Start-up

Eimsbütteler Jungs erfinden leuchtenden Rucksack

Die Erleuchtung: Jacob Leffers (19, r.) und Emil Woermann (18) mit dem Prototyp des von ihnen entworfenen reflektierenden Rucksacks.

Die Erleuchtung: Jacob Leffers (19, r.) und Emil Woermann (18) mit dem Prototyp des von ihnen entworfenen reflektierenden Rucksacks.

Foto: Thorsten Ahlf

Die Erfinder sind gerade mit der Schule fertig und haben bereits ein Start-up gegründet. Als Chorknaben begann ihr gemeinsamer Weg.

Hamburg.  Die zwei sind ganz schön umtriebig: Als sie in den Stimmbruch kamen, war es vorbei mit ihrer Chorkarriere im Knabenchor St. Nikolai, und weil sie als Teenager anschließend so viel Zeit hatten, schrieben Jacob Leffers (19) und Emil Woermann (18) vor zwei Jahren erst ein Buch über Computerthemen, bauten außerdem ein E-Commerce-Geschäft auf und verkauften Hoodies und T-Shirts. Nun bringen die Abiturienten aus Eimsbüttel mit The Luminant Bag einen leuchtenden Rucksack auf den Markt. Eben noch auf der Schulbank, sind die beiden jetzt bereits Unternehmer.

Sind das also kleine Nerds, die zwei, die ihre Freizeit schon seit Jahren gern in ihren Zimmern an ihren Computern verbringen? Kleine Sonderlinge also? Das könnte man meinen, es ist aber nicht so. Jacob und Emil sind ganz normale Jugendliche, die einfach etwas mehr Innovationsgeist und Biss aufbringen als andere in ihrem Alter. Und den Mut, sich auf Neues einzulassen und Dinge auszuprobieren. Die beiden tüfteln und probieren seit der siebten Klasse gern gemeinsam am Rechner. Sie haben sich selbst beigebracht, wie man eine Website erstellt, wie man Sachen im Internet verkauft und damit sogar Geld verdient. „Wir haben viele Fehler gemacht und immer weiter ausprobiert, bis die Dinge funktioniert haben“, sagt Jacob.

Rucksack ist auch wasserabweisend

Ihr Motto: „Wenn wir nicht finden, was wir suchen, machen wir es selbst“, so Jacob Leffers. „Chapter One“ hieß ihr erster Onlineshop, in dem sie Pullover verkauften, die sie nach Wunsch besticken ließen. Ihr Buch „Secret Book for Digital Boys“ erscheint seit 2016 in der dritten Auflage – ein Handbuch zu digitalen Themen. Und mit ihrem Start-up OAK25 bringen sie nun einen neuartigen Rucksack auf den Markt.

The Luminant Bag ist wasserabweisend, leuchtet im Dunkeln durch reflektierende Materialien und ist gedacht für moderne Großstadtmenschen, die genau wie Jacob und Emil bei Wind und Wetter mit dem Rad unterwegs sind und ihren Laptop dabeihaben.

Wie ein kleiner Koffer sieht der Rucksack aus, der Radfahrern im Dunkeln durch das reflektierende Material mehr Schutz bieten soll. Die Hoffnung: „Auch Jugendliche, die nicht mit einer reflektierenden Sicherheitsweste Fahrradfahren wollen, haben durch diesen Rucksack mehr Sicherheit“, sagt Jacob. Der Weg zum fertigen Rucksack war lang. „Wir mussten viel ausprobieren und neu entwickeln“, so Jacob. Über Bekannte sind sie an einen Taschenproduzenten aus Nordrhein-Westfalen gekommen, die dortige Designerin steht den beiden Jungunternehmern zur Seite.

Start-up ist für sie ein Hobby

Jacob hat an diesem Vormittag selbst zwei Laptops im Prototyp des Rucksacks stecken – einen privaten und einen Firmenlaptop. Nach seinem Abitur im vergangenen Jahr an der Sophie-Barat-Schule in Rotherbaum hat er gleich mit der Ausbildung – wie passend – zum E-Commerce-Kaufmann bei About You begonnen. Emil hat in diesem Sommer Abitur am Emilie-Wüstenfeld-Gymnasium in Eimsbüttel gemacht und studiert, na klar, E-Commerce bei Otto.

Zielstrebig und fokussiert sind die beiden, die ihr Start-up nicht als Nebenjob sehen, sondern als Hobby. Die gern nach Feierabend ihre Zeit nutzen, um neue Ideen und Verbesserungen zu entwickeln. Vor einem Jahr haben sie ihr Unternehmen OAK25 gegründet – der Name leitet sich von ihrer Büroadresse im Haus von Emils Eltern an der Eichenstraße in Eimsbüttel ab.

Geschäftspartner leben zusammen in WG

Die beiden sind Geschäftspartner, Freunde und teilen sich sogar auch eine WG. „Ich könnte mit keinem meiner anderen Freunde zusammenwohnen“, sagt Jacob und lacht. Die beiden sind eben ein eingespieltes Team. Viel Zeit für Hobbys bleibt nicht, Emil spielt noch Klavier, und beide gehen zusammen in die Kaifu-Lodge und machen dort Sport. Dann lachen sie: „Dort machen wir vor allem Rückengymnastik.“ Die viele Zeit am Rechner hat eben seinen Preis und geht auf den Rücken.

Wenn alles glattläuft, soll der Rucksack Anfang kommenden Jahres zu kaufen sein. Weil sie dafür noch Geld brauchen, läuft derzeit eine Crowdfunding-Kampagne bei Kickstarter.