Trauerfeier

Gänsehautsongs für Jan Fedder – Fans danken Jessy Martens

Michel Hauptpastor Alexander Röder mit Jan Fedders Witwe Marion und dem "Großstadtrevier"-Produktionsleiter Joerg Pawlik.

Michel Hauptpastor Alexander Röder mit Jan Fedders Witwe Marion und dem "Großstadtrevier"-Produktionsleiter Joerg Pawlik.

Foto: Andreas Laible / HA

Deep Purple, "Tüdelband" und Fedders eigene Lieder – die Musik berührte alle Trauergäste. Im Michel und auch vor der "Ritze".

Hamburg. Jan Fedder war nicht nur Schauspieler, er war auch ein leidenschaftlicher Sänger und großer Musikliebhaber. Und so kam auch der musikalischen Gestaltung der Trauerfeier für das am 30. Dezember verstorbene Hamburger Original eine große Bedeutung zu.

Er selbst hatte sich zu Lebzeiten viele Gedanken um die Songauswahl zu seinem Abschied gemacht. Am Dienstag, an dem Jan Fedder 65 Jahre alt geworden wäre, wurden im Michel nahezu alle Wünsche des Volksschauspielers erfüllt – und wie.

Jan Fedder wünschte sich Deep Purple

Wohl noch nie zuvor hatte man etwa Deep Purples Rock-Epos "Child in Time", Fedders absoluten Lieblingstitel, in einer gleichermaßen reduzierten wie salbungsvollen Version gehört.

In Begleitung von Orgel und Schlagzeug trug die 32 Jahre alte Hamburger Rock-’n’-Roll-Röhre Jessy Martens auf der Empore der Hamburger Hauptkirche den Song derart ergreifend vor, dass in den beiden Hauptschiffen so manches Taschentuch gezogen wurde.

An der Seite von Marion Fedder schüttelte "Großstadtrevier"-Produzent Jörg Pawlik ob der Vollkommenheit der Darbietung zwischendurch ungläubig den Kopf.

Die Musikbeiträge auf der Trauerfeier für Jan Fedder:

  • "La Paloma" von Hans Albers (1944) – interpretiert von Jan Fedder
  • "Child in Time" von Deep Purple (1969) – live interpretiert von Jessy Martens
  • "Geh aus, mein Herz, und suche Freud" von Paul Gerhardt (1653/EG 503, 9.14.15) – gespielt von Michel-Organist Manuel Gera
  • "Knockin' on Heaven's Door" von Bob Dylan (1973) – live interpretiert von Jessy Martens
  • "Nimrod aus Enigma-Variationen" von Edward Elgar (1898) – gespielt von Manuel Gera
  • "Bist du bei mir, geh ich mit Freuden" von Johann Sebastian Bach (1725/BWV 508) – gespielt von Manuel Gera
  • "An de Eck steiht'n Jung mit'n Tüdelband" von den Gebrüdern Wolf (1911) – gespielt von Manuel Gera
  • "Großstadtrevier" von Truck Stop (1986) – gespielt von Manuel Gera
  • "Liebe" von Jan Fedder (2004) – aufgenommen mit der Band "Big Balls"

Fedder-Fans loben Jessy Martens

"Du wirst rechtzeitig die Linie sehen, die zwischen Gut und Böse gezogen wird", heißt es in "Child in Time". 1969 schrieben die britischen Hardrocker das Lied aus Protest gegen den Vietnamkrieg. Verwendung fand der Song später auch im Kinohit "Der Baader Meinhof Komplex".

Schon zur Hochzeit von Jan und Marion Fedder war das zehn Minuten Lange Hardrock-Kunstwerk gespielt worden. Nach der Neuauflage am Dienstag gab es viel Lob für die Interpretin. "Child in time... Trauerfeier von Jan Fedder... großartig!", schrieb etwa eine Zuschauerin bei Facebook an Jessy Martens.

"Bin wirklich geflasht", "meine Hochachtung" oder "Das ging unter die Haut" schrieben andere. Nicht ausgeschlossen, dass Martens' Fangemeinde nach dem beeindruckenden Auftritt im Michel weiter anwächst.

Fedders Lieblingssong – ein Dylan-Klassiker

Gewünscht hatte sich Jan Fedder auch einen weiteren Lieblingssong: "Knockin' on Heaven's Door". Der Bob-Dylan-Klassiker, ebenfalls interpretiert von Jessy Martens, handelt von einem angeschossenen Sheriff, der im Beisein seiner Frau den Tod erwartet.

Moderator und Hobbymusiker Reinhold Beckmann schloss andächtig die Augen, Schauspieler Ben Becker hielt den Vortrag auf seinem Smartphone fest. Ergriffen wirkte die Trauergemeinde aber vor allem auch bei den geistlichen Musikbeiträgen von Michel-Organist Manuel Gera.

Das war Jan Fedder:

  • Jan Fedder wurde am 14. Januar 1955 in Hamburg geboren
  • Seinem Vater Adolf Fedder gehörte auf St. Pauli eine Kneipe, seine Mutter Gisela war Tänzerin
  • Erste Erfahrungen im Rampenlicht machte Jan Fedder im Alter von sieben Jahren als Knabensopran im Michel
  • Als 13-Jähriger hatte Jan Fedder seinen ersten Auftritt auf der Bühne und vor der Kamera
  • Seinen Durchbruch als Schauspieler erlangte er im Kinohit "Das Boot" (1981) als Bootsmann Pilgrim
  • Für die ARD-Serie "Großstadtrevier" mimte Jan Fedder von 1992 bis 2019 den Polizeioberkommissar Dirk Matthies
  • Beliebtheit erreichte Jan Fedder auch als "Kurt Brakelmann" in der NDR-Serie "Neues aus Büttenwarder"
  • Jan Fedder trug zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Titel "Ehrenkommissar der Hamburger Polizei"
  • Am 15. Juli 2000 heiratete Jan Fedder im Michel die Werberin Marion Kurth
  • Am 30. Dezember 2019 erlag Jan Fedder in seiner Wohnung auf St. Pauli einem langjährigen Krebsleiden

Geistliche Musik rührt die Trauergemeinde

Dessen Interpretation von Nimrod, der 9. der Enigma-Variationen des britischen Komponisten Edward Elgar, rührte ebenso zu Tränen wie "Bist du bei mir, geh ich mit Freuden" im Anschluss an das "Vater Unser".

Bei der Nummer 508 aus Johann Sebastian Bachs Werke-Verzeichnis mussten auch so hartgesottene Kerle wie der hinter einer Sonnenbrille verschanzte Schauspieler Claude-Oliver Rudolph an sich halten.

Zuvor konnten die prominenten Gäste beim geistlichen Sommerlied "Geh aus, mein Herz, und suche Freud" von Paul Gerhardt (1653) den ein oder anderen Kloß im Hals lösen, nicht nur "Scorpions"-Frontmann Klaus Meine, Schauspielerin Uschi Glas oder Moderator Carlo von Tiedemann sangen kräftig mit.

Schiffe tuten am Hamburger Hafen zu Ehren von Jan Fedder
Schiffe tuten am Hamburger Hafen zu Ehren von Jan Fedder

Jan Fedders "Tüdelband" erklingt im Michel

Musikalisch eher beschwingt ging es zwischen den Redebeiträgen im weltlichen Teil der Trauerfeier zu. Vor dem Beitrag des scheidenden NDR-Intendanten Lutz Marmor wurde ein ganz besonderer Hamburg-Klassiker eingespielt.

"An de Eck steiht'n Jung mit'n Tüdelband" (1911) hatte Jan Fedder einst selbst aufgenommen, zum Abschied in St. Michaelis erklang dann noch einmal seine Stimme – und die Fans auf dem Michel-Vorplatz stimmten lauthals ein.

Jan Fedder singt "An de Eck steiht 'n Jung mit 'n Tüddelband"

Marion Fedder zieht zu "La Paloma" ein

Die plattdeutsche Volksweise, die den von den Nazis ermordeten jüdischen Brüdern Ludwig und James Wolf zugeschrieben wird, hatte Jan Fedder oft mit seiner Mutter Gisela intoniert.

Als Bootsmann Pilgrim hatte er das Lied in abgewandelter Form auch in dem Kassenschlager "Das Boot" (1981) angestimmt. Für sein Album "Aus Bock" (1998) nahm Fedder den Gassenhauer im Studio auf.

Schon zur Eröffnung der Trauerfeier wurde im Michel ein von Jan Fedder eingesungenes Lied abgespielt. Zu den Klängen von Hans Albers' "La Paloma" zog Marion Fedder mit einem Strauß roter Rosen in der Hand in die Kirche ein.

Jan Fedder singt "La Paloma" von Hans Albers

"Großstadtrevier"-Melodie auf der Orgel

Äußerst emotional wurde es für die Witwe dann noch einmal nach ihren persönlichen Abschiedsworten. Nach dem "schwersten Gang meines Lebens" hörten Marion Fedder und die geladenen Gäste ein Lied, das Jan Fedder nur für seine Frau geschrieben hatte.

Erst wurde der Sarg zu einer Orgel-Interpretation der "Großstadtrevier"-Titelmelodie "Wenn der Schutzmann ums Eck kommt" von Truck Stop (1986) herausgetragen.

Jan Fedder "singt" noch einmal für Marion

Dann hatte Jan Fedder das letzte Wort, als seine Eigenkomposition "Liebe" durch das Gotteshaus hallte, in dem der St.-Pauli-Jung getauft, konfirmiert und am 15. Juli 2000 seiner Marion angetraut worden war.

Jan Fedder singt "Liebe" (2004)

"Und ich halte dich und ich liebe dich bis in alle Ewigkeit", heißt es in dem Song, den Fedder 2004 mit der Band Big Balls für "Fedder geht's nicht" aufgenommen hatte, das letzte seiner zwei Studioalben: "Und die Tränen unserer Herzen halten uns auf immer und immer zusammen. Ich liebe Dich!"

Abschied von Jan Fedder vor dem Michel
Abschied von Jan Fedder vor dem Michel

Musikalisch ging es auch nach der Trauerfeier weiter. Vor der berühmten Kiezkneipe "Ritze" sorgte die Sängerin Leticia mit ihrer Version von "Ave Maria" noch einmal für Gänsehaut bei den Weggefährten von Jan Fedder.