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Wo Hamburg wächst – und welche Stadtteile schrumpfen

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Andreas Dey
An der Alster: Für viele Hamburger ein Sehnsuchtsort.

An der Alster: Für viele Hamburger ein Sehnsuchtsort.

Foto: Marcelo Hernandez

„Bericht zur demografischen Entwicklung“: knapp zwei Millionen Einwohner erwartet. Weniger Menschen in Blankenese und Rotherbaum.

Hamburg.  Wird Hamburg doch nicht so schnell zu einer Zwei-Millionen-Metropole wie viele erwarten oder befürchten? Nachdem es vergangenes Jahr bereits zum Teil hitzige Debatten über das Wachstum der Stadt gab, gibt es nun eine neue, ausführliche Prognose. Demnach wird Hamburg im Jahr 2030 etwa 1,96 Millionen Einwohner haben – immerhin gut 100.000 oder 5,6 Prozent mehr als Ende 2017, aber nicht ganz zwei Millionen.

„Damit schwächt sich das dynamische Wachstum in den letzten zehn Jahre lediglich leicht ab“, heißt es im „Bericht zur demografischen Entwicklung in Hamburg“, den der Senat am Freitag erstmals veröffentlicht hat. Zum Vergleich: Während sich die Hansestadt um den Jahrtausendwechsel bei rund 1,7 Millionen Einwohnern eingependelt hatte, sind in den vergangenen zehn Jahren rund 150.000 Menschen hinzugekommen.

Zuwanderung war ausschlaggebend für Wachstum

Hauptfaktor war hierbei die Zuwanderung – vor allem aus dem Ausland. So wuchs die Zahl der Ausländer seit 2008 um 73.000 auf 313.100 und ihr Anteil an der Bevölkerung von 14 auf 17 Prozent.

Zum Vergleich:

  • In Frankfurt sind es 30 Prozent
  • in München 28 Prozent
  • in Berlin 25 Prozent.

Die deutsche Bevölkerung in Hamburg wuchs ebenfalls, hier allerdings nur die Gruppe der Menschen mit Migrationshintergrund: Ihre Zahl erhöhte sich um 41 Prozent auf 340.000 Personen. Die Gruppe der Hamburger deutscher Abstammung schrumpfte hingegen leicht um zwei Prozent auf rund 1,22 Millionen Personen, so der Bericht.

Zum Wachstum der Stadt trägt aber auch der anhaltende Geburtenüberschuss bei. Während die Zahl der Sterbefälle seit zehn Jahre relativ konstant zwischen 16.000 und 17.700 liegt, ist die Zahl der Geburten im gleichen Zeitraum von 16.700 auf 21.250 angestiegen – allein 2017 gab es einen „natürlichen“ Bevölkerungszuwachs um gut 3500 Kinder.

Wandsbek wächst nur leicht

Allerdings wächst nicht jeder der sieben Bezirke und jeder der 104 Stadtteile im gleichen Maß – manche schrumpfen sogar. So bleibt Wandsbek zwar mit 435.000 Einwohnern der bevölkerungsreichste Bezirk Hamburgs, aber er ist seit 2008 „nur“ um 26.000 Menschen oder 6,4 Prozent gewachsen. Hamburg-Nord dagegen legte um 11,5 Prozent oder 32.000 Köpfe auf 311.000 Einwohner zu.

Auf Stadtteilebene legte die erst im letzten Jahrzehnt gegründete HafenCity am stärksten zu: Ihre Einwohnerzahl stieg von 760 im Jahr 2008 um 377 Prozent auf 3627. Auf Platz zwei: Billwerder, das um 191 Prozent auf 3784 Einwohner angewachsen ist – was in erster Linie an einer großen Flüchtlingsunterkunft lag. Doch auch abseits solcher Sondereffekte gab es kräftiges Wachstum: So legte die Altstadt um 36 Prozent auf 2305 Einwohner zu, Bahrenfeld um 18 Prozent auf 31.160, Alsterdorf um 17 Prozent auf 15.031 und Blankenese immerhin um sechs Prozent auf 13.491 Einwohner.

Stadtteile wie die Veddel (minus fünf Prozent auf 4667 Einwohner), Langenbek (minus vier Prozent auf 4037) und Dulsberg (minus ein Prozent auf 17.442) verloren dagegen sogar Einwohner.

Auch die Bevölkerungsentwicklung bis 2030 wird dem Bericht zufolge sehr heterogen sein. Weiter kräftig wachsen werden demzufolge Stadtteile wie Neu-graben-Fischbek (plus 26,1 Prozent), Lokstedt (10,4), Bahrenfeld (9,7), Poppenbüttel (6,6) und natürlich die HafenCity (81,5 Prozent). Dem „Prognoseraum“ in den Vier- und Marschlanden, der aus Altengamme, Billwerder, Curslack, Kirchwerder, Moorfleet, Neuengamme, Ochsenwerder, Reitbrook, Spadenland und Tatenberg besteht, wird ein Wachstum um 27,8 Prozent in Aussicht gestellt, für Altona-Nord und Sternschanze um 14,4 Prozent und für die Region aus Kleiner Grasbrook, Steinwerder, Veddel und Wilhelmsburg immerhin noch um 12,9 Prozent.

Welche Gegenden schrumpfen

Ein Schrumpfungsprozess wird dagegen vor allem gut situierten Stadtteilen prophezeit, wie

  • Groß Flottbek (minus 4,9 Prozent),
  • Blankenese (minus 3,5),
  • Rotherbaum (2,5),
  • Hoheluft-West (1,4),
  • Marienthal (1,1),
  • Harvestehude (0,9),
  • Volksdorf (0,7)
  • und Niendorf (0,6)

Auch Dulsberg (minus 1,9) und Steilshoop (0,7) werden demnach schrumpfen.

Der mehr als 470 Seiten starke Bericht befasst sich darüber hinaus auch mit der Alters- und Haushaltsstruktur in den Stadtteilen, der Herkunft der Einwohner und dem Wohnungsbestand – und damit, wie sich alle diese Faktoren bis 2030 entwickeln werden. Dabei fällt auf: „Trotz anhaltender Singularisierungstendenzen konnte eine absolute Zunahme der Familienhaushalte beobachtet werden. Gleichzeitig ist der Anteil der alleinerziehenden Haushalte zurückgegangen“, so der Bericht.

Ins Auge fällt auch, dass der Anteil der Kinder und Senioren steigen wird, während der Anteil der Altersklassen im erwerbsfähigen Alter durchweg zurückgeht. Konkret soll der Anteil der Kinder unter sechs Jahren bis 2020 konstant bei 5,9 Prozent bleiben, während der Anteil der Kinder zwischen sechs und 18 Jahren um einen Punkt auf 11,3 Prozent ansteigen wird.

Mehr 80-Jährige in Hamburg

Gleichzeitig wird die Gruppe der 65- bis 80-Jährigen um 0,6 Punkte auf 16,6 Prozent zulegen. Die stärkste Veränderung wird jedoch bei den über 80-Jährigen erwartet: Ihr Anteil an der Bevölkerung wird der Prognose zufolge von 2,4 auf 3,3 Prozent steigen – ein Plus von 0,9 Punkten oder 37,5 Prozent. Die Gruppe der 18- bis unter 30-Jährigen (minus 1,3 Punkte) sowie die der 30 bis 45-Jährigen und der 45- bis 65-Jährigen (jeweils minus 0,6 Punkte) verliert hingegen an Gewicht.

„Das positive Bevölkerungswachstum stellt Hamburg vor besondere Herausforderungen“, sagte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD). „Nicht nur die Altersstruktur wird sich verändern, auch die Nachfrage nach beispielsweise Einrichtungen zur Kinderbetreuung, Mehrgenerationenhäusern oder Senioreneinrichtungen wird steigen.“ Das Demografie-Monitoring liefere eine wichtige Grundlage für alle Behörden und Bezirke, um zielgerichtet Maßnahmen treffen zu können.

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