Flüchtlingsdrama

Libysche Miliz greift Rettungsschiff an: Hamburger ermitteln

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Bei der Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer wurde die "Alan Kurdi" mit Schüssen behindert und bedroht. Staatsanwaltschaft ermittelt.

Hamburg. Zwei bewaffnete Schnellboote mit libyscher Kennung haben das deutsche Rettungsschiff "Alan Kurdi" vor der Küste des Mittelmeerlandes angegriffen und bedroht. Marinegeschütze wurden auf die Crew um die Warnemünder Kapitänin Bärbel Beuse gerichtet, die Angreifer gaben Schüsse in die Luft ab und versuchten, die Rettung von Menschen in Seenot zu verhindern. Das sagte der Sprecher des Schiffseigners Sea-Eye e.V., Julian Pahlke.

Angriff auf Rettungsschiff: Mit Eintreffen der Libyer brach Panik aus

Die Menschen in ihrem Schlauchboot seien in Panik ins Wasser gesprungen, weil sie befürchteten, zurück nach Libyen verbracht oder von der Bordkanone leck geschossen zu werden. Die "Alan Kurdi" konnte letztlich 91 Flüchtlinge an Bord nehmen, sagte Pahlke. Nach ersten Erkenntnissen werde eine Person vermisst. Es sei unklar, ob sie von der Patrouille aufgefischt oder möglicherweise ertrunken sei.

Das sogenannte "Boot" der Flüchtlinge sei ein aus Lkw-Plane mit einer Heißklebepistole auf die Schnelle zusammengebautes Gefährt gewesen. Der Heckspiegel, an dem der Außenbordmotor befestigt werden muss, war so instabil, dass die Kraft des Motors das Boot eher beschädigt als nach vorn treibt. Für den Tag nach dem Vorfall war Schlechtwetter angesagt.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Angriffs auf den Seeverkehr

Der Verein Sea-Eye e.V. wurde 2015 in Regensburg gegründet und rettete mit den Fischkuttern "Sea Eye" und "Seefuchs" in über 60 Missionen seit 2015 mit ehrenamtlichen fahrenden Rettern nach eigenen Angaben 14.712 Menschen im Mittelmeer das Leben. Seit Sommer 2018 ist mit der "Alan Kurdi" ein neues Schiff der Hilfsorganisation in Dienst gestellt worden. Es ist das erste unter deutscher Flagge und rettete laut Sea-Eye bereits 344 Menschen.

Eine Sprecherin der Hamburger Staatsanwaltschaft bestätigte, dass die Bundespolizei See wegen eines "Angriffs auf den Seeverkehr" ermittle und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet habe. "Wir stehen aber noch ganz am Anfang und versuchen zunächst, den Sachverhalt aufzuklären", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Dies geschehe ergebnisoffen. Von beschuldigten Libyern wollte sie noch nicht sprechen.

Angreifer sollen zur offiziellen Küstenwache gehören

Laut ARD-Magazin "Monitor" gehören die libyschen Angreifer zur sogenannten Seepolizei Zuwara. Das ist insofern brisant, als die Zuwara-Kräfte laut Sea-Eye zu den von der EU beauftragten Patrouillen der Küstenwachen gehören und von der Seepolizei Frontex bzw. der italienischen Küstenwache ausgebildet und ausgerüstet werden.

"Wenn die deutsche Justiz gegen die Partner der eigenen Regierung ermitteln muss, zeigt das, mit welch zweifelhaften Verbündeten auf EU-Ebene versucht wird, die Flucht über das Mittelmeer um jeden Preis zu stoppen. Der Schutz von Menschenleben scheint keine Priorität zu sein", sagte Sea-Eye-Sprecher Pahlke. Er forderte "ein Ende der Zusammenarbeit mit bewaffneten Kräften". Es gelte zu einer Politik zurückzukehren, die Menschenleben schütze und solche Verbrechen verhindere.