Hamburg

Spürnase Karik lässt Bettwanzen keine Chance

Bettwanzenspürhunde bei der Arbeit in einem Hotel Bettwanzenspürenhund Karik mit Trainerin Kerstin Prosch. Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

Bettwanzenspürhunde bei der Arbeit in einem Hotel Bettwanzenspürenhund Karik mit Trainerin Kerstin Prosch. Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

Foto: Marcelo Hernandez / MARCELO HERNANDEZ / FUNKE Foto Services

Der zertifizierte Weiße Schäferhund spürt die Blutsauger in Minutenschnelle auf. die Tiere sind in Deutschland auf dem Vormarsch.

Hamburg. Hechelnd läuft Karik um das Bett in einem Hamburger Hotel herum. Plötzlich legt er sich hin. Er hat angeschlagen. Als Belohnung bekommt er ein Leckerli. Karik, der Weiße Schweizer Schäferhund, ist einer von zwei ausgebildeten Bettwanzenspürhunden von Kerstin Prosch. Doch dann gibt sie Entwarnung. Die erschnüffelten Wanzen gehören zu der Testkanüle, mit der Prosch die Hunde auf die Insekten trainiert. „Sie haben einen süßlichen Geruch“, sagt sie. Dieser wird von den Hunden gerochen.

Dass Bettwanzen in Deutschland auf dem Vormarsch sind, erklärt Prosch wie folgt: „Die Deutschen sind reiselustig, andere auch. Dadurch nimmt der Befall von Wanzen in Hotels, Jugendherbergen und in privaten Koffern zu.“ Denn in Hotels und Jugendherbergen schleppen Touristen aus aller Welt Bettwanzen ein.

Seit diesem Jahr ist die gebürtige Niedersächsin mit ihren Hunden Karik und Sydney ausgebildete Bettwanzenaufspürerin. In ganz Norddeutschland ist sie bisher unterwegs. „Es war Zeit für eine neue Herausforderung“, sagt Prosch. Die Idee, Bettwanzen aufzuspüren, kam eher zufällig. „Ich wollte einen Job machen, bei dem ich mit meinen Hunden zusammenarbeiten konnte. Und dann hat Google die Bettwanzenspürhunde ausgespuckt. Das fand ich sehr spannend, da ich es vorher auch noch nie gehört habe“, erzählt sie.

Die Prüfungen müssen jährlich wiederholt werden

So ist der Entschluss gereift. Da es in Deutschland nur sehr wenige Ausbildungsorte gibt, pendelte Prosch im vergangenen Jahr häufig zwischen Hamburg und Hessen hin und her. In diesem Jahr hat sie mit ihren Hunden dann die Prüfung erfolgreich bestanden. Von der Bed Bug Foundation, einer Non-Profit-Organisation, sind ihre Hunde zertifiziert worden. „Vierteljährlich muss ich mit den Hunden zu einem zertifizierten Trainer, jährlich muss ich die Prüfungen neu ablegen“, schildert die Hundebesitzerin. Denn es gilt tote Bettwanzen von lebendigen zu unterscheiden.

„Wenn die Hunde bei toten Wanzen anschlagen, fallen sie durch die Prüfung“, erklärt Prosch. Die Bed Bug Foundation hat sich als Ziel gesetzt, auf die Problematik der Bettwanzen in Deutschland hinzuweisen. Dass Bettwanzen ein Tabuthema in Deutschland sind, erzählt Matthias Schmidt, Geschäftsführer des Schädlingsbekämpfungsunternehmens Supella und gleichzeitig Kooperationspartner von Kerstin Prosch: „In Amerika ist es ein Qualitätsmerkmal, wenn Schädlingsbekämpfer in die Hotels gehen und Präsenz zeigen. In Deutschland darf ich noch nicht mal Werbung auf meinem Auto anbringen, sonst werde ich gar nicht in die Hotels gelassen“, schildert der Unternehmer.

Ein kurzer Gang um die Möbel reicht

Dass Hamburg ein gutes Pflaster für Bettwanzen ist, liegt zum großen Teil am Tourismus. „Es ist keine Hygienegeschichte. Wo viel Klientel und häufiger Bettenwechsel ist, sind auch Bettwanzen nicht weit. Egal, ob es ein Fünf-Sterne-Hotel ist oder die Jugendherberge“, sagt Schmidt.

Die Kooperation ist für beide von Vorteil. Die Hunde von Kerstin Prosch spüren die Wanzen in Minutenschnelle auf. Dabei muss nichts verschoben oder angehoben werden. Ein kurzer Gang um die Möbel und an den klassischen Verstecken der Blutsauger reicht, um die Wanzen aufzuspüren. Anschließend kann Matthias Schmidt die Bekämpfung gezielter und effektiver durchführen. Wichtig sei, so Schmidt, die Bettwanzen frühzeitig zu erkennen. Diese kann man anhand von verschiedenen Befallsmerkmalen erkennen.

Kotpunkte an Steckdosen, Lampen oder Wandleisten sind erste Hinweise

Kotpunkte an Steckdosen, Lampen oder Wandleisten seien erste Hinweise, so der Fachmann. Die Bekämpfung sollte nur von erfahrenen Schädlingsbekämpfern durchgeführt werden. „Eigenmittel verstärken oftmals das Problem, da sie falsch angewendet werden“, so Schmidt. Sein Ziel ist es, Bettwanzen mit möglichst geringem Einsatz von Gift zu bekämpfen. Das beste Mittel ist die Thermobehandlung. Dabei wird der Raum bis auf 60 Grad Celsius erhitzt. Denn ab 50 Grad Celsius gerinnt das Eiweiß in den Insekten, und sie sterben. Erst wenn ein Zimmer oder sogar ein ganzes Haus nicht mehr zu retten ist, kommt der Einsatz von Insektiziden zum Tragen.

Allerdings helfen viele Mittel nicht mehr, da die Wanzen bereits Resistenzen dagegen gebildet haben. Eine regelmäßige Kontrolle im Anschluss ist besonders wichtig, um einen erneuten Befall frühzeitig zu erkennen. Mit ihren Hunden trainiert Prosch regelmäßig. Bis zu 20 Minuten können die Tiere am Stück arbeiten, ehe sie eine Pause brauchen. Für die Zukunft ist sie bestens gerüstet. „Sydney und Karik sind engagiert, sehr lernwillig und lernen schnell“, so Prosch.

Wer selber einen Bettwanzenbefall hat findet weitere Information unter: https://supella.de/leis tung/bettwanzen-bekaempfen/, http://schaedlings bekaempfung-hamburg.de/bettwanzen-hamburg/, http://wanzenspuerhunde.de/