Hamburger Schauspieler

Jan Fedder – das sind die Bilder seines Lebens

Das Abendblatt zeichnet das Leben des legendären Schauspielers in Bildern nach – und trauert mit den Angehörigen. Von Georg J. Schulz

Hamburg. Sieben Jahre lang hatte Jan Fedder gegen den Krebs angekämpft. Doch am Ende reichte die Kraft nicht mehr, um gegen die Krankheit bestehen zu können. Als der Schauspieler, der weit mehr war als der Polizist Dirk Matthies aus dem „Großstadtrevier“, am 30. Dezember nicht mehr zu erreichen war, fuhr ein Freund in die Wohnung auf St. Pauli – und fand Fedder tot in seinem Bett. Ein mitunter exzessiv geführtes Leben endete nach nur 64 Jahren.

„Großstadtrevier“

Seit dem Oktober 1992 gehörte Jan Fedder alias Dirk Matthies fest zum Team im „Großstadtrevier“, der Neue stellte sich damals mit Jeans und kunterbuntem Hemd auf dem Film-Revier vor. Seine erste Rolle in der Serie hat er jedoch schon 1988 gespielt, es handelte sich dabei allerdings um eine Nebenrolle.

„Das Boot“

Im Kinofilm „Das Boot“ spielte Jan Fedder (r.) den Brückenmaat Pilgrim. Bei den Dreharbeiten wurde Fedder einmal von einer Welle getroffen und brach sich einige Rippen. Von dem Film gibt es drei Fassungen: die erste Kinoversion, einen Fernsehmehrteiler und den neu geschnittenen „Director’s Cut“. Das Meisterwerk von Regisseur Wolfgang Petersen wurde mit sechs Oscars ausgezeichnet und war für viele der beteiligten Schauspieler tatsächlich ein Karriere-Turbo.

„Agent in eigener Sache“

Jan Fedder (l.) 1982 mit Edie Samland und Ralf Richter in der Serie „Agent in eigener Sache“, einer britischen Fernsehproduktion, die auch in der ARD lief. Der Sechsteiler, auch bekannt unter dem Titel „Smileys Leute“ (im Original: „Smiley’s People“), basierte auf einem Spionage-Thriller von John le Carré. Fedder spielte nur eine kleine Nebenrolle.

Liebe zu Autos

Jan Fedder hatte immer auch ein Faible für Autos. Hier schraubt er 1991 an einem US-Straßenkreuzer herum, er besaß aber auch eine Sammlung von Auto-Blechspielzeug. Zu Fedders kleinem Privatmuseum auf dem Bauernhof bei Itzehoe gehörten im Jahr 2010 mehr als 30 antike Autos, Trecker und Motorräder. Den Grundstein für seine Oldtimer-Sammlung ermöglichte laut „Frau im Spiegel“ eine Erbschaft: „Ich war 19, mein verstorbener Onkel vermachte mir 19.000 D-Mark. Ich investierte das Geld in Autos.“

„Der Mann im Strom“

Hier posiert Jan Fedder in kompletter Tauchermontur im Jahr 2005 in Hamburg auf dem Gelände der Werft Blohm + Voss bei den Dreharbeiten zum NDR-Fernsehfilm „Der Mann im Strom“ nach einem Roman von Siegfried Lenz. Fedder spielte in dem Film den 55 Jahre alten Schiffsinspektor und Taucher Jan Hinrichs, der aufgrund seines Alters Probleme hat, Arbeit zu finden. Der Film wurde im Frühjahr 2006 erstmals ausgestrahlt.

„Neues aus Büttenwarder“

„Schwein gehabt“, konnte Jan Fedder alias Kurt Brakelmann voller Überzeugung sagen, wenn er mit Peter Heinrich Brix „Neues aus Büttenwarder“ drehte. Fedder war jedoch nicht nur im Fernsehen auch ein Land-Mensch, sondern ebenso privat: Der überzeugte St. Paulianer bewohnte eine bäuerliche Dependance im Kreis Steinburg.

Trauung im Michel

Bibel und Brautstrauß fest in den Händen, umarmen sich Jan Fedder und seine Braut Marion Kurt nach der kirchlichen Trauung in Hamburgs Hauptkirche St. Michaelis am 15. Juli 2000. Der auf St. Pauli aufgewachsene Sohn eines Kneipenbesitzers war ein waschechter Hamburger Jung, seine Frau lernte er mit 43 Jahren kennen. „Die Liebe mit Marion ist ein Geschenk Gottes“, schwärmte Fedder einmal, wenngleich die beiden getrennte Wohnungen hatten. Als Jan Fedder starb, war Marion gerade in Spanien.

„Großstadtrevier“

Das „Großstadtrevier“ blieb der Dreh- und Angelpunkt der Arbeit als Schauspieler für Jan Fedder. Auch nach seiner Krebserkrankung schlüpfte er weiter in die Rolle des Dirk Matthies, allerdings ging er in den Folgen nicht mehr oft auf Streife, sondern blieb auf dem Revier. Hier wird er im November 2018 von Maskenbildner Rolf Baumann geschminkt.

„Der Hafenpastor“

Auch „Der Hafenpastor“ war eine Rolle, die gut zu Jan Fedder passte. Es wurden von 2011 bis 2016 insgesamt drei Teile des Fernsehdramas produziert. Fedder spielte darin den etwas renitenten Pastor Stefan Book, der sich im ersten Film für ein Mädchen, das nach Afrika abgeschoben werden soll, einsetzt. Die Handlung wurde inspiriert von der Abendblatt-Berichterstattung über den Fall Kate Amayo.

Leben und Filme

  • Jan Fedder wurde am 14. Januar 1955 in Hamburg als Sohn eines Kneipenbesitzers und einer Tänzerin geboren, wuchs auf St. Pauli auf und starb ebendort, in seiner Wohnung, am 30. Dezember 2019 im Alter von 64 Jahren.
  • Schon im Alter von zehn Jahren nahm Fedder Schauspielunterricht, zudem lernte er als Kind auch die Grundlagen des Balletts. Mit 13 Jahren stand er erstmals auf der Bühne und vor der Kamera. Fedder gehörte 19 Jahre lang zum Ensemble des Kinder- und Jugendtheaters Klecks, spielte aber auch im Ernst Deutsch Theater in Klassikern von Goethe und Shakespeare. Eine Ausbildung zum Speditionskaufmann hat Fedder zwar absolviert, diesen Beruf aber nie richtig ausgeübt.
  • Fedders Filmografie ist äußerst umfangreich und beginnt 1969 mit „Reisedienst Schwalbe“. Es folgen viele kleinere Auftritte und Nebenrollen. So ist er zum Beispiel 1974 in „Hamburg Transit“ zu sehen, 1978 in „Ein Mord am Lietzensee“und 1979 in „Tilt“. Doch erst die Rolle als Pilgrim in Wolfgang Petersens „Das Boot“ macht ihn einem größeren Publikum bekannt.
  • Es folgen viele Produktionen mit norddeutscher Prägung, bis Fedder 1991 in Folge 37 des „Großstadtreviers“ einsteigt. Die Figur des Polizisten Dirk Matthies wird neben der Filmfigur Kurt Brakelmann („Neues aus Büttenwarder“) seine Hauptrolle, doch einen Preis bekommt er für eine andere schauspielerische Leistung, nämlich in der Neuverfilmung von „Der Mann im Strom“, die auf dem Roman von Siegfried Lenz basiert und in den 1950er-Jahren schon einmal mit Hans Albers verfilmt worden war.
  • 2012 wird bei Jan Fedder erstmals Krebs in der Mundhöhle diagnostiziert. Er muss zur Strahlentherapie, ein Teil der Zunge wird entfernt. Fedder selbst sagt, er bekomme nun die Quittung für seinen exzessiven Lebensstil mit viel Alkohol und vielen Zigaretten. Irgendwann mit Anfang 40 habe er beschlossen, er saufe sich zu Tode, bis er 50 sei. „Ich bin dem Teufel 14-mal von der Schippe gesprungen.“ Doch dann kommt die Diagnose, und mit ihr ändert er den Lebensstil, rührt bald keinen Tropfen mehr an.
  • So schafft es Jan Fedder, noch sieben Jahre lang den Krebs in Schach zu halten, wenngleich oft mehr schlecht als recht. Bis er Ende 2019 keine Kraft mehr hat.
  • Die Trauerfeier wird im Michael stattfinden – am 14. Januar, also genau an jenem Tag, an dem Jan Fedder im Leben 65 Jahre alt geworden wäre.