Großstadtrevier

Jan Fedder: Trauernde Fans eröffnen mehrere Pilgerstätten

Vor der alten TV-Wache und der Wohnung des verstorbenen Schauspielers stapeln sich Devotionalien und Abschiedsgesten.

Hamburg. Jan Fedder war das Großstadtrevier, und das Großstadtrevier war Jan Fedder. Da liegt es nahe, dass viele Fans des verstorbenen Hamburger Volksschauspielers sich vor allem den Ort als Trauerstätte aussuchen, an dem Fedder fast 27 Jahre lang für die beliebte ARD-Serie wirkte.

Und so wächst das Blumenmeer vor der Eingangstür der alten TV-Polizeiwache an der Mendelssohnstraße in Bahrenfeld seit Fedders Tod am 30. Dezember stetig an.

Jan Fedder: Rührende Botschaft einer Familie

"Mach's gut, Jan Fedder", steht auf einer der zahlreichen Grabkerzen, die Anhänger abgelegt haben. Doch nicht nur das ewige Licht leuchtet dort für den nur 64 Jahre alt gewordenen Schauspieler. Auch Basteleien wie ein kleiner Schneemann und zahlreiche Abschiedskarten zieren die Pilgerstätte.

Sind Sie dafür, dass in Hamburg ein Platz nach Jan Fedder benannt wird?

Besonders rührend die letzten Worte einer kleinen Familie. "Manchmal bist Du in unseren Träumen, oft in unseren Gedanken und immer in unseren Herzen", steht auf einem an Jan Fedder gerichteten Brief. Und: "Die schönen Momente mit Dir, Jan, kann uns keiner nehmen."

Jan Fedder weinte über Großstadtrevier-Umzug

Das rote Backsteingebäude diente seit dem Start des Großstadtreviers im Jahr 1986 als Kulisse für die Vorabendserie. Im vergangenen Mai zog das fiktive 14. Polizeikommissariat dann nach Tonndorf auf das Gelände von Studio Hamburg.

Zum Abschied von seinem Wohnzimmer hatte Jan Fedder selbst noch bittere Tränen vergossen. Die Bilder sendet der NDR am 25. Januar um 21.45 Uhr in der Dokumentation "Großstadtrevier – eine Serie zieht um".

Das war Jan Fedder:

  • Jan Fedder wurde am 14. Januar 1955 in Hamburg geboren
  • Seinem Vater Adolf Fedder gehörte auf St. Pauli eine Kneipe, seine Mutter Gisela war Tänzerin
  • Erste Erfahrungen im Rampenlicht machte Jan Fedder im Alter von sieben Jahren als Knabensopran im Michel
  • Als 13-Jähriger hatte Jan Fedder seinen ersten Auftritt auf der Bühne und vor der Kamera
  • Seinen Durchbruch als Schauspieler erlangte er im Kinohit "Das Boot" (1981) als Bootsmann Pilgrim
  • Für die ARD-Serie "Großstadtrevier" mimte Jan Fedder von 1992 bis 2019 den Polizeioberkommissar Dirk Matthies
  • Beliebtheit erreichte Jan Fedder auch als "Kurt Brakelmann" in der NDR-Serie "Neues aus Büttenwarder"
  • Jan Fedder trug zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Titel "Ehrenkommissar der Hamburger Polizei"
  • Am 15. Juli 2000 heiratete Jan Fedder in der Hauptkirche St. Michaelis die Werberin Marion Kurth
  • Am 30. Dezember 2019 erlag Jan Fedder in seiner Wohnung auf St. Pauli einem langjährigen Krebsleiden

Jan Fedders Wohnung wird zur Pilgerstätte

Unweit einer echten Polizeiwache gelegen war auch Jan Fedders eigentliches Zuhause. Vor dem Wohnhaus auf St. Pauli, in dem der Schauspieler seinem Krebsleiden erlag und aus dem sein guter Freund Tim Mälzer den Sarg trug, stapeln sich ebenfalls Blumen und Abschiedsgrüße.

"Ein St. Pauli Jan mit Herz kommt in den Himmel" ist dort zu lesen, oder auch "Tschüss Jan, den Leidensweg hattest Du nicht verdient". 2011 war bei Fedder Krebs diagnostiziert worden, wegen eines Mundhöhlen-Karzinoms musste er rund 30 Bestrahlungen über sich ergehen lassen.

Fedder-Kondolenzbuch am Hauseingang

Die letzten Jahre seines Lebens saß Jan Fedder im Rollstuhl, am Ende musste er mit nur noch zwei Drittel seiner Zunge auskommen. Ein kleiner Bär mit einer letzten Zigarette im Schoß erinnert auch an den leidenschaftlichen Raucher Fedder.

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An der Wohnung haben sich die Fans des Kiez-Originals besondere Mühe gegeben und neben dem Hauseingang ein eigenes Kondolenzbuch ausgehängt.

Ihr Beileid bekunden können Interessierte auch noch bis zum 14. Januar in der Davidwache. An diesem Tag findet im Michel dann auch die Trauerfeier für 2000 geladene Gäste ein, für das Volk wird der Gottesdienst auch auf einer Großbildleinwand auf dem Vorplatz der Hamburger Hauptkirche übertragen. Den Livestream des NDR können Interessierte auch auf abendblatt.de verfolgen.

Das NDR-Programm rund um Jan Fedder am 14. Januar:

  • 13.15 bis 13.45 Uhr: "Bauer, Bulle, Volksschauspieler"
  • 13.45 bis 16 Uhr: "NDR/Info extra: Abschied von Jan Fedder"
  • 22.00 bis 22.20 Uhr: "Tschüss Jan – Hamburg verabschiedet sich"
  • 22.20 bis 22.45 Uhr: "Neues aus Büttenwarder – Einladung"
  • 22.45 bis 23.30 Uhr: "Jan Fedder – Mit Ecken, Kanten und ganz viel Herz"

Jan-Fedder-Platz vor der Davidwache?

Direkt vor dem berüchtigten Kiez-Kommissariat könnte künftig indes eine langfristige Gedenkstätte für Jan Fedder entstehen. Der St. Pauli Bürgerverein hat sich bereits für eine Umbenennung eines Teils des Spielbudenplatzes stark gemacht, auch Bezirkspolitiker verfolgen diesen Plan.

Zu einer Umsetzung wird es aller Voraussicht nach aber nicht vor Ende 2021 kommen – in Hamburg werden Plätze und Straßen üblicherweise frühestens zwei Jahre nach dem Tod einer prominenten Person nach dieser benannt.

Fedder-Gedenken am Büttenwarder-Schauplatz

So lange müssen Fedders Fans mit ihren selbst gestalteten Gedenkstätten vorliebnehmen. Eine davon befindet sich auch in Grönwohld im Amt Trittau. In der kleinen Gemeinde im Kreis Stormarn stand Fedder als Bauer Kurt Brakelmann für die NDR-Serie "Neues aus Büttenwarder" vor der Kamera.

25 Jahre wurde dafür in der Gaststätte "Unter den Linden" (Serienname: "Dorfkrug") gedreht. Auch dort legten Einwohner Kerzen und Blumen nieder. "Jan Fedder war ein Volksschauspieler im allerbesten Sinne und hinterlässt deshalb eine große Lücke", sagt Grönwohlds Bürgermeister Ralf Breisacher.

Jan Fedder soll in Ohlsdorf bestattet werden

Wo genau sich Fedders letzte Ruhestätte befinden wird, ist bislang nicht bekannt. Dem Vernehmen nach wird Jan Fedder auf dem Ohlsorfer Friedhof beigesetzt – im engsten Familienkreis unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Info: Das Abendblatt wird Jan Fedder ein eigenes Magazin der Reihe "Collector’s Edition" widmen. Es kostet 10 Euro (für Abonnenten 8 Euro), erscheint Anfang Februar und beinhaltet viele Fotos, Geschichten und Interviews. Bestellungen unter Tel. 333 66 999, www.abendblatt.de/jan und in der Geschäftsstelle (Großer Burstah 18–32).