Trauerfeier im Michel

So verabschiedete der Michel-Hauptpastor Jan Fedder

Sechs Polizeibeamte tragen Jan Fedders Sarg aus dem Michel, dahinter laufen Hauptpastor Alexander Röder, Jan Fedders Witwe Marion und der "Großstadtrevier"-Produktionsleiter Joerg Pawlik.

Sechs Polizeibeamte tragen Jan Fedders Sarg aus dem Michel, dahinter laufen Hauptpastor Alexander Röder, Jan Fedders Witwe Marion und der "Großstadtrevier"-Produktionsleiter Joerg Pawlik.

Foto: Zuzu Birkhof

Alexander Röder hob die Persönlichkeit Fedders und seine Verbundenheit zum Michel hervor. Auszüge aus der Predigt im Wortlaut.

Hamburg. Liebe Frau Fedder, liebe Angehörige, Freunde und Kollegen von Jan Fedder, liebe Fangemeinde, liebe Trauergemeinde,

zahllose Anrufe sind in den letzten Tagen aus ganz Deutschland hier am Michel eingegangen, weil Menschen Karten für die Trauerfeier von Jan Fedder bestellen wollten. Das zeigt, für wie viele er weit über die Grenzen Hamburgs hinaus wie ein enger Freund war; auf jeden Fall aber ein guter Bekannter und ein Schauspieler, dessen letzten Auftritt sie live miterleben wollten. Das hat mit ihm zu tun, mit seiner Persönlichkeit als Mensch und als Schauspieler.

Jan Fedder war in seinen Rollen gerade darum ein Sympathieträger, weil er nicht makellos war und nicht glatt und geschliffen redete. Weil er immer Ecken und Kanten hatte und mit seinem ausgeprägten Hamburger Dialekt nicht nur für uns Norddeutsche liebenswert und zugleich ein bisschen schnodderig wirkte, sondern ganz offensichtlich auch für viele Fans aus anderen Teilen unseres Landes (...).

Jan Fedder, "der Idealtyp des Udel"

Jan Fedder – so habe ich erfahren – konnte anderen ziemlich über den Mund fahren, konnte aber auch Fünfe gerade sein lassen. Und er zeigte immer wieder sein großes Herz und seinen Sinn für Gerechtigkeit.

Er war der Idealtyp für den Udel, wie der Polizist früher in Hamburg ein wenig spöttisch genannt wurde. Der Idealtyp für Kurt Brakelmann aus Büttenwarder, ständig hintersinnig stichelnd gegen seinen Freund „Adsche“, aber zugleich eben ein wahrer Freund, auf den man sich in der Not verlassen kann. Der Idealtyp auch für den „Hafenpastor“ in seinem geliebten St. Pauli (...)

"Der Michel, Jan Fedders Kirche"

Der Michel, Jan Fedders Kirche, steht zwar nicht in St. Pauli, aber knapp davor, und die Grenzen waren und sind fließend. Hier wurde Jan Fedder getauft und konfirmiert, hier hat er einige Jahre als Knabensopran im Chor gesungen – wie das wohl gewesen sein mag für den Chorleiter? –, hier hat seine Mutter die Gymnastikgruppe geleitet und jungen Mädchen Ballettschritte beigebracht; hier hat Jan Fedder jahrelang am Heiligabend die Weihnachtsgeschichte gelesen – mit seiner markanten Stimme – und war vorher so nervös, dass er in der Sakristei eine Zigarette nach der anderen geraucht hat. Und keiner hat versucht, es ihm zu verbieten. Es wäre wohl auch kaum gelungen.

Alles über die große Trauerfeier für Jan Fedder im Michel

Hier haben Sie, liebe Frau Fedder, und Ihr Mann sich auch vor Gott zu Ihrer Liebe bekannt und seinen Segen empfangen. Hierher sind Sie, wie es so seine Art war, ganz spontan am Tag Ihrer Petersilienhochzeit gekommen nach zwölfeinhalb Jahren Ehe. In der Kirche fand gerade eine Andacht statt, sodass der Altar nicht frei war. Darum sind Sie in die Krypta gegangen und haben dort am Altar erneut um Gottes Segen gebeten – ganz ohne Anmeldung und ohne Gedenkurkunde und auch ohne Pastor, ohne Gedöns, hätte er wohl gesagt – Ihr bester Freund war bei Ihnen und hat Sie gesegnet (...).

"Die Liebe höret nimmer auf"

„Die Liebe höret nimmer auf“ hat der Apostel Paulus vor knapp 2000 Jahren an die christliche Gemeinde in Korinth geschrieben. Das ist ein großes und ein schönes Wort, und es ist heute nur recht, wenn Sie, liebe Frau Fedder, Ihrem Mann dieses Wort zum Abschied sagen, weil darin jeder Tag Ihrer fast 23 Jahre langen Beziehung aufbewahrt ist (...).

„Das neue Revier“ heißt die erste Folge der neuen Staffel des „Großstadtreviers“, die übernächste Woche ausgestrahlt wird. Jan Fedder spielt darin noch mit. Er selbst ist nun in ein Leben umgezogen, in das er nichts mitnehmen musste, weil er dort alles hat. Lassen wir uns in diesem Glauben trösten und lassen wir ihn lebendig bleiben in allen Erinnerungen an einen geliebten Ehemann, einen guten Freund und Kollegen, einen geschätzten Schauspieler und einen großartigen Menschen. Amen.