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Agenda 2020: Baulücken in der Harburger City füllen sich

So soll der Neubau am frisch gepflasterten Harburger Wochenmarkt am Sand aussehen. Vor Baubeginn muss zunächst eine marode Gebäudezeile abgerissen werden.

So soll der Neubau am frisch gepflasterten Harburger Wochenmarkt am Sand aussehen. Vor Baubeginn muss zunächst eine marode Gebäudezeile abgerissen werden.

Foto: AVW/Schenk+Waiblinger Architekten

Bauprojekte zum Wohnen und für die Forschung. Verbesserungen beim Rad- und Nahverkehr – das ändert sich in den Harburger Stadtteilen.

Hamburg. Auch in Harburg stehen die Zeichen seit den Bezirkswahlen im Mai 2019 auf Rot-Grün. Die neue Koalition wird eigene Schwerpunkte setzen – bei bekannten Themen. Der Bezirk wächst und ist jünger als der Hamburger Durchschnitt. Deshalb bleibt die Stadtentwicklung ein Schwerpunkt­hema. Gebaut wird vor allem im Kernbereich, im Binnenhafen und in den neuen Quartieren in Neugraben-Fischbek. Der Straßenverkehr bleibt eine andauernde Herausforderung, ebenso die S-Bahn-Verbindung in die Hamburger City. Und: Der Bezirk braucht neue und vergrößerte Schulen sowie Kindertagesstätten.

Stadtentwicklung

Mitten im Herzen Harburgs wird sich 2020 eine markante Baulücke füllen: Dort, wo das marode Harburg Center (1) abgerissen wurde, wird 2020/21 ein mehrstufiger Gebäudekomplex heranwachsen. Am Harburger Ring 6 sollen rund 230 Wohnungen entstehen. Im Erdgeschoss sind Ladenflächen für Einzelhändler geplant. Das auffälligste von sieben Gebäuden wird ein 13-stöckiges Hochhaus am Seeveplatz. Am anderen Ende des Harburger Rings, Ecke Knoopstraße (2), wird ein Saga-Projekt Konturen annehmen. Dort lässt das städtische Wohnungsunternehmen ein Wohn- und Geschäftshaus mit 94 Wohnungen und Gewerbeflächen errichten.

Jenseits des Harburger Rings hat der Wochenmarkt am Sand (3) ein neues attraktives Pflaster in Backstein-Grätenmuster erhalten. Auch der östliche Randbereich ist verschönert worden. Auf der Westseite wird dagegen die zweistöckige Bebauung immer maroder. Sie soll einem Neubau weichen. Die Ladenzeile auf der Ebene des Marktes ist weitgehend verwaist, eine Etage höher beendete das Bar-Restaurant Southside mit der Silvesterparty nicht nur das Jahr, sondern auch seinen Betrieb. Hier werden knapp 80 Seniorenwohnungen, ein Lebensmittelmarkt und neue Gastronomie entstehen. Der Investor AWV Immobilien erwartet die Baugenehmigung im Frühjahr und wird dann die Abrissarbeiten starten.

Im Binnenhafen entsteht ein Forschungsgebäude am Lotsekanal (4). Das achtstöckige Gebäude wird für das Fraunhofer Center für Maritime Logistik gebaut. Gleich nebenan wird der Kai am Kanalplatz frei: Das Wohnschiff „Transit“ soll Anfang Januar Richtung Heimathafen Rotterdam geschleppt werden. An seiner Stelle werden zukünftig Traditionssegler und sonstige Oldtimer-Schiffe festmachen, denn die Kaikante wird zum Jahreswechsel an den Verein Museumshafen Harburg übergeben.

Einen Steinwurf entfernt wird der HIP, der Hamburg Innovation Port (5) weiterentwickelt. Zunächst jedoch nur in den Amtsstuben des Bezirks, in Abstimmung mit dem Bauherrn Arne Weber (HC Hagemann) und dem zukünftigen Hauptnutzer, der Technischen Universität Hamburg (TUHH). „Die TUHH will wachsen, und wir werden alles daransetzen, dass der Bau des HIP möglichst schnell voranschreiten kann“, sagt Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen.

Und natürlich wird in den neuen Wohnquartieren Vogelkamp Neugraben (6) und Fischbeker Heidbrook (7) weitergebaut. Die Vermarktung der Grundstücke ist in beiden Gebieten so gut wie abgeschlossen. Beim dritten, den Fischbeker Reethen (8), werden wohl erst 2021 die Bagger anrollen. Die ersten Grundstücke des Quartiers könnten im Herbst 2020 auf den Markt kommen.

Soziales

18 Prozent aller Harburger sind jünger als 18 Jahre (hamburgweit 16,4 Prozent), und es ziehen weitere Familien mit Kindern in den Bezirk. Im Jahr 2020 werden zwei Kindertagesstätten in Wilstorf, eine in Sinstorf, zwei in Heimfeld sowie fünf in Neugraben-Fischbek saniert, erweitert oder neu gebaut. Fredenhagen sagt: „Im Neubaugebiet Vogelkamp Neugraben fehlen noch Kitas, sind aber konkret geplant. Und im Fischbeker Heidbrook werden 2020 zwei Kitas eröffnen.“

Auch die Harburger Schulen werden deutlich ausgebaut. „Wir werden nahezu an jeder Schule bauen und auch neue Standorte entwickeln“, sagt die Bezirksamtschefin. So neu sind die beiden Standorte, an denen zwei weitere Grundschulen gegründet werden, nicht: Sie werden dort einziehen, wo die Lessing-Stadtteilschule im Januar 2019 ausgezogen ist. Am Hang des Schwarzenbergs werden gerade die Gründerzeitbauten umfassend modernisiert, damit dort die „Grundschule am Park“ (9) eröffnet werden kann, die auch Abc-Schützen aus dem Binnenhafen aufnimmt. Aber erst zum Schuljahr 2021/22. Der zweite ehemalige Standort der Lessing-Stadtteilschule am Sinstorfer Weg 40 (10) steht schon im Sommer 2020 zur Verfügung. Aber es gibt auch Abbau in der Harburger Schullandschaft: So verliert seit 2018 das katholische Niels-Stensen-Gymnasium an der Hastedtstraße Jahrgang für Jahrgang Schüler – seine Schließung steht schon länger fest. Und von der Katholischen Schule Harburg an der Julius-Ludowieg-Straße soll nur die Grundschule erhalten bleiben.

Verkehr

Anders als geplant wird der Ehestorfer Heuweg (11) auch 2020 baustellenbedingt unbefahrbar bleiben. Ende August tat sich im Rahmen umfangreicher Bauarbeiten urplötzlich ein fünf Meter tiefes Loch auf: ein „Tagesbruch“ eines alten Bergwerksstollen, der nach der Stilllegung des Braunkohleabbaus im Jahr 1922 nicht ordentlich verfüllt wurde. Zwar war das Loch nicht einmal einen Meter im Durchmesser groß. Doch führte es dazu, dass dieser und drei weitere Stollen aufwendig saniert werden müssen. Fredenhagen: „Im Januar wird es eine Informationsveranstaltung für die Anwohner geben, auf der über das weitere Vorgehen berichtet wird.“ Die Baustelle an der Cuxhavener Straße (12) zwischen dem Ehestorfer Heuweg und der Waltershofer Straße werde im Sommer fertiggestellt. Insgesamt wird der Bezirk auch 2020 rund 1,3 Millionen Euro in die Unterhaltung seiner Straßen stecken. Hinzu kommen knapp 1,5 Millionen Euro aus dem Hamburger Straßenbauprogramm.

Stadt und Bezirk wollen auch das Radwegenetz voranbringen. Hamburgweit werden Velorouten (aus)gebaut. Die Routen Nummer 10 und 11 führen über die Alte Süderelbbrücke nach Harburg und enden in Neugraben (Route 10) beziehungsweise an der Triftstraße in Eißendorf (Route 11). An beiden Routen wird 2020 weitergebaut: an der längeren Route 10, die unter anderem durch den Binnenhafen führt, an sieben Abschnitten, an der Route 11 im Bereich der Hannoverschen Straße und zusätzlich an der Denickestraße. An der Hannoverschen Straße (13) wird bereits gebaut. Dort gibt es eine Hamburg-Premiere, die erste „Protected Bike Lane“ – ein Konzept aus den USA für „geschützte Radfahrstreifen“. In Fahrtrichtung Norden entsteht ein Radweg, der durch einen doppelten Bordstein vom Autoverkehr getrennt ist. Die Barriere schützt die Radler und sorgt dafür, dass deren Fahrspur nicht zugeparkt wird.

Beim öffentlichen Nahverkehr sollen die seit Mitte Dezember gültigen Fahrplanänderungen die chronische Überlastung der S-Bahn verringern. Ganz Harburg weiß, dass verlängerte Züge und ein paar mehr Abfahrten regelmäßige Verspätungen, Betriebsstörungen oder geplante Zugausfälle nicht aufwiegen können. Zudem steigen die Passagiere weiterhin an unwirtlichen Stationen aus. „Unsere S-Bahnhöfe sind Dauerbaustellen. Wir setzen uns bei der Deutschen Bahn sehr dafür ein, dass die Arbeiten beschleunigt werden“, sagt Sophie Fredenhagen. Mit Blick auf die Betreiberin Deutsche Bahn sagt sie: „Ich hoffe, dass die Fahrgäste 2020 schnell sichtbare Veränderungen erleben können.“ In Neugraben wird dies auf jeden Fall geschehen. Dort soll 2020 der Bahnhofsvorplatz umgebaut werden. Zudem wird die Personenunterführung am westlichen Ende der Bahnsteige unter den Bahngleisen hindurch zum Neubaugebiet Vogelkamp verlängert.

Kultur

Die Freilichtbühne (14) im Harburger Stadtpark soll sich weiterentwickeln. Auch baulich. „Wir müssen vor allem an der Barrierefreiheit arbeiten. Und dabei sensibel vorgehen, da die gesamte Anlage unter Denkmalschutz steht“, sagt Fredenhagen. Auch gelte es, eine bessere Logistik und Lagermöglichkeiten für die Bühnentechnik zu schaffen. Im August soll wieder das Festival Sommer im Park stattfinden. Ziel sei es, die Freilichtbühne mindestens so intensiv wie 2019 zu bespielen. Dazu stimme sich der Bezirk auch mit den Anwohnern ab, die sich über geparkte Besucher-Pkw und Lärm beschweren.

Im Archäologischen Museum Hamburg (15) wird es eine neue Sonderausstellung geben. Die populäre Ausstellung „Hot Stuff“ zu Kultgegenständen des Alltags läuft bis Ende April. Mitte Mai folgt „Gladiatoren – Helden des Kolosseums“. Dort werden Personen, aber auch Kampftechniken vorgestellt, sagt Museumsdirektor Rainer Maria Weiss, „und nur wenige wissen, dass es auch weibliche Gladiatoren gab“.

Stadtteilkultur oder Wohnungsbau? Diese Frage steht bei Harburgs einstiger Hauptkirche, der Dreifaltigkeitskirche (16) an der Neuen Straße, seit Längerem im Raum. Die St.-Trinitatis-Gemeinde will und kann die Kirche nicht mehr unterhalten und hat sie deshalb für 1,5 Millionen Euro zum Verkauf angeboten. Die Frist für Kaufinteressenten zur Abgabe möglicher Nutzungskonzepte endet im Februar 2020. Fredenhagen: „2020 wird die Entscheidung fallen, wohin es geht.“

Ein beliebter Ort der Freizeitkultur wird auch in diesem, nunmehr fünften Sommer fehlen: Der Beach-Club am Ve­ritaskai musste nach der Saison 2015 schließen. Bald war ein neuer Standort gefunden, direkt um die Ecke am Treidelweg (17). Doch die Kaimauer ist dort so marode, dass sie einen Beach­-Club-Betrieb nicht zulässt. Im Laufe des Jahres sollen die Sanierungsarbeiten beginnen. Ein oder zwei Sommer müssen sich die Harburger allerdings noch gedulden, bis sie im Binnenhafen wieder unter Palmen in der Sonne baden können.

Veranstaltungen

  • Am 16. Mai ziehen Schlagerfans beim Disco-Move durch den Binnenhafen
  • Am 5./6. Juni steigt das Binnenhafenfest
  • Am 5. September ist die nächste Opernübertragung auf dem Harburger Rathausplatz geplant
  • Am 18. September folgt die Nacht der Lichter in der Harburger City