Hamburg

Sagen Sie doch einfach mal, Herr Abgeordneter  …

Martin Bill (Grüne) in der Diskussion mit den Jugendlichen.

Martin Bill (Grüne) in der Diskussion mit den Jugendlichen.

Foto: Michael Rauhe

Das Projekt „Dialog P“ bringt Politiker und Schüler zusammen. Gespräche wie beim Speeddating. Ein Ortstermin.

Hamburg.  Es ist nicht zu ändern, aber an diesem Nachmittag sind nur Männer da. Sechs Bürgerschafts­abgeordnete, die mit Schülerinnen und Schülern aus dem 10. Jahrgang diskutieren. Das Projekt „DialogP“ der Bürgerschaft macht Station in der Stadtteilschule Winterhude. Auf jeden Fall sind Vertreter aller Fraktionen da: Urs Tabbert (SPD), Richard Seelmaecker (CDU), Martin Bill (Grüne), Deniz Çelik (Die Linke), Michael Kruse (FDP) und Alexander Wolf (AfD).

„DialogP“ ist ein Format, bei dem Abgeordnete mit Jugendlichen über Themen sprechen, die diese bewegen. Die Gespräche laufen in Kleingruppen. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde haben die Beteiligten an jedem Tisch – wie beim Speeddating – begrenzt Zeit, Argumente auszutauschen. Die Fragen sind sehr grundsätzlich, beispielsweise: Sollen Tierversuche verboten werden? Sollen in Deutschland alle Drogen entkriminalisiert werden? Ganz aktuell ist auch die Frage, die am Tisch von Frida, Imke und Merle (alle 15) diskutiert wird: Sollen Kurzstreckenflüge verboten werden?

Manchmal mehrere Termine pro Tag

„Ein klares Nein“, sagt Alexander Wolf, auch wenn das Anliegen legitim sei. Führungskräfte hätten aber manchmal mehrere Termine pro Tag, sie seien auf Kurzstreckenflüge angewiesen. Der AfD-Abgeordnete spricht sich dafür aus, Kerosin zu besteuern und das Bahnfahren günstiger zu machen. Richard Seelmaeeker ist ebenfalls klar gegen ein Verbot, „weil ich Verbote für das allerletzte Mittel in der Politik halte“.

Hamburgs Flughafen sei ein Zubringerflughafen und biete bis auf Dubai keine Langstreckenflüge an. Allerdings müsse das Bahnfahren attraktiver werden, beispielsweise durch mehr Trassen. So bedauert er, dass es in Deutschland noch immer keine Hochgeschwindigkeitstrassen gibt. Ganz ähnlich argumentieren Urs Tabbert und Michael Kruse, die ebenfalls gegen Verbote sind, aber dafür, das Angebot der Bahn zu verbessern.

Kurzstreckenflüge verbieten

Martin Bill sagt gleich, er werde alle duzen und wolle auch so angesprochen werden: „Ich habe die Befürchtung, bei einem Verbot würde man Widerstand ernten, und vermutlich würde es vor Gericht landen.“ Auch er fordert, die Bahn müsse besser werden, aber es werde viel Zeit und Geld kosten, die Infrastruktur zu verbessern. Am Ende befürwortet Bill dann doch noch ein Verbot.

Einzig Deniz Çelik ist von Beginn an klar für ein Verbot: „Unsere Partei ist dafür, Kurzstreckenflüge zu verbieten.“ Aber man müsse Alternativen schaffen und mehr in die Bahn investieren. Die Bahn müsse gemeinwohlorientiert wirtschaften, findet der Linken-Politiker. „Wenn sich alle einig sind, warum wird es dann nicht umgesetzt?“, fragt Marius (16). Die Linken seien halt nicht in der Regierung, sagt Çelik.

Die Schüler am Tisch sind am Ende nicht wirklich zufrieden. „Ich hätte gedacht, dass die Argumente etwas vielfältiger wären“, sagt Frida. Und Marius weiß immer noch nicht, wen er im Februar wählen soll.