Winterhude

Mit Stofffetzen zum Erfolg: 19-Jährige gründet eigenes Label

Charlotte Mautner hat schon als Kind Bänder aus Stoffresten verkauft und nun mit ihrer Schwester ein Start Up gegründet.

Charlotte Mautner hat schon als Kind Bänder aus Stoffresten verkauft und nun mit ihrer Schwester ein Start Up gegründet.

Foto: Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services / MARCELO HERNANDEZ / FUNKE Foto Services

Charlotte Mautner hat mit Sylt Bohème Beeindruckendes auf die Beine gestellt. Begonnen hat alles auf der Nordseeinsel.

Hamburg.  Der Tag, an dem sie sich von ihrem Lieblingskleid trennen musste, war der Tag, an dem Charlotte Mautner zur Geschäftsfrau wurde. Sie war elf Jahre alt und langweilte sich während der Sommerferien auf Sylt. So sehr, dass sie ihr Lieblingskleid, das zu klein geworden war, zerriss und aus den gelb-weißen Streifen Armbänder flocht. Mit Erfolg. Was aus einer Laune heraus entstanden ist, hat sich zu einem Geschäft entwickelt. Sylt Bohème heißt die Firma der inzwischen 19-Jährigen.

Langeweile in den Sommerferien muss nicht schlecht sein, sondern kann jede Menge Kreativität freisetzen. Zusammen mit dem französischen Au-Pair saß die damals elfjährige Charlotte in Kampen an der legendären Buhne 16 und verkaufte ein geflochtenes Armband nach dem anderen, fünf Euro kostete das Bändchen damals. „Ich war am Anfang echt nervös, aber die Menschen mochten die Armbänder sofort“, sagt sie. So sehr, dass sie und Au-Pair Cassandre die Ferien im Sommer 2011 damit verbrachten, für Nachschub zu sorgen. Alte Klamotten aus dem eigenen Ferienhaus wurden herausgesucht, in Streifen zerrissen und zu bunten Bändern geflochten.

Das Unternehmen Sylt Bohème ist Familiensache

Die junge Designerin war auf den Geschmack gekommen. So leicht konnte Geldverdienen sein. Außerdem würden noch viele langweilige Sommerferien auf Sylt folgen. „Ich wollte auf jeden Fall weitermachen. Das Geld, das wir verdient haben, haben wir sofort wieder investiert“, sagt Charlotte, der kreative Kopf der kleinen Firma. Sylt Bohème ist Familiensache. Die Produktionsräume liegen im Souterrain ihres Elternhauses in Winterhude. Drei Angestellte arbeiten dort in Teilzeit, in der Hochsaison im Sommer helfen zusätzlich Studenten aus mit Produktion und Versand. Das Design liegt aber in den Händen von Charlotte, die ein wenig verlegen wirkt, wenn sie über ihre Firma redet. Bescheiden ist sie und glücklich: „Ich freue mich, wie sich das alles entwickelt hat über die Jahre. Damit hätte ich nie gerechnet.“

Stillstand gibt es bei ihr ohnehin nicht. Nach dem Abitur im englischen Oxford ging es ein Jahr lang auf Reisen und nun hat sie gerade mit ihrem Kunstgeschichtsstudium in Amsterdam begonnen. Zuhause in Hamburg läuft das Geschäft auch so. Mutter Ingrid kümmert sich um die Buchhaltung: „Charlotte und Zahlen, das schließt sich aus“, sagt sie und lacht. Bei der Namensfindung hatte damals auf Sylt Charlottes 15 Jahre älterer Bruder Julian geholfen: „Die Leute in Kampen laufen ja eher uniformiert herum, in weißer oder roter Hose mit dem Pulli um die Schultern“, sagt Mutter Ingrid. „Wir wollten zeigen, dass es daneben auch Sinn für Bohème-Style gibt.“

Ein Teil der Einnahmen geht an den Küstenschutz

Zu den Armbändern mit Namen wie „Summer in the city“, „Goldfinger“ oder „black flirt“ sind Fußbänder und Handyketten, Strandtaschen, Schlüsselanhänger, Ohrringer sowie Strandtücher hinzugekommen – alles per Hand gefertigt. Die Armbänder können mit einer Münze mit individuellem Aufdruck gekauft werden. Auch das Prägen der Münze ist Familiensache: „Das macht mein Onkel im Sauerland“, sagt Charlotte. Inzwischen ist ihre drei Jahre ältere Schwester Sophie mit ins Geschäft gestiegen. Der Verkauf läuft über das Internet sowie in etlichen Läden unter anderem in Hamburg, auf Mallorca, in Kiel, Stuttgart und natürlich auf Sylt. „Der Internetverkauf war am Anfang mühsam“, sagt Charlotte. Als das ehemalige Au-Pair Cassandre den Internetauftritt überarbeitete, lief es schon besser. Sylt Bohème entwickelt sich Schritt für Schritt ohne professionelle Unterstützung.

Naturschutz ist Charlotte wichtig. „Ich möchte unbedingt, dass Bohème nachhaltig ist“, sagt sie. Daher sind die Strandtücher zu 30 Prozent aus Bambus, die Firma nimmt gern Stoffspenden entgegen, um die Armbänder möglichst aus ausrangierten Stoffen zu flechten. Und ein Teil der Einnahmen geht an den Küstenschutz. Das Batiken der Strandtücher hat sich Charlotte in Youtube-Videos abgeschaut. Sie ist immer noch mit Leidenschaft dabei – wie vor acht Jahren auf Sylt. „Ich bin so froh, dass ich durch Sylt Bohème eine Möglichkeit habe, mich kreativ auszudrücken.“