Justiz

Vater verletzte seinen Säugling im Gesicht

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand (Symbolbild).

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand (Symbolbild).

Foto: David-Wolfgang Ebener / dpa

Amtsgericht verhängt Bewährungsstrafe gegen den 30 Jahre alten Angeklagten. Mädchen hatte Einblutungen an den Ober- und Unterlidern.

Hamburg. Das kleine Mädchen lächelt. Der Blick ist neugierig und offen. Ohne Scheu und offenbar angstfrei schaut die kleine Anna (Name geändert) ihren Vater an. Dass das 18 Monate alte Kind so vertrauensvoll auf den Mann zugeht, ist ein gutes Zeichen. Es lässt hoffen, dass zwischen Vater und Tochter inzwischen alles im Lot ist. Viel besser als damals, als Micki K. dem kleinen Mädchen offenbar Gewalt angetan hat.

Fünf Monate war Anna alt, als sie im Juli vergangenen Jahres mit Verletzungen an den Augenlidern ins Krankenhaus kam. Laut Anklage vor dem Amtsgericht war es der 30 Jahre alte Vater Micki K., der mit stumpfer Gewalt auf das Kind eingewirkt habe. Zunächst möchte der Angeklagte, ein blasser Mann mit hoher Stirn und Vollbart, nichts zu den Vorwürfen sagen. Auch seine Ehefrau macht als Zeugin von ihrem Recht, nicht aussagen zu müssen, Gebrauch. Stattdessen brabbelt die mittlerweile anderthalb Jahre alte Anna munter vor sich hin, ein aufgewecktes Mädchen mit Zöpfen und einem Schnuller im Mund.

„Kind kann sich das nicht allein zugefügt haben“

Damals, im Kinderkrankenhaus, hatte Micki K. erzählt, er habe seine Tochter „in einer schwierigen Füttersituation grob angefasst“, notierte man in der Klinik. Das Mädchen hatte Einblutungen an den Ober- und Unterlidern, weshalb es wegen des Verdachts der Kindeswohlgefährdung in die Klinik gekommen war. Eine Sozialpädagogin, die die junge Familie später betreute, schilderte die Eltern vor Gericht als „kooperativ“. Beide hätten aber auch „belastet und verunsichert“ gewirkt. Sie habe darauf gedrungen, dass die Hebamme weiter engen Kontakt zur Familie halte. Bei Hausbesuchen habe sie aber keine Überforderung feststellen können, sagte die Zeugin.

Eine rechtsmedizinische Sachverständige erklärte, die Verletzung ober- und unterhalb der Augen müsse durch einen kräftigen Griff, ein Drücken oder eine Schlagbewegung in das Gesicht des Säuglings entstanden sein. Es sei gewisse Gewalt vonnöten, um solche Unterblutungen zu verursachen. „Das Kind kann sich das nicht allein zugefügt haben.“ Nun schildert der Angeklagte zwei Situationen, bei denen er „etwas grober war“. Einmal sei er an jenem Tag beim Füttern mit der Flasche mit der Hand abgerutscht und habe womöglich das Gesicht seiner Tochter getroffen. Danach habe er Anna in ihren Maxi Cosi gelegt und den Kopf des Mädchens runtergedrückt.

Bewährungsstrafe von drei Monaten

Schwerwiegend ist, so die Staatsanwältin, dass Micki K. gegenüber einem „völlig wehrlosen Säugling, der ihm ausgeliefert war“, eine Körperverletzung begangen habe. Die Richterin verhängt schließlich eine Bewährungsstrafe von drei Monaten für den Angeklagten. Es sei eindeutig, dass mit erheblicher Kraft auf den Säugling eingewirkt worden sein müsse, betont die Vorsitzende. „Wir können uns alle vorstellen, dass einem auch mal die Nerven durchgehen. Aber dann muss man das auch benennen und daran arbeiten. Und das fehlt mir hier. Wir haben das kleine Mädchen hier gesehen. Es verdient wirklich jeden Schutz.“