Flixbus fahren. In ihrer Mail bat sie Flixbus, zu erläutern, wie künftig mit solchen übergriffigen Si­tuationen umgegangen werde. Konkret fragte sie auch danach, ob etwa Kameras installiert werden könnten.

Zu diesem Punkt äußerte sich Flixbus wie folgt: „Das Installieren von Kameras in allen Bussen widerspräche dem Bedürfnis nach Privatsphäre vieler Fahrgäste. Außerdem würde dies erhebliche datenschutzrechtliche Probleme mit sich bringen. Daher ist das leider rechtlich nicht möglich.“