Fuhlsbüttel

Kartellamt ermittelt gegen Park-and-Fly-Firmen

Längst nicht alle Autos von Flugreisenden werden auf gesicherten Parkplätzen untergebracht.

Längst nicht alle Autos von Flugreisenden werden auf gesicherten Parkplätzen untergebracht.

Foto: Roland Magunia / HA

Am Flughafen soll es illegale Preisabsprachen gegeben haben. Fahrer nutzen Fahrzeuge offenbar zudem für private Touren.

Hamburg.  Nach mehrere Monate dauernden Ermittlungen im Fall von weit mehr als 200 beschädigten Autos im Umfeld des Hamburger Flughafens in Fuhlsbüttel sind jetzt auch die Kartellbehörden eingeschaltet worden. Die ins Visier der Ermittler geratenen Park-and-Fly-Service-Firmen sollen untereinander illegale Preisabsprachen getroffen haben. Der Tatverdacht gegen den mutmaßlichen Drahtzieher der Sachbeschädigung an mindestens 237 Fahrzeugen konnte noch nicht erhärtet werden. Er gilt aber weiterhin als Hauptverdächtiger.

Es geht nicht nur um illegale Preisabsprachen, die die Beamten der Ermittlungsgruppe (EG) „Auriga“ aufgedeckt haben wollen, sondern auch um weitere Straftaten oder eklatante Verstöße, die zivilrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen könnten.

So wurden mehr als 30 Fälle aufgedeckt, bei denen Fahrer, die das Fahrzeug eigentlich vom Flughafen abholen und direkt zu einem gesicherten Abstellplatz bringen sollten, den Wagen offenbar für sich selbst genutzt haben. Zudem geht es um Beleidigungen und Körperverletzungen. Insgesamt wurden im Rahmen der Ermittlungen 86 Personen überprüft und mehr als 40 Strafverfahren eingeleitet.

Tiefe Lackkratzer an den Autos

Mitte Juli waren massenhaft Fahrzeuge im weiteren Umfeld des Flughafens mutwillig in einer offenbar von langer Hand geplanten Aktion beschädigt worden. An allen Fahrzeugen waren entweder tiefe Lackkratzer verursacht oder mindestens zwei Reifen zerstochen worden. Der Schaden beträgt mehrere Hunderttausend Euro.

Die Polizei hatte schnell festgestellt, dass die Taten sehr gezielt ausgeführt worden waren. Betroffen waren nahezu ausschließlich Fahrzeuge mit auswärtigen oder sogar ausländischen Nummernschildern, die damit leicht als Autos von Fluggästen zu erkennen waren. Darunter waren auch eine Reihe dänischer Fahrzeuge, die abseits von Wohnhäusern in einem Gewerbegebiet beschädigt worden waren. Schon das hatte die These von „genervten“ Anwohnern, deren Parkplätze von Urlaubern, die einen billigen Abstellplatz im öffentlichen Raum genutzt haben, unwahrscheinlich gemacht.

Autos am Hamburger Flughafen beschädigt:

So gerieten schnell die Firmen ins Visier, die als Dienstleister das sogenannte Valet-Parken anbieten. Denn die Täter hatten Autos nicht nur in Gewerbegebieten zerkratzt, sondern offenbar auch genaue Kenntnisse darüber, wo als Maßnahme gegen die Dauer-Urlaubsparker Anwohnerparken eingeführt wurde und wo nicht. In den Zonen am Flughafen mit Anwohnerparken waren keine Fahrzeuge beschädigt worden. „Wir gingen deshalb schnell davon aus, dass hier Insider als Täter infrage kommen dürften“, so ein Beamter.

Konkurrenzkampf war der Polizei bekannt

Dass unter den Park-and-Fly-Firmen ein harter Konkurrenzkampf tobte, war der örtlichen Polizei bekannt. Solche Firmen, für die es keine besonderen Regularien gibt, schossen wie Pilze aus dem Boden. Im Gerangel um Marktanteile wurden die Kunden über den Preis geködert.

Für die Anbieter wurde das Abstellen der Fahrzeuge auf öffentlichen Stellplätzen an Straßen eine äußerst günstige Methode, um die eigenen Kosten minimal zu halten. Die Kunden ahnten oft nicht, wie mit ihren Fahrzeugen umgegangen wurde. Sie glaubten, ihr Auto stehe auf einem bewachten Parkplatz außerhalb des Flughafens.

Im Rahmen der Ermittlungen ließ die EG „Auriga“ mehrere Kontrollen im Bereich des Flughafens durchführen, bei der gezielt Fahrer solcher Firmen überprüft wurden, die mit Kundenfahrzeugen unterwegs waren. Ende Juli gingen die Ermittlungen dann in die nächste Phase. In Bönningstedt führte die Polizei bei einer Anbieterfirma eine Razzia durch. Auch Wohnungen von Verdächtigen und weitere Büroräume wurden durchsucht. Dabei wurden Unterlagen, Datenträger oder auch Handys sichergestellt, die ausgewertet wurden. Flankierend setzte die Staatsanwaltschaft eine Belohnung von 1500 Euro für Hinweise aus, die zur Aufklärung der Sachbeschädigungen führen sollte.

Niedrige Löhne

Gerade in der Fly-and-Park-Szene werden Fahrer eingesetzt, die niedrige Löhne bekommen. Deshalb hofften die Ermittlungsbehörden, einen entscheidenden Tipp zu erhalten. Der kam jedoch nicht. Außerdem wurde geprüft, ob eine zweite Serie von gezielten Fahrzeugbeschädigungen, bei denen Autos mit Farbe besprüht worden waren, im Zusammenhang mit den Sachbeschädigungen Mitte Juli stehen.

Bei dem aufgedeckten Kartell der Parkdienstleister soll es sich um ein Preiskartell handeln, es ist nach dem Wettbewerbsrecht verboten. Ziel ist es, das Preisniveau zu halten.