Straßenzustandsbericht 2018

Nur knapp jede zweite Hauptstraße in Hamburg ist "sehr gut"

Bauarbeiter sanieren die Kreuzung Neuhöfer Straße/Neuhöfer Damm in Hamburg (Archivfoto).

Bauarbeiter sanieren die Kreuzung Neuhöfer Straße/Neuhöfer Damm in Hamburg (Archivfoto).

Foto: imago images / Lars Berg

Dennoch verbessert sich der Zustand der Straßen im Vergleich zu den Vorjahren. Demnächst sollen Straßen im Süden saniert werden.

Hamburg. Die seit Jahren andauernde Sanierung der Fahrbahnen in Hamburg zahlt sich zunehmend aus, gleichwohl müssen die Hamburger noch lange mit Verkehrsbehinderungen leben: Vor allem im Süden der Stadt werden bald neue große Baustellen entstehen.

Mit dieser Botschaft hat Wirtschafts- und Verkehrssenator Michael Westhagemann (parteilos) am Dienstag im Rathaus den jüngsten Straßenzustandsbericht vorgestellt. „Wir lösen den alten Sanierungsstau auf“, erklärte Westhagemann, womit er sich darauf bezog, dass sich der Zustand der Hamburger Straßen von 2008 bis 2014 erheblich verschlechtert hatte, bis eine Trendwende gelang, die sich bei Untersuchungen 2016 zeigte. „Seitdem haben wir weitere gute Fortschritte erreicht“, sagte Westhagemann. „Die Fieberkurve sinkt.“

Aufwärtstrend in Hamburg nach Jahren der Verschlechterung

Waren 2016 noch 41,1 Prozent der Hauptverkehrsstraßen in einem nicht befriedigenden bis schlechten Zustand, galt dies 2018 nur noch für 28,7 Prozent der wichtigsten Verbindungen durch die Stadt. Dagegen waren 45,1 Prozent der Hauptverkehrsstraßen 2018 in einem sehr guten Zustand – 2016 galt das erst für 33 Prozent dieser Straßen. In einem guten Zustand waren zuletzt 26,2 Prozent der Hauptstraßen, eine geringfügige Verbesserung gegenüber 2016 (25,9 Prozent), wie aus dem jüngsten Straßenzustandsbericht hervorgeht.

Zur Einordnung muss man wissen, dass die Verkehrsbehörde die Bewertungen in vier Notenkategorien einteilt: 1,0–1,49 („sehr gut“ laut Behörde), 1,5–3,49 („gut“ laut Behörde) sowie 3,5–4,9 (Beobachtungs- oder Handlungsbedarf) und 4,5–5 (Handlungsbedarf, Einzelfallprüfung nötig). Für nicht befriedigend bis schlecht hält die Behörde Straßen bei schlechteren Noten als 3,5.

Fortschritte sind auch auf einigen Bezirksstraße zu erkennen

Zu der Frage, anhand welcher Kriterien diese Noten vergeben werden und ob es dabei einen Interpretationsspielraum gibt, sagte Staatsrat Andreas Rieckhof (SPD), die Behörde halte sich an wissenschaftlich anerkannte Bewertungs­regeln, die mit dem Bundesverkehrsministerium abgestimmt seien. „Wir schnitzen uns keine eigenen Kategorien und Standards.“ Im Schnitt bekamen die Hamburger Hauptverkehrsstraßen im Jahr 2018 die Note 2,37. Zum Vergleich: 2016 gab es die Durchschnittsnote 2,78, im Jahr 2014 die Note 2,84.

Fortschritte zeigen sich dem Bericht zufolge auch bei den Bezirksstraßen mit gesamtstädtischer Bedeutung, auf denen etwa die Metrobuslinien unterwegs sind: 2018 waren 40,2 Prozent dieser Straßen in einem nicht befriedigenden bis schlechten Zustand – zwei Jahre zuvor galt das noch für 46,8 Prozent dieser Straßen.

In einem sehr guten Zustand waren zuletzt 37,4 Prozent der wichtigen Bezirksstraßen (2016: 31,8 Prozent), einen guten Zustand im Jahr 2018 bescheinigt der Bericht 22,4 Prozent der wichtigen Bezirksstraßen (2016: 21,4 Prozent).

In den kommenden Monaten werden vor allem Verkehrsbehinderungen im Hamburger Süden den betroffenen Menschen viel Geduld abverlangen, wie Westhagemann sagte. Ein Teil der Baustelle am Ehestorfer Heuweg war zuletzt lahmgelegt worden, weil einer der alten Bergwerksstollen unter der Straße nachgegeben hatte. „Dort werden wir eine längere Bauzeit in Kauf nehmen müssen“, sagte Westhagemann. Sanierungen seien auch an der Cuxhavener Straße (B 73) nötig.

Hamburg investiert pro Jahr rund 100 Millionen Euro

Ebenfalls baufällig sind die Hohenfelder Brücken an der Außenalster, wo bald Sanierungen beginnen sollen. Eine weitere Baustelle wird im kommenden Jahr auf der A 7 auf einem Brückenabschnitt vor dem Elbtunnel entstehen, wie Westhagemann sagte. Dieser Bereich solle vierspurig gehalten werden.

Auf der A 1 müssen die Süder- und die Norderelbebrücke erneuert werden, wie Westhagemann sagte. „Dort wollen wir den Verkehr sechsspurig halten.“ Trotzdem werde es dazu kommen, dass etliche Autofahrer alternative Routen nutzten, was sich dann wohl „innerstädtisch bemerkbar machen werde“.

Westhagemann bat um Verständnis für die Baustellen. „Wir machen das nicht zum Selbstzweck, sondern für die Bürger, für nachfolgende Generationen.“ Seit 2013 gilt in Hamburg ein sogenanntes Erhaltungsmanagement. Damit soll der Verfall der Verkehrswege gestoppt werden. Pro Jahr investiere die Stadt etwa 100 Millionen Euro in die Sanierung ihrer Straßen, sagte Westhagemann.

Fahrzeug mit Sensoren und Kameras erfasst Zustand der Straßen

In einem „signifikant schlechteren Zustand als die Hauptstraßen und wichtigen Bezirksstraßen sind dem Bericht zufolge die übrigen Bezirksstraßen. Auf diesen Straßen werde „künftig mehr zu tun sein“, teilte die Verkehrsbehörde mit, ohne sich detailliert zu äußern. Das kritisierte der CDU-Abgeordnete Dennis Thering: „Die Masse der schadhaften Straßen liegt in den Bezirken“, sagte Thering. „SPD und Grüne sollten alles daransetzen, den Personalnotstand in den Bezirken zu beheben. Die Bezirksstraßen sanieren sich nicht von alleine.“

Der FDP-Abgeordnete Ewald Aukes forderte, das Baustellenmanagement müsse besser werden. „Bislang funktioniert die Koordination der Maßnahmen nur mangelhaft – trotz neu eingestellter Fachkräfte in den Bezirken und in der Verkehrsbehörde. Die Autofahrer haben es satt, an Absperrungen im Stau zu stehen, hinter denen keiner arbeitet.“

Die Messungen für den jüngsten Zustandsbericht wurden von Mai bis August 2018 durchgeführt. Insgesamt seien 2172 Fahrstreifen-Kilometer befahren worden, davon 1072 Kilometer auf den Hauptverkehrsstraßen, so die Behörde. Für die Messungen kam ein Auto mit Sensoren zum Einsatz, die etwa Risse in der Straße erfassen. Kameras machen alle zehn Meter hochauflösende Bilder. Ingenieure werten diese Bilder aus.