Bußgelder

Hamburgs Temposünder stellen den nächsten Blitzer-Rekord auf

Der Blitzer an der Stresemannstraße ist für die Stadt besonders lukrativ.

Der Blitzer an der Stresemannstraße ist für die Stadt besonders lukrativ.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services / MARCELO HERNANDEZ / FUNKE Foto Services

Die Stadt nimmt so viel Geld durch Blitzer ein wie nie – aus zwei Gründen. Wo die meisten Raser in die Radarfalle tappen.

Hamburg. Von Jahr zu Jahr eilt die Stadt zu neuen Rekorden. Schon 2018 waren mit mehr als 773.000 geblitzten Fahrzeugen so viele Temposünder erwischt worden wie nie zuvor. 2019 lag die Zahl der Anzeigen noch einmal über dem hohen Vorjahreswert: Exakt 886.419-mal lösten die Geschwindigkeitsüberwachungsanlagen in Hamburg aus, teilte die Innenbehörde auf Abendblatt-Anfrage mit. Gegenüber 2018 ist das ein Anstieg um rund 14 Prozent.

Der erneute Zuwachs hat zwei Gründe: Zum einen werden die alten „Starenkästen“ sukzessive gegen moderne Anlagen ausgetauscht. Seit dem vergangenen Jahr sind etwa an der Stresemannstraße zwei neue, laserbasierte Geräte vom Typ Vitronic Poliscan Speed im Einsatz, die nicht mehr wie ihre Vorgänger auf Induktionsschleifen zur Messung angewiesen sind. Noch viel stärker ins Gewicht fällt aber der Einsatz der sechs im Vorjahr neu angeschafften, flexiblen Blitzeranhänger. Sie erlauben der Polizei eine lückenlose Überwachung.

Blitzeranhänger erhöhen Verkehrssicherheit in Hamburg

Außerdem können sie Fahrzeuge in beiden Fahrtrichtungen auch auf mehreren Spuren überwachen. „Durch den Einsatz der mobilen Blitzeranhänger, insbesondere nachts, in Tempo 30-Zonen und vor schützenswerten Einrichtungen wie Schulen und Kitas konnten wir die Verkehrssicherheit noch weiter erhöhen“, sagt Ulf Schröder, Leiter der Verkehrsdirektion der Polizei, dem Abendblatt.

Welch zentrale Rolle die Anhänger bei der Tempoüberwachung spielen, veranschaulicht die Zahl der Messstunden: So waren etwa allein im November die Anhänger insgesamt 3105 Stunden im Betrieb. Die von den Polizeibeamten selbst durchgeführten Messungen schlugen in diesem Zeitraum dagegen mit nur 691 Stunden zu Buche.

Hamburg kassierte 21 Millionen Euro Buß- und Verwarnungsgelder

Während im Jahr 2018 die stationären Radargeräte 513.122-mal und die mobilen 260.371-mal blitzten, lösten die stationären im Vorjahr 517.595-mal und die mobilen 368.824-mal aus. Insgesamt kassierte Hamburg 2019 durch beide Messarten 21,28 Millionen Euro Buß- und Verwarnungsgelder – rund eine Million Euro mehr als im Jahr davor. Allein an der Messstelle an der Saarlandstraße (Fahrtrichtung City) wurden 41.852 zu schnelle Autofahrer erwischt, die insgesamt 802.767 Euro Bußgeld zahlen mussten. An der Stresemannstraße 147 waren es 37.674 Autofahrer und 1.026.529 Euro.

Die meisten Rotlichtverstöße an Nordkanalstraße/Anckelmannsplatz

10,81 Millionen Euro spülte die stationäre Überwachung in die Stadtkasse, 10,47 Millionen Euro die mobile. Allein durch die neuen Blitzeranhänger kamen 145.337 Anzeigen und 2,92 Millionen Euro zusammen. Offenbar sind bei den mobilen Messungen an wechselnden Orten und ohne „Vorwarnung“ zum Teil deutlich höhere Tempoüberschreitungen erfasst worden als bei den fest installierten. Zwar gab es hier rund 150.000 Anzeigen weniger, die Einnahmen liegen jedoch fast gleichauf mit denen aus der stationären Messung.

Zusätzliche 1,67 Millionen Euro nahm die Stadt durch Rotlichtverstöße ein. Mit Abstand am häufigsten wurde Rotlicht an der Nordkanalstraße/Anckelmannsplatz in Richtung stadtauswärts ignoriert – allein hier kassierte die Stadt 389.381,40 Euro.

CDU fordert Ausweitung der mobilen Verkehrsüberwachung

„Die Zahlen zeigen, dass es leider immer noch viel zu häufig zu Verstößen kommt. Deshalb muss der Kontrolldruck besonders vor Kindergärten, Schulen und sozialen Einrichtungen deutlich erhöht werden. Gerade auch die Zahl der Rotlichtverstöße hat leider stark zugenommen. Letzteres gilt natürlich auch für Fahrradfahrer. Über Rot zu radeln ist brandgefährlicher Leichtsinn“, kritisiert CDU-Verkehrsexperte Dennis Thering.

Seine Forderung: Die mobile Verkehrsüberwachung müsse auch hier massiv ausgeweitet werden. „Die Einnahmen aus der Verkehrsüberwachung müssen dabei zwingend und komplett in den Ausbau der Unfallprävention und in die Verkehrserziehung in Kindergärten und Schulen reinvestiert werden.“

Hamburg verfügt über 42 stationäre Radargeräte an 34 Standorten, seit Ende 2018 sind keine weiteren hinzugekommen.

Die ertragreichsten Blitzer der Stadt:

  1. Stresemannstraße 147: 1.026.529 Euro
  2. Finkenwerder Straße/ Vollhöfner Weiden: 804.667 Euro
  3. Stresemannstraße 70: 650.000 Euro
  4. Saarlandstraße 69 in Richtung City-Nord: 581.000 Euro

Allerdings sind 17 Anlagen durch Sachbeschädigungen teilweise mehrfach außer Gefecht gesetzt worden. So fiel der Blitzer an der Stresemannstraße 70 aus diesem Grund viermal für insgesamt elf Tage aus.

Geschwindigkeitsüberschreitung eine der Hauptunfallursachen

Die Stadt hat in den vergangenen Jahren immer mehr Geld durch die Tempo-Überwachung eingenommen – mehr Blitzer, höhere Einnahmen. Allein 2018 hatte sie sechs zusätzliche Radargeräte aufgestellt, im Kampf gegen Raser setzt der Senat verstärkt auf repressive Maßnahmen.

„Geschwindigkeitsüberschreitung ist nach wie vor eine der Hauptunfallursachen und führt nicht selten zu folgenschweren Verletzungen für die Beteiligten“, sagt Ulf Schröder. Und eine deutliche Warnung spricht der oberste Verkehrsbeamte der Stadt auch noch aus: „Rasern sollte klar sein: Wir lassen auch in diesem Jahr nicht nach und halten den Kontrolldruck hoch.“