Hamburg

Das Fahrradjahr 2020: Breitere Radwege und mehr StadtRäder

Radverkehrskoordinatorin Kirsten Pfaue bei der Eröffnung des neuen Radschnellweges in Winterhude im Sommer.

Radverkehrskoordinatorin Kirsten Pfaue bei der Eröffnung des neuen Radschnellweges in Winterhude im Sommer.

Foto: Ronald Magunia

2019 wurden 38 Kilometer neue Radwege gebaut, eine Fahrradstraße und ein Radschnellweg.

Hamburg. Die Verantwortlichen im Hamburger Senat freuen sich über ein erfolgreiches Fahrradjahr 2019 und untermauern ihre Bilanz mit jeder Menge Zahlen: Demnach sind in der Stadt 38 neue Radwege entstanden, 17 neue StadtRad-Stationen, eine moderne StadtRad-Flotte einschließlich Lastenpedelecs, eine weitere Fahrradstraße und ein Radschnellweg. Dass derzeit aber von den Stadträdern lediglich 60 Prozent fahrtüchtig und auch die Lastenpedelecs für Reparaturen anfällig sind und ausfallen, dazu steht in der Bilanz des Senates nichts. Die gute Nachricht, falls der Winter doch noch mit Schnee und Eis kommt: Die Velorouten werden von Eis, Schnee oder nassem Laub befreit.

Hamburgs Radverkehrskoordinatorin Kirsten Pfaue über die Maßnahmen im Radverkehr 2019: „Es ist mit gezielten Angebotsverbesserungen gelungen, attraktive Anreize für die wachsende Wahrnehmung und Nutzung des Fahrrads zu setzen. Die Förderung des Radverkehrs entlastet die Straßen, stellt für den Klimaplan eine Schlüsselrolle dar und ist Bestandteil einer lebenswerten Stadt. Diesen Weg werden wir auch in Zukunft mit konsequent weitergehen.“

Veloroute umfasst derzeit die Strecke Hamburg-Fehmarn

Erfolgsmeldungen kommen auch vom Veloroutennetz – immerhin die Hälfte ist bereits ausgebaut. In diesem Jahr wurden weitere 15 Kilometer fertiggestellt, so dass die Velorouten damit auf eine Länge von 140,13 Kilometer verlängert worden sind. Das entspricht laut Behörde der Strecke von Hamburg nach Fehmarn. Der Rest werde Schritt für Schritt fertiggebaut, bis das Netz die endgültigen 280 Kilometer umfasst.

Zum Hintergrund: Velorouten sind Fahrradwege, die bei jeder Witterung befahrbar sein sollen und auch bei Dunkelheit sicher sind. Zwölf sternförmig vom Rathausmarkt in die äußeren Stadtteile verlaufende Routen verbinden die Hamburger City mit den wichtigsten Zentren der Bezirke, und zwei Ringverbindungen erschließen die Wohngebiete der inneren und äußeren Stadt.

Vier Meter breite Radschnellwege in Zukunft Standard

Auf der Veloroute 5, die durch das neue Pergolenviertel in Winterhude führt, ist auf 1,2 Kilometern ein vier Meter breiter Radschnellweg entstanden – kreuzungsfrei und abseits von Hauptverkehrsstraßen. Das soll neuer Standard bei künftigen Quartiersplanungen werden und ist bereits auf den Velorouten 11 (Wilhelmsburg) und 10 (Harburg) vorgesehen.

2020, das verspricht der Senat, wird das Veloroutennetz dichter geknüpft: Aktuell stehen die Abschnitte Ballindamm, Thadenstraße und Steindamm auf dem Fahrplan. Ein Projekt mit besonderer Strahlkraft ist die Hannoversche Straße in Harburg, denn hier werden die Radfahrstreifen erstmalig von der Fahrbahn abgetrennt gebaut.

Größere StadtRad-Flotte, mehr Abstellmöglichkeiten und Pannen

In Sachen StadtRad hat sich im vergangenen Jahr viel getan. Es konnten nicht nur die Stationen von 215 auf 232 erweitert und die Anzahl von Fahrrädern auf 2800 gesteigert werden, sondern auch die komplette Flotte wurde ausgetauscht und durch modernere Räder ersetzt. Die aber derzeit nicht alle einsatzbereit sind, weil es Probleme mit den Schlössern gibt. Etwas mehr als ein Drittel der StadtRad-Räder sind nicht fahrbereit. Die Bahn arbeitet aber an der Lösung.

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In einem Pilotprojekt wurden an verschiedenen Stationen 20 Lastenpedelecs bereitgestellt. Wie eine Schriftliche Kleine Anfrage des CDU-Verkehrsexperten Dennis Thering ergab, sank die Verfügbarkeit der Lastenräder allerdings kontinuierlich und es wurden bis Ende November 2876 Ausfalltage erfasst. An den neuen Standorten war besonders die Anbindung an die Randgebiete wichtig. Neu hinzu kamen beispielsweise die AKN-Station Schnelsen, Kirchdorf, Rahlstedt, City Nord und der Flughafen.

Trotz der Pannen, ist eine große Erweiterung im kommenden Jahr mit rund 40 neuen StadtRad-Stationen vorgesehen – darunter erstmalig auf Finkenwerder. In Ergänzung zum Öffentlichen Nahverkehr sollen bis 2025 alle S- und U-Bahn-Haltestellen mit Bike+Ride-Anlagen ausgestattet werden. Das StadtRad-System soll bis 2022 auf ca. 350 Stationen und ca. 4500 Fahrräder erweitert werden.

Mehr Abstellmöglichkeiten für Fahrräder

Nach und nach werden auch immer mehr Abstellmöglichkeiten für Fahrräder geschaffen. 2019 sind neun Bike+Ride-Anlagen hinzugekommen. 2020 werden sieben weitere Bike+Ride-Stationen mit 1000 Plätzen fertiggestellt. Am U-Bahnhof Kellinghusenstraße werden derzeit 400 Stellplätze gebaut, weitere 600 entstehen in einem Fahrradparkhaus. Für Pedelecs werden Auflademöglichkeiten installiert und bereitstellt.

Außerdem gab es in diesem Jahr diverse Kampagnen, um die Hamburger zum Fahrradfahren zu ermuntern.

Digitalisierung für bessere Verkehrsplanung

In diesem Jahr wurden außerdem rund 100 Wärmebildkameras an 40 Orten installiert. Damit soll der Radverkehr künftig automatisch, anonym und digital erfasst werden. Die Zähldaten sind dann öffentlich auf der Urban Data Platform zugänglich und stehen App-Entwicklern, Unis oder Bürgern zur weiteren Verwendung zur Verfügung.

Das Ziel des Senates: bis 2030 den Anteil des Radverkehrs am gesamtstädtischen Verkehr auf 25 Prozent und perspektivisch auf 30 Prozent zu erhöhen. Weitere Pläne: Für die Metropolregion Hamburg wird ein Netz von Radschnellwegen entwickelt. Derzeit laufen Machbarkeitsstudien, die 2020 abgeschlossen sein werden. Die in diesem Jahr gestartete Verkehrsentwicklungsplanung läuft noch die nächsten drei Jahre. Danach wird eine langfristige und übergreifende Strategie für die Mobilität der Zukunft erarbeitet. Hamburg richtet den 7. Nationalen Radverkehrskongress im Frühling 2021 aus.