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"Nicht reingelassen": Fedders Schulfreundin geknickt

Michel-Pastor Alexander Röder (v.l.), Witwe Marion Fedder und "Großstadtrevier"-Produzent Jörg Pawlik – zur Trauerfeier waren rund 2000 Gäste geladen.

Michel-Pastor Alexander Röder (v.l.), Witwe Marion Fedder und "Großstadtrevier"-Produzent Jörg Pawlik – zur Trauerfeier waren rund 2000 Gäste geladen.

Foto: Picture Alliance

Enttäuschung bei Kiez-Wirtin wegen Trauerfeier. NDR erzielt Topquoten. Wunsch nach Fedder-Museum. Semmelrogge erhebt die Dose.

Hamburg. Bei einer außergewöhnlichen und sehr ergreifenden Trauerfeier im Hamburger Michel haben am Dienstag Tausende Menschen dem am 30. Dezember verstorbenen Jan Fedder die letzte Ehre erwiesen. Abschied von dem großen Volksschauspieler, der gestern 65 Jahre alt geworden wäre, nahmen seine Frau Marion, viele Freunde, Weggefährten und Fans. Auch einen Tag danach bewegt Fedders Schicksal viele Hamburger.

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Nicht zur Trauerfeier geladen: Kiez-Wirtin enttäuscht

Die Kiez-Gaststätte Dreyer an der Martin-Luther-Straße diente nicht nur als Drehort für das "Großstadtrevier" und Fedders Figur Dirk Matthies, sondern auch als Anlaufpunkt für den Privatmenschen Jan Fedder. Entsprechend groß war am Dienstag auch dort die Trauer – in die sich allerdings auch ein wenig Enttäuschung mischte.

Denn die mit Fedder befreundete Wirtin Gritta Bremecker konnte die Feier im Michel nur am Fernseher verfolgen, da sie keinen Einlass in das Gotteshaus fand. "Ich konnte es nur von Weitem verfolgen, die haben uns ja nicht reingelassen", sagte Fedders alte Schulfreundin in einem Beitrag des NDR.

Der NDR-Beitrag in der Mediathek (ab 12:30 min)

Dabei sei es ihr so wichtig gewesen, Abschied zu nehmen. "Jan war einfach ein toller Typ, war einfach ein Freund", sagte Bremecker hinter der Theke. "Es kommt mir vor, wie wenn ich einen halben Bruder verloren hätte." Als Mensch sei er "toll" und geradlinig gewesen: "Er hat nie gelogen."

Fedder-Schulfreund muss tief durchatmen

Jörn Körner, ein weiterer Schulfreund von Jan Fedder, charakterisierte den Verstorbenen ähnlich. "Er war ein ehrlicher Typ, immer geradeaus." Auch, wenn sie sich zwischendurch jahrelang nicht getroffen hätten, wäre das Wiedersehen immer wieder eine Freude gewesen: "Dann warst du gleich so gut drauf mit ihm, wie wenn er gestern das letzte Mal bei mir aus der Tür gekommen wäre."

Bei einem Zitat seines Weggefährten musste Körner am Ende dann aber noch einmal kräftig durchpusten. Jan Fedder habe immer zu ihm gesagt: "Wir sind beide im Michel getauft, sind dort konfirmiert worden, wir haben geheiratet im Michel und auch der letzte Gang ist im Michel."

Hamburgs Polizeipräsident über die Trauerfeier

Hamburg Polizeipräsident Ralf Martin Meyer hatte bei der Trauerfeier ebenfalls eine sehr bewegende Rede gehalten. Und auch für ihn persönlich war der Abschied im Michel sehr emotional. "Es waren berührende Momente", sagte Meyer.

Den Ablauf habe Jan Fedder nach seiner Vorstellung gestaltet – und diese Vorstellung sei voll und ganz erfüllt worden. "Für mich war es eine traurige Pflicht, Jans letzten Wunsch zu erfüllen.“

Fans erinnern an Jan Fedders Kollegin Mareike Carrière

In den sozialen Netzwerken erinnern viele Fans auch an die 2014 in Hamburg verstorbene Mareike Carrière, die an der Seite von Jan Fedder in der Fernsehserie Großstadtrevier spielte.

Auf Twitter heißt es in einem Post: "Nun kannst Du mit deiner Mareike Carrière in einem neuen Revier auf Streife gehen. Haltet den Laden da oben sauber, bis wir alle irgendwann nachkommen."

Rockige Videobotschaft von Martin Semmmelrogge an Jan Fedder

Schauspieler und Synchronsprecher Martin Semmelrogge hat Jan Fedder zum Abschied eine Videobotschaft geschickt.

In dieser richtet Semmelrogge nach einer rockigen Version der Großstadtrevier-Titelmelodie einige Worte an Fedder – mit dunkler Sonnenbrille auf der Nase und einer Dose Bier in der Hand: "Grüß dich, mein Jan. Der Tod ist nicht der größte Verlust im Leben, der größte ist, was im Inneren stirbt."

Anschließend erinnert Semmelrogge an ihre gemeinsame Zeit bei den Dreharbeiten zu dem Film "Das Boot".

Trauerstätte an TV-Wache wächst an

Eine Flasche Bier für Jan Fedder hat ein Fan auch vor dem Eingang der alten Großstadtrevier-Wache abgestellt. An die Mendelsohnstraße 13 in Bahrenfeld waren bereits seit Fedders Tod am 30. Dezember zahlreiche Anhänger gepilgert, um ihrer Trauer um den Schauspieler mit diversen Devotionalen Ausdruck zu verleihen. Nach der Trauerfeier sind dort noch einmal einige frische Blumen mehr abgelegt worden.

Jan Fedder: Fast 900.000 Menschen sehen Trauerfeier

Die zu Herzen gehende Ansprache der Witwe Marion, die warmen Worte von Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer, die emotionale Rede von Hauptpastor Alexander Röder: Nicht nur die 2000 geladenen Gäste nahmen am Dienstag Abschied von Jan Fedder, auch auf dem Michel-Vorplatz verneigten sich Hunderte Fans vor dem Großstadtrevier-Star und Ehrenkommissar der Hamburger Polizei. Und zahlreiche Menschen verfolgten die Live-Übertragung der Trauerfeier am Bildschirm zuhause oder bei der Arbeit.

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880.000 Menschen sahen nach NDR-Angaben die Sendung ab 13.45 Uhr, das ist ein Marktanteil von fast 37 Prozent und damit die senderinterne Topquote für den gestrigen Dienstag. Dicht gefolgt von der Zusammenfassung der Trauerfeier um 21.59 Uhr (838.000 Zuschauer/16,8 Prozent Marktanteil) sowie einer alten Folge von "Neues aus Büttenwarder" (472.000/11,2 Prozent) und dem Porträt "Jan Fedder – mit Ecken, Kanten und ganz viel Herz", das ab 22.45 Uhr auch noch 456.000 Zuschauer (13,4 Prozent) sehen wollten.

Abschied von Jan Fedder vor dem Michel
Abschied von Jan Fedder vor dem Michel

Neuer NDR-Intendant erfreut über Anteilnahme

Entsprechend groß war die Freude bei dem neuen NDR-Intendanten Joachim Knuth. "Die Anteilnahme am Abschied für Jan Fedder war überwältigend", sagte der Nachfolger von Lutz Marmor, der wiederum am Dienstag als einer der Trauerredner im Michel aufgetreten war.

"Sie hat die Beliebtheit des großen Volksschauspielers auf beeindruckende Weise bestätigt", so Knuth weiter. Der NDR habe es "gern ermöglicht", dass viele Menschen im Norden und darüber hinaus die Trauerfeier für Jan Fedder an den Bildschirmen verfolgen konnten.

"Jan Fedder wäre sicher über so viel Zuspruch begeistert gewesen", sagte Knuth: "Er hinterlässt als Mensch und Künstler eine große Lücke."

Viele letzte Wünsche für Jan Fedder in sozialen Netzwerken

"Eine sehr bewegende Trauerfeier." "Ein gebührender Abschied." "Habe Rotz und Wasser geheult." "Ihm hätte es gefallen." Auch einen Tag nach der Trauerfeier für Jan Fedder im Michel bewegt der Abschied von dem großen Volksschauspieler viele Menschen, die in sozialen Netzwerken ihre letzten Wünsche für ihn posten. Zudem sprachen viele Kommentatoren ihre Bewunderung für Marion Fedder aus.

Jan Fedder kam ohne Internet und Handy aus

Apropos soziale Netzwerke: Jan Fedder selbst kam bis zuletzt ohne Facebook & Co aus. Er war weder im Internet unterwegs, noch nutzte er ein Smartphone oder Tablet. "Hab' ich alles nicht. Brauch ich auch nicht", sagte Fedder im Februar 2013 in einem Abendblatt-Interview.

"Ohne Handy bin ich einer der reichsten Menschen in ganz Deutschland", sagte Fedder, der im Gegensatz zu seinen jungen Jahren im Alter sehr gut auf zusätzliche Geräuschkulissen verzichten konnte.

"Heute kann ich wunderbar die Stille genießen und brauch keine Ablenkung durch Beschallung", sagte er vor knapp sieben Jahren. Auf die Anmerkung, dass hinter seinem Namen bei Google zuerst die Begriffe "Krebs" oder "Krankheit" erschienen, entgegnete Fedder damals: "Ein Grund mehr, sich nicht für das Internet zu interessieren."

Fans wünschen sich Jan-Fedder-Museum auf der Reeperbahn

Viele Fans bedankten sich für die große Trauerfeier, die fast einem Staatsakt glich. Viele bekannte Gesichter aus Film, Fernsehen, Wirtschaft und Politik erwiesen Fedder die letzte Ehre im Michel, der mit Tausenden Rosen geschmückt war. Auf Twitter regte ein User an, auf der Reeperbahn ein Jan-Fedder-Museum zu bauen.

Sollte diese Idee nicht umgesetzt werden – im Panoptikum (Spielbudenplatz 3) steht bereits ein lebensgroßes Abbild des Schauspielers. Außerdem hat die Politik im Bezirk Mitte bereits den Gedanken eines Jan-Fedder-Platzes vor der Davidwache aufgenommen.

Das war Jan Fedder:

  • Jan Fedder wurde am 14. Januar 1955 in Hamburg geboren
  • Seinem Vater Adolf Fedder gehörte auf St. Pauli eine Kneipe, seine Mutter Gisela war Tänzerin
  • Erste Erfahrungen im Rampenlicht machte Jan Fedder im Alter von sieben Jahren als Knabensopran im Michel
  • Als 13-Jähriger hatte Jan Fedder seinen ersten Auftritt auf der Bühne und vor der Kamera
  • Seinen Durchbruch als Schauspieler erlangte er im Kinohit "Das Boot" (1981) als Bootsmann Pilgrim
  • Für die ARD-Serie "Großstadtrevier" mimte Jan Fedder von 1992 bis 2019 den Polizeioberkommissar Dirk Matthies
  • Beliebtheit erreichte Jan Fedder auch als "Kurt Brakelmann" in der NDR-Serie "Neues aus Büttenwarder"
  • Jan Fedder trug zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Titel "Ehrenkommissar der Hamburger Polizei"
  • Am 15. Juli 2000 heiratete Jan Fedder im Michel die Werberin Marion Kurth
  • Am 30. Dezember 2019 erlag Jan Fedder in seiner Wohnung auf St. Pauli einem langjährigen Krebsleiden
  • Am 14. Januar 2020 wurde Jan Fedder im Michel mit einer großen Trauerfeier vor 2000 geladenen Gästen verabschiedet

Trauergemeinde stieß im Zwick auf Jan Fedder an

Nach der Trauerfeier für den Schauspieler Jan Fedder fuhren geladene Gäste in vier roten Stadtrundfahrt-Doppeldeckern in die Gaststätte Zwick St. Pauli. Die Promi-Kneipe wurde von Entertainer und Moderator Hugo Egon Balder mitbegründet. Mit vier roten Stadtrundfahrtbussen fuhren die Gäste am Millerntorplatz vor. Auch die Witwe Marion schloss sich der Trauergemeinde im Zwick an – zuvor stoppte sie aber noch einmal an dem Auto mit dem Sarg und hielt eine Minute lang inne.

Unter den Gästen im Zwick waren viele prominente Gesichter wie Schauspielerin Uschi Glas, Choreograf Jorge Gonzalez, Tagesschau-Sprecher Jan Hofer, Sänger Sasha und Claude-Oliver Rudolph, mit dem Fedder für "Das Boot" vor der Kamera stand. Und auch Hugo Egon Balder nahm natürlich an der Feier teil. Die berühmt-berüchtigte "Susis Showbar" sendete währenddessen Beileidsgrüße in Leuchtschrift.

Nach dem Zwick ging es weiter ins Kiez-Lokal Ritze. "Wirklich standesgemäß", schrieb die Band Truck Stop bei Facebook zum Ausklang der Trauerfeier. Die Musiker hatten 1986 die Titelmelodie für das "Großstadtrevier" komponiert, die am Dienstag in einer Orgel-Interpretation das Heraustragen des Sargs aus dem Michel begleitet hatte. Vor der Ritze gab Sängerin Leticia "Ave Maria" live zum Besten.

Jan Fedder: Ungewöhnliche Songauswahl bei Trauerfeier

Von Deep Purple bis zum "Tüdelband" – und Fedders eigenen Liedern: Die Musik im Michel hatte alle Trauergäste berührt. Wohl noch nie zuvor hatte man etwa Deep Purples "Child in Time" in einer gleichermaßen reduzierten wie salbungsvollen Version gehört. In Begleitung von Orgel und Schlagzeug trug die Hamburger Rock-’n’-Roll-Röhre Jessy Martens auf der Empore der Hamburger Hauptkirche den Song derart ergreifend vor, dass in den beiden Hauptschiffen so manches Taschentuch gezogen wurde.

Gewünscht hatte sich Jan Fedder auch einen seiner absoluten Lieblingssongs: "Knockin' on Heaven's Door". Der Bob-Dylan-Klassiker wurde ebenfalls von Jessy Martens interpretiert. Zum Abschied in St. Michaelis erklang dann auch noch einmal Jan Fedders Stimme: "Liebe" hatte er einst selbst für seine Frau Marion aufgenommen.

Jan Fedder singt "An de Eck steiht 'n Jung mit 'n Tüddelband"