Hamburg

"Fame Forest" – Sasha und Smudo pflanzen die ersten Bäume

 Hamburg: Sasha (l.), Musiker und Smudo, Musiker, stehen im "Fame Forest" an einem zuvor gepflanzten Baum. Beim dem ökologisch-sozialen Projekt können Künstler, die in der Barclaycard-Arena auftreten, Baumpate werden.

Hamburg: Sasha (l.), Musiker und Smudo, Musiker, stehen im "Fame Forest" an einem zuvor gepflanzten Baum. Beim dem ökologisch-sozialen Projekt können Künstler, die in der Barclaycard-Arena auftreten, Baumpate werden.

Foto: dpa

Jedem Stargast der Barclaycard Arena wird in Schnelsen sein eigener Baum gewidmet, für den er die Patenschaft übernimmt.

Hamburg. Während die Oktobersonne die letzten Spuren des Nachtfrosts vernichtete und damit für beste Bodenverhältnisse sorgte, erinnerte Jens Kerstan an die drei Dinge, die ein Mann in seinem Leben dem Sprichwort nach getan haben muss: Haus bauen, Sohn zeugen, Baum pflanzen. Einer, der den Worten des Hamburger Umweltsenators lauschte, war Sasha, und dem Popstar schien zu gefallen, was er hörte. Vater eines Sohnes und Besitzer eines Eigenheims ist der 47-Jährige, aber das mit dem Baum ist so eine Sache. „Ich war noch in der Schule, als ich während einer Projektwoche mal einen Baum gepflanzt habe. Auch deshalb freue ich mich, dass ich heute dabei sein und meinen eigenen Baum pflanzen darf“, sagte er.

Nun war es nicht irgendein Baum, der gepflanzt wurde am Mittwochvormittag. Der Anlass, der Sasha, seinen Künstlerkollegen Smudo (Die Fantastischen Vier) und eine Reihe weiterer Unterstützer nach Schnelsen führte, war der Startschuss eines Projekts, das in Deutschland einzigartig ist. In Kooperation mit Hamburg Wasser und der gemeinnützigen GmbH „Das Geld hängt an den Bäumen“ hat die Anschutz Entertainment Group (AEG) als Betreiber der Multifunktionsarena im Volkspark gemeinsam mit deren Namensgeber Barclaycard die Idee eines „Fame Forest“ ins Leben gerufen. Anstatt Musikgrößen, Sportlern oder anderen Unterhaltungskünstlern zur Erinnerung an ihre Hamburg-Auftritte die üblichen gerahmten Urkunden zu überreichen, wird künftig jedem Arena-Stargast sein eigener Baum gewidmet, für den er die Patenschaft übernimmt. Daraus entsteht langfristig der Ruhmeswald.

Hamburg Wasser stellt für "Fame Forest" Areal zur Verfügung

Dafür stellt Hamburg Wasser, der größte Grundbesitzer der Stadt, ein an den Golfclub Wendlohe angrenzendes Areal zur Verfügung, das rund drei Hektar Pflanzfläche bietet. Entstehen soll dort ein Mischwald aus Buchen, Feldahornen, Ulmen, Eichen, Erlen und Obstbäumen, der mit Mischblumenwiesen, Nisthilfen für Insekten und Bienenstöcken zu einem Ökosystem verschmelzen soll. „Das Projekt deckt sich mit unserem Streben nach Nachhaltigkeit, deshalb waren wir sofort begeistert“, sagte André Nickels (Hamburg Wasser).

47 Bäume wurden zum ersten Spatenstich am Mittwoch gepflanzt – je zehn Ulmen, Buchen und Ahorne sowie 17 Apfelbäume der alten Sorten Goldparmäne, Gravensteiner und Geheimrat Oldenburg. „Dieser Wald ist ein besonderes Symbol dafür, wie wichtig der Stadt und ihren Bürgern Bäume sind“, sagte der Umweltsenator von den Grünen, der selbst tatkräftig mitschaufelte.

Finanziert werden die Bäume von AEG und Barclaycard. Das Pflanzen und Pflegen sowie das Ernten des Obstes – neben Äpfeln sind auch Birnen, Pflaumen oder Kirschen möglich – übernimmt die gGmbH „Das Geld hängt an den Bäumen“, die seit zehn Jahren besteht und sich zum Ziel gesetzt hat, vergessenes Obst von vergessenen Menschen ernten und verwerten zu lassen. „Das bedeutet, dass wir behinderte oder sozial benachteiligte und damit schwer im Berufsleben vermittelbare Menschen Obst ernten lassen, das auf städtischen Streuobstwiesen, aber auch in Privatgärten wächst und sonst am Baum verfaulen würde“, erläuterte Jan Schierhorn, ehrenamtlicher Geschäftsführer des Projekts.

Smudo: "Mich hat die Idee sofort fasziniert"

25 bezahlte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind mittlerweile beschäftigt. Die aus dem Obst gewonnenen und von der Auricher Süßmost GmbH ohne jegliche Zusatzstoffe verarbeiteten Säfte werden in ausgewählten Geschäften verkauft und ausgeschenkt, zum Beispiel auch im Gästehaus des Senats. Das Ziel des „Fame Forests“ ist es, dass in ein paar Jahren, wenn die Bäume Früchte tragen, Künstler bei ihrer Rückkehr nach Hamburg Obst und Saft von ihrem eigenen Baum serviert bekommen. Oder auch Honig, der aus den Bienenstöcken im Ruhmeswald stammt.

„Mich hat diese Idee sofort fasziniert. Die 397. Urkunde für einen ausverkauften Auftritt lasse ich in der Garderobe stehen, aber einen eigenen Baum zu haben, das finde ich cool“, sagte Smudo, der sich eine Buche pflanzte. Gekennzeichnet sind alle Bäume mit einem hölzernen Namensschild ihres Paten. „Ich kann mir gut vorstellen, dass in ein paar Jahren dieser Wald eine Attraktion ist, die auch von Fans besucht wird“, sagte Smudo.

In der Arena soll Werbung für den "Fame Forest" gemacht werden

Darauf hofft auch Steve Schwenkglenks. „Vor sechs Monaten hatten wir die Idee und sind überwältigt davon, was seitdem mit Unterstützung aller Partner daraus geworden ist. Die Resonanz der Künstler, die wir bislang bekommen haben, lässt darauf schließen, dass wir einen Nerv getroffen haben. Vor zehn Jahren waren Klimaschutz und Nachhaltigkeit noch kein so großes Thema wie aktuell“, sagte der Arenachef, der den Stars künftig anbieten wird, ihren Baum eigenhändig zu pflanzen, wenn es die Zeit zulässt.

Fortan soll in der Arena auch Werbung für den Ruhmeswald und das Projekt „Das Geld hängt an den Bäumen“ gemacht werden. „Das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt uns schon seit Jahren. Nun wollen wir nicht mehr nur darüber reden, sondern diejenigen sein, die anpacken“, sagte Schwenkglenks. Dass sie das können, die Organisatoren, Unterstützer und Künstler, das haben sie am Mittwochvormittag bewiesen.