Bürgerschaft

Rot-grünes Wahlduell in Hamburg ohne klaren Sieger

Katharina Fegebank und Peter Tschentscher.

Katharina Fegebank und Peter Tschentscher.

Foto: dpa

Wer wird Hamburg als Bürgermeister die nächsten fünf Jahre regieren? Sowohl Amtsinhaber Tschentscher als auch die Zweite Bürgermeisterin Fegebank haben Ansprüche angemeldet. Bei einem ersten rot-grünen Wahlduell stecken sie die Fronten ab.

Hamburg. Im ersten Duell der Bürgermeisterkandidaten von SPD und Grünen vor der Bürgerschaftswahl in Hamburg haben beide Kontrahenten ihren Anspruch untermauert, den künftigen Senat zu führen. Teilnehmer der Veranstaltung von "Zeit:Hamburg" am Sonntagabend in der Bucerius Law School äußerten sich im Anschluss uneinheitlich, ob es dabei Amtsinhaber Peter Tschentscher von der SPD oder seiner Grünen-Herausforderin, der Zweiten Bürgermeisterin und Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank, besser gelungen sei, ihre Positionen zu vertreten.

Breiten Raum in dem über anderthalbstündigen Streitgespräch zwischen den Koalitionspartnern nahmen die Verkehrs- und die Klimaschutzpolitik ein. Zu den Grünen-Plänen einer autofreien Innenstadt sagte Tschentscher: "Vorsicht an der Bahnsteigkante. Wir haben übergeordnete Verkehrsprobleme genug." Fehler in der Verkehrsinfrastruktur würden nur zu noch mehr Staus führen, warnte er, sprach sich aber auch dafür aus, "Teile der Innenstadt autofrei" zu machen.

Fegebank stellte klar, dass auch die Grünen eine autoarme Innenstadt mit Zufahrtsmöglichkeiten zur den Parkhäusern wollten. Autofrei habe den Anklang von Verboten. Sie nähere sich dem Thema anderes: "Ich denke über Lebensqualität nach in der Stadt." Es gehe um Aufenthaltsqualität, "da geht es darum, Plätze neu zu gestalten ... und natürlich funktioniert das nur mit den Menschen, die dort arbeiten, die dort einen Laden haben".

Tschentscher zeigte sich deutlich angriffslustiger. Es sei die SPD gewesen, "die Hamburg in den vergangenen Jahren wirklich vorangebracht" habe, hielt er Fegebank vor. "So richtig aufwärts geht es ja, seitdem wir mit dabei sind, seit 2015", entgegnete diese. "Ich glaube, wir waren uns sehr einig in dieser Legislatur, dass wir gemeinsam eine ganze Menge vorangebracht haben, auch in Themenfeldern jetzt noch mal Gas gegeben haben, die vorher vielleicht nicht so sehr im Fokus gestanden haben." Erst durch die Grünen habe das Thema Klimaschutz auch bei der SPD "ein Zuhause gefunden", sagte sie.

"Der größte Unterschied ist die Verankerung im echten Leben", grenzte Tschentscher seine SPD von den Grünen ab. Die Ziele, die beide Parteien verfolgten, seien zwar "sehr nah beieinander". "Deswegen haben wir ja auch gemeinsam gut regiert ..., aber in der Verankerung in der Stadt, alles wirklich zu bedenken, ich glaube, darin liegt unsere und vielleicht auch meine Stärke." Sie sei die bessere Bürgermeisterin, weil sie "mit Mut, mit Optimismus, mit Regierungserfahrung, mit Durchsetzungsstärke noch mehr aus dieser Stadt machen möchte und einfach glaube, dass mehr in Hamburg drinsteckt", sagte Fegebank.

In Umfragen liegen SPD und Grüne derzeit mit jeweils knapp 30 Prozent in etwa gleichauf - mit deutlichem Abstand vor der CDU, die bei 15 Prozent liegt, den Linken mit 9 Prozent und FDP und AfD, die laut einer Anfang des Monats von Infratest dimap für den NDR gestellten Sonntagsfrage bei jeweils 7 Prozent landen würden. Eine deutliche Mehrheit für Rot-Grün wäre damit sicher.

Hinsichtlich möglicher Koalitionen hielten sich sowohl Tschentscher als auch Fegebank zurück. Tschentscher nannte eine Fortsetzung von Rot-Grün erneut eine "naheliegende Option", allerdings für ihn persönlich nur unter SPD-Führung. "In diesen Zeiten ist Ausschlusseritis keine gute Strategie", gab Fegebank zu bedenken. Rein rechnerisch könnte es sowohl für SPD als auch Grüne die Möglichkeit geben, nach der Wahl am 23. Februar eine Regierung mit CDU und FDP zu bilden, selbst wenn sie nur knapp zweitstärkste Kraft würden.