Hamburg

Seniorin bei „First Lego League“ zum Schaukeln gebracht

Härtetest auf dem Parcours: Philipp (15, l.) und Louis (12) von der Klaus-Groth-Schule in Tornesch haben mit ihrem Roboter alles im Griff.

Härtetest auf dem Parcours: Philipp (15, l.) und Louis (12) von der Klaus-Groth-Schule in Tornesch haben mit ihrem Roboter alles im Griff.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

Bei dem Wettbewerb im Albert-Schweitzer-Gymnasium ging es um Wissenschaft, Forschung – und eingeschweißten Marmorkuchen.

Hamburg. Von wegen Einsatz auf Sparflamme und Lernen als Muss: Leo und Marten sind derart begeistert bei der Sache, dass die Wangen glühen. Und das in ihrer Freizeit. 150 Sekunden und keine mehr haben die beiden Zehnjährigen Zeit, ihre vorher programmierten Lego-Roboter wunschgemäß zu bewegen und arbeiten zu lassen. Plötzlich machen Physik, Informatik und Mathe Spaß.

Fünftklässler stellen Leo-Roboter vor

Läuft erstklassig für die Fünftklässler der Mannschaft „Till Squad“ aus Mölln. Ihre selbst gebaute, mit einem Speichermodul ausgestattete Maschine namens „Crazy Head 100“ gehorcht wie befohlen. Eine Seniorin aus Kunststoff wird zum Schaukeln gebracht, ein weißes Schloss umgehoben, eine Brücke hochgeklappt. Mit den Fingern anfassen gilt nicht. Klappt. Am Schluss gibt’s Applaus satt von mehr als 100 Zuschauern am Rande des Parcours. Marten und Leo sind außer Atem und aufgeregt – aber zufrieden. Handschlag!

Ohnehin läuft in der Aula des Albert-Schweitzer-Gymnasiums an diesem Sonnabend eine Menge nach Plan. So und so. Zehn jeweils zehnköpfige Teams von Schulen aus Hamburg und dem Norden engagieren sich mit Leidenschaft. Pädagogisches Prinzip: Technik und Wissenschaft, verpackt in einen sportlichen Wettbewerb, sollen im Team Freude sowie Impulse für die Zukunft bringen.

„First Lego League“ in Hamburger Gymnasium

Die „First Lego League“, initiiert von einer Stiftung in den USA, mobilisiert jährlich rund 39.000 Teams mit neun bis 16 Jahre alten Schülern aus 98 Ländern. Weltweit. Trotz des sinnvollen Charakters stehen für die jungen Wissenschaftler Experimentierfreude, Lust am Werkeln und Interesse am Forschen im Mittelpunkt. In separaten Arbeitsgruppen geht es um Umweltschutz im Straßenverkehr oder um Schadstoffminderung im Hamburger Hafen.

Die Ergebnisse werden auf der Bühne in Szene gesetzt – kreativ, amüsant, lehrreich. Sogar die Jüngeren passen auf. Moderator Arne Glücklich, Lehrer und Coach des Gymnasiums Alstertal, moderiert ebenso feinfühlig wie motivierend. Apropos: Nicht nur Eltern, sondern mehr als 20 Lehrer sind in in der Aula am Struckholt in Ohlsdorf als Betreuer, Helfer oder Jurymitglieder präsent. In ihrer Freizeit. Alle Achtung! Matthias Schieber, Schulleiter des Albert-Schweitzer-Gymnasiums, macht keine Ausnahme.

Physik-Lehrer motiviert die Schüler

„Die Mädchen und Jungs sind richtig gut auf Zack“, sagt Organisationschef Jörg Milde, zweifacher Familienvater, Musiker und Imker während einer kurzen Kaffeepause. Im Vorraum geben ältere Schülerinnen Salat, Würstchen, Saft und Wasser aus. Diplom-Physiker Milde, als Seiteneinsteiger Lehrer geworden, hat persönlich großen Spaß am Spiel. Aktuell unterrichtet der 46-Jährige Mathe, Physik und Informatik. Dass er bei den Schülern hoch im Kurs steht und geschickt Leidenschaften zu entwickeln versteht, ist spürbar.

Zurück in die Aula: Dutzende Rucksäcke in den Ecken, geschäftiges Treiben, enormes Gewusel, beachtliche Lautstärke. An den zehn Teamtischen zeigen sich die Tüftler und Jungingenieure in Hochform. Nicht selten bis unmittelbar vor der Darbietung wird geschraubt, verklebt, gesteckt, probiert, getestet. Anfeuerungsrufe gellen durch die Halle. Wissenschaft kann temperamentvoll und höchst lebendig Schule machen. Erstaunlich.

Siebtklässler punkten mit kleineren Fingern

Am Rande des Hauptparcours erreicht die Aufregung einen Spitzenwert. Gleich haben die Mädchen und Jung des Gymnasiums Heidberg aus Langenhorn ihren Auftritt. Jeder hat seine Aufgabe. Angelina Münch aus der 9 c und die ein Jahr ältere Lea Kaßner sagen übereinstimmend: „Programmieren und Gruppenarbeit machen Spaß.“ Mitstreiter Daniel ergänzt: „Man kann der Kreativität freien Lauf lassen und an Lösungen feilen.“

Johannes meint: „Vorfahrt für Tüftler und Konstrukteure.“ Und Emilia aus Klasse sieben hat eine verblüffende Erklärung für ihren entscheidenden Pluspunkt: „Wir haben kleinere Finger und können die Legoteile schneller und besser zusammenstecken.“ Gut, wenn jeder seine Stärken ins Spiel bringen kann.

Eingeschweißter Marmorkuchen bei Spezialaufgabe

Wer letztlich gewinnt, ist nicht allein entscheidend. Im „Robot Game“ erreichten die Schüler aus Schwarzenbek sowie die Gymnasien aus Trittau und Glinde die meisten Punkte. Im Gesamtwettbewerb qualifizierte sich das Schwarzenbeker Team zudem für das Halbfinale in Brandenburg.

Nur bei einer Spezialaufgabe gab es ein Leistungsgefälle: Jede Mannschaft musste einen Kuchen beisteuern. Derweil die meisten mit hausgemachten Backwaren brillierten, legten andere eingeschweißten Marmorkuchen vom Discounter aufs Büfett. Jungs, da geht mehr.