St. Georg

Hansaplatz – verlagern die Videokameras das Problem nur?

Seit dem Start der Videoüberwachung ist es auf dem Hansaplatz in St. Georg deutlich friedlicher geworden.

Seit dem Start der Videoüberwachung ist es auf dem Hansaplatz in St. Georg deutlich friedlicher geworden.

Foto: Thorsten Ahlf

Deutlich weniger Gewalt am Brennpunkt in St. Georg. Doch Anwohner beklagen Drogenhandel auf umliegenden Straßen und Spielplätzen.

Hamburg.  Es gibt Hamburger, die sagen, der Hansaplatz sei einer der schönsten Plätze Hamburgs. Eigentlich. Denn ausufernde Gewalt, sexuelle Übergriffe, Alkoholkonsum und Drogenhandel haben aus dem eigentlich so schönen Platz in den vergangenen Jahren einen Brennpunkt gemacht.

Doch diese Probleme sollen inzwischen der Vergangenheit angehören, wie Anwohner und Gastronomen berichten. Grund dafür seien die 16 Videokameras, die vor rund zwei Monaten angebracht wurden und die das Geschehen auf dem Platz vom Nachmittag bis zum frühen Morgen durchgehend dokumentieren. Die Innenbehörde erhoffte sich dadurch, Straftaten besser verfolgen und bestenfalls auch verhindern zu können. Die Bilder aus den Überwachungskameras werden dafür in der Wache 11 am Steindamm aufgeschaltet.

Anwohner Markus Schreiber beurteilt die Entwicklung positiv

Der SPD-Abgeordnete und Anwohner Markus Schreiber beurteilt die Entwicklung positiv. Schreiber, der auch Vorsitzender des Bürgervereins ist, sagt: „Die Lage am Hansaplatz hat sich deutlich verbessert. Die Drogendealer sind weg, und auch die Trinker sind größtenteils verschwunden.“

Lange Zeit war das anders: Sexuelle Belästigung, Drogenhandel, schwere Gewaltdelikte – der Platz unweit der Langen Reihe und des Hauptbahnhofs galt jahrelang als Kriminalitätsbrennpunkt. Seit dem Jahr 2014 hat sich die Zahl der Straftaten auf dem und rund um den Platz mehr als verdoppelt. Die Videokameras sind nur ein Punkt eines Maßnahmenpakets, das den Hansaplatz auch für seine Anwohner wieder zu einem sicheren Ort machen soll. Neben den Videokameras gilt seit Kurzem ein Glasflaschenverbot – in der Zeit von 17 Uhr bis 6 Uhr dürfen Glasflaschen weder mitgeführt noch verkauft werden. Außerdem wurde die Polizeipräsenz verstärkt.

Immer noch meiden viele Stadtführer den Platz

Ein Paket, das offenbar bereits zu einer spürbaren Verbesserung geführt hat. Jedenfalls sagt Semir Dragolj, Inhaber des Restaurants Traumzeit am Hansaplatz: „Alle Probleme sind weg. Früher gab es hier jeden Tag vier oder fünf Polizeieinsätze, heute passiert nichts mehr.“ Gäste und Anwohner hätten das auch schon bemerkt und ihn darauf angesprochen. „Jetzt sieht man auch endlich wieder Familien auf dem Platz“, so Dragolj weiter.

Dennoch sei es noch ein langer Weg. „Immer noch meiden viele Stadtführer und auch Hamburger den Platz, weil der Ruf nach wie vor schlecht ist. Es wird wohl eine Zeit dauern, bis in den Köpfen angekommen ist, dass es hier wirklich schön ist.“

Positive Resonanz aus der Bevölkerung

Eine positive Zwischenbilanz zieht auch die Hamburger Polizei: „Eine valide Bewertung der Wirksamkeit kann aufgrund der kurzen Laufzeit zu diesem Zeitpunkt noch nicht erfolgen. Das Polizeikommissariat 11 registriert aber bereits positive Effekte“, so Polizeisprecher Timo Zill. „Ebenso erhält das PK 11 eine positive Resonanz aus der Bevölkerung. Dies wird insbesondere durch die vielfältige Äußerungen von Anwohnern, Gewerbetreibenden und Passanten gegenüber den auf dem Hansaplatz eingesetzten Polizeibeamten deutlich.“

Vor dem Hintergrund der Videoüberwachung setze daher auch die Polizei im Umfeld des Hansaplatzes Präsenzkräfte ein, um auch dort eine deutliche Verbesserung für alle Beteiligten – insbesondere der Anwohner – zu erreichen.

Drogenhandel und Alkoholgelage haben sich verlagert

Auch wenn auf dem Hansaplatz selbst vorerst Ruhe eingekehrt sein mag, Markus Schreiber sieht keinen Anlass zur Entwarnung: „Es kommt immer noch regelmäßig zu Zwischenfällen. Gerade kürzlich gab es eine Massenschlägerei. Aber grundsätzlich ist die Zahl der Zwischenfälle stark rückläufig.“

Was aber ist mit den Drogendealern und Trinkern passiert? Haben sie sich neue Plätze gesucht? Markus Schreiber glaubt, dass vieles stattdessen in Privatwohnungen stattfinden würde. Anwohner beurteilen die Lage teilweise anders. Etwa Hend Aly, die sich über den Verein Danziger Straße um das Spielhaus auf dem dortigen Spielplatz kümmert. Sie berichtet davon, dass sich Drogenhandel und Alkoholgelage nur verlagert hätten. „Seit einigen Wochen haben wir vermehrt Glasflaschen und Spritzen auf dem Spielplatz gefunden und bereits mehrfach die Polizei alarmiert.“ Frau Aly, die selbst in unmittelbarer Nähe wohnt, berichtet auch von Dealer-Aktivitäten vor den Hauseingängen der umliegenden Straßen. „Die Trinker und Drogenhändler sind jetzt vielleicht nicht mehr am Hansaplatz, dafür aber vor unseren Wohnungen und auf unseren Spielplätzen.“

Dazu sagt Polizeisprecher Timo Zill: „Unabhängig von der Videoüberwachung bleiben der Hansaplatz und die angrenzenden Straßen rund um den Platz im polizeilichen Fokus. Ein besonderes Augenmerk haben die Einsatzkräfte natürlich auch auf sensible Bereiche wie zum Beispiel Kinderspielplätze.“