Hamburg

Komasaufen ist bei Jugendlichen rückläufig

Ein Jugendlicher sitzt hinter Flaschen mit Alkohol.

Ein Jugendlicher sitzt hinter Flaschen mit Alkohol.

Foto: Jens Büttner / picture alliance / dpa

Laut einer Suchtstudie trinken Hamburgs Jugendliche weniger Alkohol. E-Shishas, Cannabis und Spielsucht sind ein Problem.

Hamburg.  Der Alkoholkonsum Hamburger Jugendlicher ist weiter rückläufig, der Tabakkonsum stabilisiert sich auf niedrigem Niveau, dafür werden E-Zigaretten und E-Shishas beliebter, der Cannabis-Konsum steigt leicht an und das Internet entwickelt zunehmend Suchtpotenzial – das sind die zentralen Aussagen der SCHULBUS-Studie, für die 1.033 Schülerinnen und Schüler im Alter von 14 bis 17 Jahren befragt wurden.

Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) hob bei der Vorstellung der Ergebnisse am Dienstag im Rathaus hervor, dass nicht nur der allgemeine Alkoholkonsum der Jugendlichen rückläufig sei, sondern auch das problematische „Binge Drinking“ (Rauschtrinken oder Komasaufen). Demnach gaben nur noch 17 Prozent der Befragten für das Jahr 2018 an, im letzten Monat mehr als fünf alkoholische Getränke bei einer Trinkgelegenheit konsumiert zu haben – ab dieser Schwelle sprechen Suchtexperten von Rauschtrinken. 2012 hatten noch 31 Prozent der Jugendlichen angegeben, Rauschtrinken zu praktizieren. Dementsprechend sei auch die Zahl der Krankenhausaufenthalte aufgrund von Alkoholvergiftungen rückläufig.

Auch der Tabakkonsum ist seit 2012 zurückgegangen

Ebenfalls erfreulich sei auch die Entwicklung beim Tabakkonsum von Jungen und Mädchen, so die Senatorin. In den letzten 30 Tagen seit der Befragung hätten 21 Prozent der Jungen und 22 Prozent der Mädchen geraucht. Damit stabilisierten sich die Konsumwerte bei beiden Geschlechtern weiterhin auf dem in 2015 erreichten niedrigen Niveau. Zum Vergleich: In 2012 hatten noch 35 Prozent der Jungen und 33 Prozent der Mädchen angegeben, im letzten Monat geraucht zu haben.

„Der rückläufige Tabakkonsum unter Jugendlichen zeigt einmal mehr deutlich, dass sich eine konsequente Kombination von verhaltens- und verhältnispräventiven Maßnahmen auszahlt“, so Prüfer-Storcks. „Denn die Informations- und Aufklärungsangebote zu den Risiken des Suchtmittelkonsums entfalten erst dann ihre volle Wirksamkeit, wenn sie auch durch entsprechend steuerungspolitische Regelungen wie Kaufbeschränkungen für Jugendliche, Rauchverbote und Steuern, glaubhaft unterfüttert werden.“

E-Zigaretten und E-Shishas werden immer beliebter

Deutlich zugenommen hat hingegen die Beliebtheit von E-Zigaretten und E-Shishas. Die Anzahl der jungen „DampferInnen“ hat sich in den letzten drei Jahren um sechs Prozentpunkte auf 17 Prozent in 2018 erhöht. Prüfer-Storcks warnte, dass das vermeintlich harmlose Dampfen von E-Zigaretten und E-Shishas, oft versetzt mit Aromen wie Apfel oder Erdbeere, für Jugendliche nicht selten der Einstieg in das Rauchen von Zigaretten sei, da früh das inhalative Konsumieren erlernt wird: „Für langjährige Raucher können E-Zigaretten ein Ausstieg aus dem Tabakkonsum sein.

Bei Jugendlichen ist es jedoch umgekehrt: E-Zigaretten und E-Shishas, bei denen überdies gesundheitsschädliche Schadstoffe freigesetzt werden, sind oft ein Einstieg in das Nikotinrauchen, weil sie bei jungen Menschen die Hemmschwelle senken, Rauch zu inhalieren“, sagte die Senatorin.

Prüfer-Storcks will umfassendes Werbeverbot

Die SPD-Politikerin will den noch relativ jungen Trend daher möglichst schnell wieder eindämmen: „Anstatt ihnen zu suggerieren, dass E-Zigaretten harmloser seien als herkömmliche, sollten junge Menschen vor dem Einstieg in eine Raucherkarriere geschützt werden.

Wünschenswert wäre deshalb ein umfassendes Werbeverbot, das sowohl für herkömmliche Tabakprodukte als auch für E-Zigaretten, E-Tabakerhitzerund sonstige neue E-Nikotinprodukte gleichermaßen gilt – als wirkungsvolle Maßnahme für den Gesundheitsschutz der gesamten Bevölkerung, insbesondere aber für den Schutz der Kinder und Jugendlichen.“

Leichter Ansteig beim Cannabiskonsum

Beim Konsum von Cannabis ist ein leichter Anstieg ist zu verzeichnen: 14 statt bislang zwölf Prozent der Jugendlichen gaben an, mit der Droge in Kontakt gekommen zu sein. Der sogenannte „problematische Konsum“ habe dagegen leicht abgenommen, nämlich von sechs auf fünf Prozent, so die Gesundheitsbehörde.

Deutlichere Zunahmen sind bei der missbräuchlichen Nutzung des Internets festzustellen: Insbesondere junge Frauen würden sich zunehmend in sozialen Netzwerken verlieren, so die Studie. Vor allem bei jungen Männern sei hingegen eine Zunahme beim unverhältnismäßigen Konsumieren von Computerspielen ablesbar.