Hamburg

„Der Staat muss viel mehr für das Ehrenamt tun“

Hamburg. Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Dirk Fischer, Präsident des Hamburger Fußballverbands, macht sich für das Ehrenamt stark.

Herr Fischer, wie ist die Trainersituation bei den Hamburger Fußballvereinen?

Dirk Fischer Wir fördern, und wir bilden aus. Aber wir brauchen Menschen, die bereit sind, diese verantwortungsvolle Tätigkeit zu übernehmen. Vor allem im Juniorenbereich suchen die Vereine dringend Trainer.

Vielerorts übernehmen Eltern das Traineramt. Ist das der richtige Weg?

Wir freuen uns über jede Mutter, jeden Vater, die für dieses Ehrenamt bereit sind. Es muss auch niemand einen entsprechenden Schein vorweisen. Wobei wir es natürlich begrüßen, wenn irgendwann die Basisausbildung (Kompaktlehrgang an drei Tagen oder an zwei Wochenenden, die Red.) absolviert wird.

Welche Konsequenzen hat der Mangel?

Viele Vereine haben inzwischen Wartelisten. Ganz offen, da werde ich rebellisch. Ich lese, dass die Weltgesundheitsorganisation Übergewicht als „globale Epidemie des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet. In Deutschland gilt inzwischen jeder dritte Jugendliche und jedes fünfte Kind als übergewichtig, acht Prozent der Zehn- bis 14-Jährigen sind sogar adipös, also krankhaft übergewichtig. Da kann es doch nicht sein, dass wir Kinder auf Wartelisten hin– und herschieben.

Es fehlen auch Fußballplätze ...

Das stimmt. Hier tut die Stadt aber zum Glück eine Menge für den Bau von Kunstrasenplätzen. Gerade in sozial schwierigen Stadtteilen sorgt der Sportverein dafür, dass Jugendliche die Finger von Drogen lassen, bewahrt sie vor dem Einstieg in die Kriminalität. Deshalb muss der Staat viel mehr für das Ehrenamt tun. Ich begrüße sehr, dass der Bundesrat auf eine Hamburger Senatsinitiative hin die Übungsleiterpauschale, die Trainer im Amateursport als Steuerfreibetrag in Anspruch nehmen dürfen, von 2400 Euro auf 3000 Euro im Jahr anheben will. Auch die Ehrenamtspauschale für Vereinsvorstände soll von 720 Euro auf 840 Euro steigen. Jetzt sind Bundesregierung und Bundestag aufgefordert, schnell zu handeln.

Der Fiskus bleibt für viele Sportvereine ein leidiges Thema.

Allerdings. Unsere Verbände und Vereine haben mit einigen Finanzämtern in Deutschland Probleme, wenn sie die Ehepartner eines verdienten Ehrenamtlers als kleines Dankeschön mit zum Weihnachtsessen einladen. Dabei hat die Frau oder der Mann oft genug auf den Partner verzichtet, weil sie oder er für den Verein im Einsatz war. So etwas ist mir unbegreiflich. Wir haben mal hochgerechnet, dass unsere Ehrenamtler im Hamburger Fußballverband insgesamt 20 Millionen Euro im Jahr erhalten müssten, würde der Staat sie nur nach Mindestlohn bezahlen. Unsere Leute leisten die Arbeit, die ansonsten der Staat und seine Steuerzahler übernehmen müssten.

Wird es schwieriger, Menschen für das Ehrenamt zu begeistern?

Die Bindung ist hoch, die Findung schwierig. Wer einmal ein Ehrenamt übernommen hat, bleibt in der Regel viele Jahre dabei. Aber neue Leute zu finden wird immer schwieriger. Wir haben viele betagte Vorstände, die gern das Amt in jüngere Hände übergeben würden. Ja, das bedeutet Arbeit. Aber ein Ehrenamt im Dienst der Mitbürger auszuüben bereichert das eigene Leben.