Hamburg

Taubstummer Dieb überfällt Autofahrerinnen im Parkhaus

Das Park-and-Ride-Haus in Harburg

Das Park-and-Ride-Haus in Harburg

Foto: Lars Hansen

Analphabet bleibt auf freiem Fuß. Polizei kann ihm den Aufenthalt im Bahnhof nicht verbieten, weil er weder hören noch lesen kann.

Harburg.  Es ist ein ungewöhnlicher Fall, der die Polizei vor besonders ungewöhnliche Probleme stellt: Wie kann man einem taubstummen Analphabeten, der immer wieder in P+R-Parkhäusern Frauen bestiehlt und immer aggressiver vorgeht, das gegen ihn verhängte Aufenthaltsverbot für Bahnhöfe verständlich machen? Ein Beamter gibt zu: „Für ihn nachvollziehbar gar nicht.“

Schon seit Monaten wird der 20 Jahre alte Mann aus Montenegro nach Informationen des Abendblatts immer wieder im Süden Hamburgs straffällig. Zumeist, so die Erkenntnisse der Polizei, lauert er in Parkhäusern entlang der Strecke der S 3 Frauen auf, die gerade ihr Auto einparken. Dann reißt er, während die Fahrerin noch im Auto sitzt, die hintere Tür auf und nimmt auf dem Rücksitz liegende Taschen heraus. Mit der Beute läuft er davon.

Justiz lässt ihn immer wieder laufen

In einem Fall rannte er hinter einem langsam durch das Parkhaus fahrende Auto her und versuchte, den Kofferraum zu öffnen. Die Fahrerin gab in Panik Gas. Wegen seiner Taten hatte der Mann, der zuletzt im Bereich Stade wohnte, schon in Niedersachsen und Hamburg in Untersuchungshaft gesessen. Die Justiz ließ ihn immer wieder laufen.

Für das jetzt verhängte Aufenthaltsverbot für den Bereich der Bahnhöfe Neugraben, Neuwiedenthal, Harburg, Wilhelmsburg und Veddel wurden sieben weitere Taten – eine von ihnen in Neugraben und sechs in Harburg – als Begründung herangezogen.

Er soll sogar einen Raub begangen haben

„Das Problem ist, dass der Mann immer aggressiver agiert“, sagt ein Beamter. In einem Fall soll er einem seiner Opfer nach Erkenntnissen der Polizei eine Tasche entrissen und damit einen Raub, also ein Verbrechen, begangen haben.

Die Polizei befürchtet, dass es nicht nur zu immer weiteren Taten kommt, sondern auch, dass jemand ernsthaft verletzt werden könnte. Um das zu verhindern, sollen die Parkhäuser an S-Bahnhöfen in dem betroffenen Bereich jetzt bis auf Weiteres verstärkt überwacht werden.

Ihn einfach festzunehmen, käme nicht infrage

Auch der Einsatz von Zivilfahndern gilt als problematisch. Sie könnten sich dem Mann gegenüber bei einem Zugriff nicht einmal durch Zuruf als Polizisten zu erkennen geben, weil er sie nicht verstehen würde. Auch das, so die Überlegung der Polizei, könnte die Situation eskalieren lassen. Den Mann einfach festzunehmen, komme auch nicht infrage. Es liege derzeit kein Haftbefehl gegen ihn vor. Um diesen zu erwirken, müsste der 20-Jährige weitere Diebstähle oder Überfälle begehen. Ein Polizist: „Am besten wäre es, ihn dabei auf frischer Tat zu schnappen.“