Wissenschaft

HafenCity-Uni soll für die Vereinten Nationen forschen

Prof. Gesa Ziemer leitet das City-Science-Labor an der HafenCity-Uni. Bald
könnte ihr Team auch für die Uno arbeiten.

Prof. Gesa Ziemer leitet das City-Science-Labor an der HafenCity-Uni. Bald könnte ihr Team auch für die Uno arbeiten.

Foto: Marcelo Hernandez

Auswärtiges Amt könnte fünf Millionen Euro für neues Labor bereitstellen. Stararchitekt plädiert für mehr „grüne“ Architektur.

Hamburg. Die Organisation der Vereinten Nationen (Uno) soll vor allem Frieden sichern, die Menschenrechte schützen, gegen Armut und Hunger vorgehen und für eine nachhaltige Entwicklung der Welt einstehen. Dabei setzt die Einrichtung mit Sitz in New York etwa auf Kooperationen, auf Entwicklungs­hilfe und den Einsatz von Blauhelmsoldaten. Unterstützend hinzukommen könnte bald wissenschaftliche Expertise aus Hamburg: Von 2020 an soll ein Team aus Stadtforschern um Prof. Gesa Ziemer von der HafenCity Uni (HCU) ein sogenanntes UNTIL-Labor aufbauen.

Das Kürzel steht für UN Technology Innovation Lab. Es gibt bereits vier solcher Einrichtungen in Finnland, Malaysia, Ägypten und Indien, die untersuchen, wie Technik bei der nachhaltigen Entwicklung von Städten helfen könnte. Das geplante Labor in Hamburg wäre das einzige dieser Art in Deutschland und das einzige weltweit, das seinen Schwerpunkt auf die Digitalisierung legt und analysieren soll, wie sich Daten gewinnbringend für Städte nutzen lassen.

Verschiedene digitale Simulationen

Eine Absichtserklärung für dieses Vorhaben unterzeichneten am Dienstagabend im Beisein von Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) im Rathaus der neue Präsident der HafenCity-Uni, Prof. Jörg Müller-Lietzkow, und Vertreter der Uno sowie des Auswärtigen Amtes. Dem Vernehmen nach könnte das Auswärtige Amt für das Vorhaben bis zu fünf Millionen Euro bereitstellen, vorbehaltlich der Zustimmung des Parlaments.

Wie viele HCU-Mitarbeiter an den Forschungen beteiligt sein könnten, ist unklar. Geplant ist, das Hamburger UNTIL­-Team in neuen Räumen in der HafenCity unterzubringen und im ersten Quartal 2020 die Eröffnung zu feiern.

Das Team um Gesa Ziemer stützt sich auf Daten, die zu unterschiedlichen Aspekten in Städten und Regionen vorliegen, etwa zur Altersstruktur der Bewohner, zu Beschäftigung und Arbeits­losigkeit, Nutzung von Verkehrswegen, Krankenhäusern, Energieversorgung und Klima. Auf dieser Grundlage sind verschiedene digitale Simulationen möglich, etwa wie eine Stadt ihre Gesundheitsversorgung verbessern oder sich an den Klimawandel anpassen könnte.

Erste „City Science Summit“ in Hamburg

Über das Interesse an dieser Expertise freut sich neben Ziemer auch die Politik. Die Absichtserklärung zeige, „dass der Forschungsstandort Hamburg über eine große internationale Präsenz verfügt“, sagte Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne).

Als weiteren Beleg für diese These wertete Hamburgs Zweite Bürgermeisterin den ersten „City Science Summit“ in Hamburg – einen Kongress zur digitalen Stadt der Zukunft mit Workshops für jedermann, der ebenfalls maßgeblich auf das Engagement Gesa Ziemers zurückgeht. Die Vizepräsidentin der HCU hatte das Treffen von mehreren Hundert Stadtforschern gemeinsam mit dem Media Lab der US-Eliteuni MIT organisiert. Für den Kongressauftakt am Dienstag im kleinen Saal der Elbphilharmonie gewann sie den britischen Stararchitekten Lord Norman Foster als Redner.

Vision eines Stararchitekten

Der 84-Jährige erschien in Begleitung seiner spanischen Ehefrau, der Medizinerin Elena Ochoa. In Deutschland ist Foster vor allem bekannt als Architekt der öffentlich begehbaren Reichstagskuppel in Berlin. International für Aufsehen sorgte er etwa mit dem wegen seiner gewölbten Fassadenform „Gherkin“ („Gurke“) genannten Bau der Swiss Re in London, außerdem etwa mit dem 2460 Meter langen und 343 Meter hohen Viadukt von Millau in Frankreich – und zuletzt mit dem neuen Firmensitz des Apple-Konzerns im kalifornischen Cupertino.

In der Elbphilharmonie sprach Foster vor etwa 500 Gästen fast eine Dreiviertelstunde lang frei und leidenschaftlich über seine Vision von urbaner „grüner“ Architektur. Dabei spannte er den Bogen von seinen Anfängen als Architekt 1965 bis zu den jüngsten Projekten seiner Madrider Stiftung in indischen Slums. Ob in bitterarmen oder in reichen, technisch hochentwickelten Regionen – überall treibt Foster die Frage um, wie die Menschheit angesichts des Bevölkerungswachstums und weiteren Herausforderungen wie dem Klimawandel möglichst gut wohnen und leben kann.

Energiesparende Gebäude

„Im Jahr 2050 wird die Weltbevölkerung um ein Drittel angewachsen sein, und 70 Prozent der Menschen werden in Städten leben. Wenn jetzt nicht vorausschauend gehandelt wird, wird jeder dritte dieser urbanen Ballungsräume eine informelle Siedlung oder ein Slum sein. Die Probleme in urbanen Räumen sind Fragestellungen, die uns auf der ganzen Welt betreffen“, sagte er.

Es sei immens wichtig, umweltschonende und energiesparende Gebäude zu bauen. Dabei sei zur Inspiration mitunter auch ein Blick auf Technologien in Luft- und Raumfahrt hilfreich, die für besondere Bedingungen konstruiert wurden. „Wir müssen aus weniger Ressourcen mehr machen“, sagte Foster.