Trauerfeier im Michel

"Jan Fedder war der letzte Volksschauspieler"

Rund 1500 Menschen versammelten sich vor dem Michel, um von Jan Fedder Abschied zu nehmen.

Rund 1500 Menschen versammelten sich vor dem Michel, um von Jan Fedder Abschied zu nehmen.

Foto: Michael Rauhe / HA

Zum Abschied von Jan Fedder hatten sich neben 1500 Fans auch viele prominente Trauergäste zum Michel begeben.

Hamburg. Seit 65 Jahren ist der 14. Januar Jan Fedders Geburtstag, doch am Ende sollte es zugleich der Tag des Abschieds werden. Schon seit 11 Uhr hatten sich viele Fans vor dem Michel versammelt, um dem Schauspieler die letzte Ehre zu erweisen.

Es schien, als hätte der Himmel extra den Regen eingestellt, damit die Besucher die Live-Übertragung des Gottesdienstes auf der vom NDR aufgebauten Großbildleinwand anschauen konnten, ohne triefend nass zu werden. Public Viewing kennt man für gewöhnlich nur von Fußballspielen. Dabei geht es laut und lustig zu, an diesem Dienstag war es anders – wenngleich bei einigen Liedern („Jung mit’n Tüdelband“) sogar mitgesungen und auf dem Michelvorplatz nach den Reden applaudiert wurde.

Claude-Oliver Rudolph: "Ich bin sicher, dass Jan in den Himmel kommt"

Vor dem Gottesdienst drängten sich alle um den roten Teppich vor dem Hauptportal, um einen Blick auf die zahlreichen Prominenten zu werfen. Als einer der ersten kam Claude-Oliver Rudolph (mit Sonnenbrille), der mit Jan Fedder zusammen in „Das Boot“ gespielt hatte. Dem Abendblatt sagte der Schauspieler: „Wir waren 40 Jahre lang befreundet, und ich bin sicher, dass Jan in den Himmel kommt. Er war ein guter Mensch, ich kann mich an keine Sünde erinnern. Für mich war Jan Fedder der kleine Bruder von Hans Albers.“

In dem Kinohit aus dem Jahr 1981 hatte Jan Fedder den Bootsmann Pilgrim gespielt. „Das Boot“ sahen 5,8 Millionen Zuschauer allein in Deutschland, der Film wurde für sechs Oscars nominiert. Während der Dreharbeiten wurde viel getrunken. Regisseur Wolfgang Petersen ließ die Jungs saufen, weil sie für den Dreh ja kaputt aussehen sollten. Rudolph sagte dazu: „Wir haben Wolfgang aber auch nicht gefragt, sondern einfach gemacht.“

"Ein echter Hamburger!"

Fedders Autosammlung sei ganz besonders, erzählte Rudolph noch, und dass er nach der Trauerfeier ins Zwick St. Pauli gehen werde – mit vielen anderen Gästen der Trauerfeier.

Alles über die große Trauerfeier für Jan Fedder im Michel

Schauspielkollege Heinz Hoenig wirkte sehr traurig. Er habe sehr viele schöne Erinnerungen an Fedder und glaube, dass er als Mensch in dieser Stadt und in Norddeutschland sehr fehlen werde: „Viele wissen doch gar nicht mehr, was das ist, ein echter Hamburger!“

Ein Hamburger Jung und im Herzen Rock-’n’-Roller

Große Aufregung dann bei der Ankunft von Uschi Glas. Sie hatte mit Fedder die Serie „Zwei Münchner in Hamburg“ gedreht: „Bei der Arbeit hatten wir wahnsinnig viel Spaß. Er war immer gerade heraus und direkt, da war nie etwas Verstecktes. Schon früher hatte er eine ganz genaue Vorstellung vom Leben, er wusste genau, was er will und was er nicht will, und so ist er in all den Jahren auch geblieben.“

Sänger Klaus Meine von den Scorpions erzählte, er habe Fedder bei einer Party kennengelernt: „Ein richtig guter Hamburger Jung, zwischen uns stimmte die Chemie sofort. In seinem Herzen war Jan ein Rock-’n’-Roller.“

Jörg Pilawa: "Jan war der letzte Volksschauspieler"

Nach und nach kamen Jorge Gonzalez, Tim Mälzer, Sasha, Bettina Tietjen, Nina Petri und Judith Rakers in die Kirche. Mike Krüger sagte über Fedder: „Ein feiner Kerl. Und, wie man heute sieht, extrem beliebt.“ Der Musiker H.P. Baxx­ter (Scooter) hatte mit Fedder immer Geburtstag gefeiert und sagte, er werde ihn sehr vermissen: „Es gibt wenige, die so ehrlich und echt sind.“

Die Polizei musste immer wieder die Straße räumen, weil wegen des großen Andrangs die Autos nicht vorfahren konnten. Moderator Jörg Pilawa ging es gar nicht gut, er beschrieb Fedder als „einen Mann, der größtenteils aus Herz bestand. Da bleibt eine Riesenlücke. Jan ist Hamburg, dieser barocke Charme, er war der letzte Volksschauspieler.“ Moderator Hugo Egon Balder wies auf das besondere, lustige Wesen des Verstorbenen hin: „Er war freudiger als ich, und das will schon was heißen.“

Olivia Jones: "Jan Fedder schaut von oben zu"

Auch Olivia Jones liebte seinen Humor und sagte, man sehe daran, wie er selbst noch diese Trauerfeier minutiös geplant habe, was für ein besonderer Mensch er gewesen sei: „Das ist seine Inszenierung hier. Er schaut von oben zu.“ Für den Kiez sei Fedder besonders wichtig gewesen, weil der Schauspieler gezeigt habe, „was für ein großes Herz St. Pauli hat. Er müsste auf jeden Fall eine Gedenkstätte bekommen.“

Die Band Truck Stop, die dem „Großstadtrevier“ 1986 den markanten Titelsong „Wenn der Schutzmann ums Eck kommt“ verlieh, kam ebenso wie das Team von „Neues aus Büttenwarder“, einer weiteren TV-Serie, die für immer mit Jan Fedder verbunden bleibt.

Schauspielerin Michaela May lobte sein Charisma und „dass er in jeder Rolle Jan Fedder war“. Und Carlo von Tiedemann glaubt, dass es Fedder im Himmel nach seiner langen Krankheit nun sehr gut gehe: „Er hat die letzten vier schlimmen Jahre überstanden. Und jetzt passt er auf, dass wir hier unten alles so machen, wie er sich das vorgestellt hat.“ Nach den TV- und Filmgrößen kamen die Politiker.

Katharina Fegebank: "Ein Hamburger Original"

Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) sagte dem Abendblatt, sie sei ein großer Fan seiner TV-Serien gewesen: „Ein Hamburger Original mit Ecken und Kanten. Wir werden ihn alle sehr vermissen. Ein trauriger Tag heute. Der Zuspruch hier ist gewaltig, und er hätte sich sehr gefreut, das hier zu sehen.“

CDU-Spitzenkandidat Marcus Weinberg sagte, er sei genau wie Fedder ein St. Paulianer: „Ein großer Verlust, und der Andrang hier zeigt, welche Bedeutung Jan Fedder für die Hamburger hatte.“ Als Nächstes kam Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) mit seiner Frau an: „Jan Fedder war ein Botschafter Hamburgs. Wir sollten ihm ein ehrendes Andenken einrichten, und ich denke, es gibt eine gute Möglichkeit, das mit seinem Namen im öffentlichen Straßenraum zu verbinden.“

Innensenator Andy Grote (SPD) wies auf die besondere Verbindung Jan Fedders zur Polizei hin: „Er hat viel Vertrauen ausgelöst. Viele haben ihr Bild von der Polizei an Jan Fedder festgemacht – da ist die Polizei ganz glücklich drüber.“

Rund 1500 Menschen verfolgen den Gottesdienst vor dem Michel

Während des Gottesdienstes standen rund 1500 Fans im Wind vor dem Michel. Über die Großleinwand verfolgten sie die Trauerfeier, manche waren bereits um 7 Uhr morgens aufgebrochen, weil sie eine so lange Anreise hatten. Hans Siedler aus Nienburg an der Weser etwa: „Ich habe keine Kosten und Mühen gescheut, wollte unbedingt dabei sein. Fedder war wie eine Blume, die nur sehr selten blüht.“

Apropos Blumen: Die Kirche war geschmückt mit 4500 roten und pinkfarbenen Rosen, 100.000 Rosenblüten, Kerzen und vielen, vielen Kondolenz-Kränzen. Manche Fans ärgerten sich, dass die leeren Reihen im Michel nicht von ganz normalen Hamburgern besetzt werden durften. Ralf Mattwig meinte: „Das wäre im Sinne Jan Fedders gewesen.“ Das fanden auch Sonja und Gudrun Postel aus Harburg. Weil Mutter und Tochter so durchgefroren waren, verfolgten sie die zweite Hälfte der Übertragung auf ihrem Handy in einem Café vor der Kirche. Es machte an diesem kalten, traurigen Tag wahrscheinlich einen Rekordumsatz.

"Dieser Wille, bis zum Ende dabei zu sein"

Nach dem Gottesdienst erklärte Sven Walser, der mit Fedder die Serie „Neues aus Büttenwerder“ gedreht hatte, dass die Trauerfeier entgegen jeder Erwartung gewesen sei. „Eben so wie Jan. Ich musste stutzen, als Musik von Deep Purple gespielt wurde, doch es passte. Mit der Trauerfeier hat er noch mal ein Statement gesetzt. Dieser Wille, bis zum Ende dabei zu sein, selbst über den letzten Willen hinaus!“

Ines Lessing von der Hauptkirche St. Michaelis sagte, sie habe die Feier als besonders würdig empfunden: „Jan Fedder und der Michel haben eine ganz besondere Verbindung, er war ein Kind des Michels, wurde hier getauft, konfirmiert, verheiratet.“ Nur folgerichtig, dass hier auch seine Trauerfeier stattfand.

Noch einmal Dirk Matthies – Jan Fedder im "Großstadtrevier"

Der Schauspieler mit der markanten Stimme hatte im Michel auch viele Jahre lang die Weihnachtsgeschichte gelesen. „Er rauchte davor immer in der Sakristei“, berichtet Lessing, „und keiner hat sich getraut, es ihm zu verbieten.“ Von dem großen Andrang sei sie nicht überrascht gewesen. Schon in den vergangenen Tagen hätten sich extrem viele Menschen gemeldet, die Anteil nehmen wollten.

Mit vier roten Stadtrundfahrtbussen fuhren die Gäste anschließend ins Zwick am Millerntorplatz. Dort kam nach der Fahrt über die Reeperbahn und vorbei an Jan Fedders Wohnhaus auch der Wagen mit dem Sarg an, gefolgt von dem Ford Bronco, dem Undercover-Fahrzeug von Jan Fedders Filmfigur Dirk Matthies, in dem Marion Fedder mitgefahren war. Die Witwe schloss sich der Trauergemeinde im Zwick an – zuvor stoppte sie aber noch einmal an dem Auto mit dem Sarg und hielt eine Minute lang inne.

Am 27. Januar ist Jan Fedder übrigens noch einmal sehr lebendig als Dirk Matthies zu sehen. In der neuen Staffel „Großstadtrevier“ spielt er noch mit. Es geht um einen Umzug. Um einen Neuanfang.