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Wie Hamburg-Nord 2020 boomt – und sogar der Stadtpark wächst

Serie zu Hamburgs Bezirken: Das ändert sich 2020 in Nord. Der Stadtpark soll vergrößert werden, auch das Pergolenviertel mit vielen Wohnungen an der City Nord wächst.

Serie zu Hamburgs Bezirken: Das ändert sich 2020 in Nord. Der Stadtpark soll vergrößert werden, auch das Pergolenviertel mit vielen Wohnungen an der City Nord wächst.

Foto: Andreas Laible

Noch mehr Wohnungen in Winterhude und Groß Borstel und ein Novum für Eppendorf. Was sich 2020 im Bezirk Hamburg-Nord ändert.

Hamburg. In Hamburg Nord bleibt der Wohnungsbau auch in 2020 das zentrale Thema. „Wir werden unsere Verpflichtungen aus dem Bündnis für Wohnen erneut deutlich übertreffen“, sagt Ralf Staack, der die Leitung des Bezirks zur Zeit inne hat. Knapp 2800 Wohnungen können in 2020 in die Baugenehmigungs- oder Realisierungsphase kommen, im Vertrag mit Hamburg vereinbart sind 1200. Bei der Schaffung von Wohnraum für alle Zielgruppen wolle man immer die Quartierentwicklung und die Infrastruktur im Blick behalten und möglichst geringe Flächen verbrauchen.

STADTPLANUNG

Im Pergolenviertel (1), das seit 2016 in Winterhude entsteht, wurde gerade das erste Gebäude bezogen. Ende 2020 sollen Bewohner in weitere 400 Wohnungen einziehen. Insgesamt entstehen in dem Quartier am Stadtpark jetzt 1700 Wohnungen (ursprünglich geplant: 1400), davon 60 Prozent öffentlich gefördert, außerdem 170 nachverdichtete Kleingärten, 200 Studentenwohnungen, 300 Kita-Plätze und ein Lehrschwimmbad.

Im Quartier Tarpenbeker Ufer (2) auf dem ehemaligen Güterbahnhof Lokstedt, entstehen 900 Wohnungen (ursprünglich geplant: 750), eine Kita und ein Park. 155 Wohnungen wurden bereits fertig gestellt, 2020 sollen weitere 274 Wohnungen bezogen werden. Für den Petersen-Park (3) zwischen Papenreye und Niendorfer Weg wird der Bebauungsplan erstellt. Hier sollen ein Gewerbegebiet und bis zu 420 Wohnungen im Drittelmix entstehen.

Auf der Fläche der ehemaligen Schiffbauversuchsanstalt an der Dieselstraße (4) wird ein Quartier mit 700 Wohnungen, Kleingärten, Kita und Nahversorgungsangeboten gebaut. Die ersten Wohnungen sind bezogen, 2020 beginnt der Bau von 170 Sozialwohnungen durch die SAGA. Mit dem Urban Village Klein Borstel (5) soll auf der bis 2022 als Flüchtlingsunterkunft genutzten Fläche des ehemaligen Anzuchtgartens für den Ohlsdorfer Friedhof ein Wohnquartier entstehen. In 2020 erfolgt eine Konzeptausschreibung für die Vergabe der Grundstücke. Im Grünen Grunde (6) beginnt auf dem ehemaligen Gelände des Schwimmbads Ohlsdorf der Bau von drei Häusern mit insgesamt 116 Wohnungen (53 öffentlich gefördert). Das Gebiet grenzt an den Alsterradweg, der im Zuge der Bauarbeiten erneuert werden soll.

Die City Nord wandelt sich zu einem Bürostandort, an dem auch gewohnt wird. Am Überseering 30 (7), wo früher die Postpyramide stand, starten im Frühjahr die Rohbauarbeiten für das Projekt Ipanema. Auf 28.500 Quadratmeter sind etwa 520 Wohnungen im Drittelmix geplant, nebenan ein Büroneubau. Am Kapstadtring 5 (8) wurde das Signa-Iduna-Gebäude abgerissen. An seiner Stelle entsteht ein 16-stöckiger Büroneubau, der von Signal Iduna gemietet wird. Zwölf Geschosse wird das Hochhaus mit 166 Mikrowohnungen haben, für das 2020 am Mexikoring 21 (9) die Baugenehmigung erteilt werden soll.

An der Alten Wöhr (10) soll ein fünf- bis achtstöckiger Neubaukomplex der SAGA mit 126 Sozialwohnungen und zwei Großtagespflegestellen für insgesamt bis zu 30 Kindern entstehen. Auch an der Sengelmannstraße Ecke Suhrenkamp (11) schafft die SAGA 163 öffentlich geförderte Wohnungen in einem siebenstöckigen Neubau Im Erdgeschoss ist ein Supermarkt vorgesehen.

Im Langenhorner Oxpark Quartier, das auf dem ehemaligen Gelände des Krankenhauses Ochsenzoll entstanden ist, beginnen die letzten Arbeiten. Mit dem Abriss des Schornsteins hat die Sanierung und Umnutzung der Alten Wäscherei (12) begonnen. In dem denkmalgeschützten Gebäude sollen 17 Wohnungen entstehen. Im Feilenhausweg (13) ebenfalls auf dem früheren Krankenhausgelände, sind zwei Neubauten mit insgesamt 62 Wohnungen sowie einer Gewerbefläche geplant, an der Ochsenweberstraße (14) entstehen derzeit 16 Wohnungen, im Quartier Unter den Linden (15) werden die letzten Bauten denkmalgerecht saniert.

An der Ecke Fuhlsbüttler Straße/ Hebebrandstraße (16) errichtet das Hamburger Unternehmen ECE einen sechsgeschossigen Bürokomplex mit einer doppelstöckigen Tiefgarage, Platz für 1700 Arbeitsplätze und einer Versammlungsstätte für bis zu 700 Menschen. Die Fertigstellung ist für 2022 geplant. Am Holsteinischen Kamp (17) in Barmbek-Süd wird 2020 Built in Barmbek, ein innovativer und urbaner Gewerbe- und Handwerkerhof, fertiggestellt.

Voraussichtlich im zweiten Quartal dieses Jahres soll das Geschäftshaus Fuhle 101 fertig werden, das an der Fuhlsbüttler Straße (18) auf dem ehemaligen Hertie-Grundstück gebaut wird. Hier ziehen neben zahlreichen Nahversorgern auch ein Fitnessstudio und ein Hotel ein. Der Hotelneubau Bahnhofslinse (19) gegenüber von Globetrotter am Barmbeker Bahnhof soll Ende dieses Jahres abgeschlossen werden. Mit der Jarrestadt (20) bewirbt sich der Bezirk zum dritten Mal für das Bundesförderprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“. Der Bund entscheidet darüber im April. Für Groß Borstel (21) soll ein Gebietsentwickler 2020 ein integriertes Entwicklungskonzept erarbeiten: Der Stadtteil soll ein Ortszentrum mit Nahversorgungs- sozialen und kulturellen Angeboten bekommen. An der Loogestraße (22) in Eppendorf wird die Wohnunterkunft für schutzbedürftige Frauen und ihre Kinder fertiggestellt und voraussichtlich im Frühjahr bezogen. Sie ist Eppendorfs erster Beitrag zur Unterbringung von Flüchtlingen.

VERKEHR

Im Straßenbau liegt der Fokus 2020 auf Langenhorn, Barmbek und Hohenfelde l. Im Umfeld der Tangstedter Landstraße und im angrenzenden Ring 3 (23) werden verschiedene Arbeiten durchgeführt. Am Alten Teichweg (24) werden die Baumaßnahmen zwischen Nordschleswiger Straße und Krausestraße fortgesetzt. Nach Sielarbeiten durch Hamburg Wasser will der Bezirk dort Fahrbahn, Geh- und Radwege umgestalten. Auch an der Hohenfelder Bucht (25) gibt es umfangreiche Baumaßnahmen: Die Brücken im Bereich Schwanenwik werden ersetzt, außerdem entstehen eine zusätzliche Geh- und Radwegbrücke sowie ein neuer Fußgängertunnel unter der Sechslingspforte.

Für den Radverkehr werden voraussichtlich etwa 12,7 Kilometer Fahrstreifen saniert. Im Gesamtvolumen von 27,5 Millionen Euro sind Grundinstandsetzung, Förderung des Öffentlichen Personennahverkehrs, Erschließungen und (für 19,2 Millionen Euro) Maßnahmen zum Veloroutenausbau eingeschlossen. Radfahrstreifen entstehen unter anderem am Maienweg (26) zwischen Hindenburg- und Sengelmannstraße und an der Tangstedter Landstraße (27) zwischen der Einfahrt der P+R-Anlage und dem Wördermoorweg; Schutzstreifen am Wiesendamm (28) zwischen Saarland- und Hufnerstraße und an der Steilshooper Straße (29) zwischen Schlicksweg und Haus Nr. 181.

Nach dem Bau von mehr als 200 Fahrradbügeln am U-Bahnhof Kellinghusenstraße (30) beginnt dort nun auch der Bau des zweistöckigen Fahrradparkhauses mit 600 Plätzen. Es soll noch dieses Jahr fertig werden. Die Umsetzung der bezirkliche Fußwegestrategie für Alsterdorf (31a) und Hoheluft-Ost (31b) lässt dagegen noch auf sich warten. Wegen mangelnder personeller und finanzieller Ressourcen beschränkt sich die Strategie zunächst auf kleinräumige Verbesserungen zur Förderung des Fußverkehrs und der Barrierefreiheit.

Eine große Verbesserung für den Fußverkehr durch den Eppendorfer Haynspark (32) wird die Eröffnung der neugebauten Fußgängerbrücke im Frühjahr sein. Im Pergolenviertel (1) wird in diesem Jahr die Errichtung der für das Viertel namensgebenden und identitätsstiftenden Pergolengänge rund um die Kleingartenflächen abgeschlossen. Im Alstertal beginnt die Umsetzung des Bürgerschaftlichen Ersuchens, den Alsterwanderweg (33) barrierearm auszubauen. Dafür müssen stellenweise Kleingärten verlagert, Ufermauern erneuert und die Ringkanalbrücke in Ohlsdorf saniert werden. Um möglichst allen Menschen den Besuch des Bezirksamts (34) zu ermöglichen, wird der Haupteingang an der Kümmellstraße barrierefrei und die Außenanlagen aufgewertet.

UMWELT

Die Bezirksversammlung hat 2019 die Erarbeitung eines integrierten bezirklichen Klimaschutzkonzeptes für Hamburg-Nord auf dem Weg gebracht. Als wichtigste Maßnahme wird 2020 ein Förderantrag für die Personalstelle eines bezirklichen Klimaschutzmanagers gestellt werden. Er soll das Thema in der Verwaltung etablieren, Ansprechpartner für Bürger sein und die Durchführung von klimaschützenden Maßnahmen erarbeiten, abstimmen und durchführen. In Groß Borstel wird da Gartendenkmal Pehmöllers Garten (35) für den Stadtteil hergerichtet, nach dem die Gestaltung mit Beteiligung von Bürgern und Geflüchteten aus der angrenzenden Unterkunft an der Papenreye geplant wurde.

SOZIALES, SPORT UND KULTUR

In Dulsberg werden derzeit der Spielplatz Tiroler Straße (36) und der Rollerbahn-Spielplatz (37) saniert und neu ausgestattet. Spätestens im Frühjahr ist die Einweihung; der Sportplatz Vogesenstraße (38), der in einen Kunstrasenplatz umgestaltet wurde, steht dann ebenfalls wieder zur Verfügung. Umgebaut werden in diesem Jahr auch die Kinderspielplätze Averhoffstraße (39) sowie der denkmalgeschützte Platz an der Goernestraße (40). Ende des Jahres sollen auch die mit Bürgerbeteiligung geplanten Umgestaltungsarbeiten am Elsässer Platzes (41) beginnen.

In Groß Borstel (21) und im Stadtparkquartier (42) werden wegen der großen Nachfrage verschiedene Projekte zur Familienförderung weitergeführt. Durch einen Haushaltsbeschluss in der Bürgerschaft kann der Bezirk 2020 weiterhin an alle Seniorentreffs jeweils 2000 Euro zusätzlich zahlen, damit mehr Angebote für Senioren realisiert werden können.

Das Sportgelände des SC Urania an der Habichtstraße (43) kann durch ein Förderprogramm des Bundes für 4,5 Millionen Euro zu einem modernen Sportzentrum und Quartierstreffpunkt umgestaltet werden, die Planungen und Vorbereitungen dafür beginnen dieses Jahr. Die Sportanlage am Borgweg (44) bekommt einen Kunstrasenbelag, um die wegen des Wohnungsbaus im Umfeld wichtigen Kapazitäten zu schaffen.

WICHTIGE TERMINE

Am 6. und 7. Juni 2020 steigt zwischen dem Eppendorfer Baum und dem Eppendorfer Marktplatz wieder das Eppendorfer Landstraßenfest (45). Das New Stadtpark-Revival (46) findet am 5. und 6. September in der City Nord statt und gilt als Hommage an die historischen Rennen im Stadtpark von 1934 bis 1952.

DAS ÄNDERT SICH NOCH IM BEZIRK

Die Mehrheitsverhältnisse haben sich nach den Bezirksversammlungswahlen im Mai 2019 zugunsten der Grünen verschoben, im Februar wird mit Michael Werner-Boelz deren ehemaliger Vorsitzende die Bezirksamtsleitung übernehmen. Zu den Neuausrichtungen, die Grün-Rot für den Bezirk vorsehen, gehört, dass Einfamilienhäuser in Gebieten, in denen neue Bebauungspläne aufgestellt werden, nicht mehr zugelassen werden. Damit soll mehr Wohnraum geschaffen und Grün erhalten werden.

Gleichzeitig sollen öffentliche Grünanlagen aufgewertet und gegebenenfalls erweitert werden. Letzteres wird gerade für das Langenhorner Kiwittsmoor (47) und den Stadtpark (48) geprüft. Hier könnten Otto-Wels-Straße und Südring für Autos gesperrt und der Park um nahe gelegene Bereiche vergrößert werden. Eine entsprechende Untersuchung wird im Herbst vorgestellt. Darüber hinaus sollen kaum genutzte Flächen zu kleinen „Pocket Parks“ aufgewertet werden, die den Bewohnern der Quartiere als grüne Treffpunkte dienen. Infrage käme etwa der kleine Spielplatz (49) an der Ecke Lehmweg/ Löwenstraße in Hoheluft.


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