Hamburg

Barmbek: 1150 Euro Miete für kleines Zimmer ohne WC

Die Polizei bei der Razzia am Donnerstag.

Die Polizei bei der Razzia am Donnerstag.

Foto: Michael Arning

300 Beamte decken bei Razzia Fälle von Sozialbetrug und Ausbeutung auf. Kakerlaken und Schimmel in Horror-Haus in Steilshoop.

Hamburg.  Erneut geht die Stadt mit großem Aufwand gegen Sozialbetrug und Ausbeutung vor: Am frühen Donnerstagmorgen fand eine Razzia von Polizei und Behörden in einem Wohnkomplex am Schreyerring in Steilshoop statt. Beteiligt waren rund 300 Mitarbeiter von Sozialamt, Bezirksamt, Jobcenter, Steuerfahndung, Polizei und Zoll. Wie die Sozialbehörde mitteilte, dokumentierten die Mitarbeiter beengte und zum Teil prekäre Lebensverhältnisse sowie Schimmel und Kakerlakenbefall in einzelnen Wohneinheiten.

Außerdem stellten sie die unzulässige Nutzung von gewerblichen Flächen als Wohnraum fest. Das Gebäude befinde sich in einem Zustand, der nach den vor Ort gewonnenen Erkenntnissen nicht der Genehmigungslage entspricht. Im Rahmen der Überprüfung wurden in 80 Wohneinheiten Gespräche mit den Bewohnerinnen und Bewohnern geführt. Darin hätten sich die Hinweise auf ausbeuterische Strukturen, die Gegenstand weiterer Ermittlungen sein werden, konkretisiert. „Mit Aktionstagen decken wir Anzeichen auf, die auf Sozialleistungsmissbrauch und ausbeuterische Strukturen hindeuten“, sagte Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD).

Vermieter sind oft auch die Arbeitgeber der Betroffenen

Nach Angaben der Sozialbehörde leben in dem Gebäudekomplex rund 400 Menschen, von denen etliche Sozialleistungen erhalten. Viele der Bewohner kämen aus dem osteuropäischen Raum. „Menschen kommen her, man macht ihnen Versprechungen, dass es viel Geld und einen Job gibt und dass man leicht eine Wohnung findet“, sagte Martin Helfrich, Sprecher der Sozialbehörde. Ausbeuterische Strukturen ergäben sich oft, wenn Arbeitgeber und Vermieter identisch seien. Am Wulmsberggrund in Hausbruch trafen die Behörden auf zehn Osteuropäer, die in einem nicht angemeldeten Bungalow wohnten.

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Gleichzeitig wurden in einer Immobilie an der Humboldtstraße in Barmbek-Süd mögliche Beweise sichergestellt. Der Vermieter soll dort ein Zimmer mit 22,5 Quadratmeter Fläche – ohne eigenes WC – in mindestens einem Fall für 1150 Euro vermietet haben. Die Sozialsenatorin verweist auf die Ursachen. „Wir benötigen dringend weitere Maßnahmen zur Integration Zugewanderter in den Arbeitsmarkt. Nur so kann weiter die positive Dimension der Freizügigkeit im Vordergrund stehen, sodass Menschen davon profitieren und wir prekäre Lebensverhältnisse in den Zuwanderungsländern verhindern.“