Blaue, gelbe, rote Tonne

Was Hamburger bei der Mülltrennung falsch machen

Was gehört in welche Tonne? Die Frage ist oft gar nicht so einfach zu beantworten, wie es scheint.

Was gehört in welche Tonne? Die Frage ist oft gar nicht so einfach zu beantworten, wie es scheint.

Foto: Marcelo Hernandez

Wohin mit alter Farbe, blauem Glas und Batterien? Darf Bioplastik in die Biotonne? Die 20 wichtigsten Tipps rund ums Thema Abfall.

Hamburg.  Die Hamburger sind gut im Mülltrennen. In den vergangenen Jahren landete immer weniger Abfall in den schwarzen Restmülltonnen und dafür mehr in den Bio-, Papier- und Wertstofftonnen. Dennoch: Mehr als die Hälfte des Inhaltes einer schwarzen Tonne ist kein Restmüll. Pro Jahr entsorgt hier jeder Hamburger im Durchschnitt auch 76 Kilo organische Abfälle, 22 Kilo Altpapier und 21 Kilo verpackte Lebensmittel.

Die Gesamtrecyclingquote der Hamburger Stadtreinigung (SRH) lag im vergangenen Jahr bei 58 Prozent. Bis 2030, so will es Bürgermeister Peter Tschentscher, soll die Quote auf 65 Prozent steigen. Das wäre auch im Interesse der Umwelt, die insbesondere unter dem weltweit steigenden Aufkommen von Plastikmüll leidet. Jährlich landen schätzungsweise acht Millionen Tonnen davon in den Weltmeeren.

Zwar haben Forscher des Helmhotz-Zentrums herausgefunden, dass etwa zehn Prozent des Mülls in den Ozeanen aus Schifffahrt und Fischerei stammen, und der Rest aus Flüssen in Asien und Afrika (also aus Ländern, in denen Müll nicht recycelt wird). Doch auch bei uns weht Plastikmüll in Alster und Elbe, haben Fische und Vögel Kunststoffteile im Magen. Richtige Müllentsorgung ist wichtig. Nicht nur bei Plastik. Denn durch achtloses Wegschmeißen gehen wichtige Rohstoffe verloren. Das Abendblatt hat die wichtigesten Tipps zusammengestellt.

1. Müll am Besten gar nicht erst produzieren. „Noch besser, als Müll zu trennen, ist, ihn zu vermeiden“, sagt Reinhard Fiedler, Sprecher der Stadtreinigung Hamburg (SRH). „Denn für die stoffliche Verwertung, das Recycling, wird viel Energie verbraucht. Außerdem werden dadurch viele Transportfahrten notwendig, was wiederum schlecht für das Klima ist.“

2. Kein sogenanntes Bioplastik in die Biotonne. In den Biomüll dürfen nur Papiertüten (gibt es für Biotonnen-Besitzer gratis bei der Stadtreinigung). Bioplastik dagegen gehört ausschließlich in die Restmülltonne, Der Grund: Angeblich kompostierbare Bioplastiktüten aus Maisstärke oder Zuckerrohr zersetzen sich zu langsam und behindern so den Kompostiervorgang in den Anlagen der Stadtreinigung. Herkömmliches Plastik gehört auf gar keinen Fall in die Biotonne. Es muss umständlich heraussortiert werden und landet im Zweifelsfall als Mikroplastik auf den Feldern und in unserer Nahrungskette.

3. Gekochte Speisereste sind im Bioabfall willkommen. Meistens werden die grünen Tonnen nur für Garten-, Obst- und Gemüseabfälle benutzt. Doch es dürfen ausdrücklich auch gekochte Essensreste rein. Daraus kann besonders viel klimafreundliches Biogas gewonnen werden, weil die Reste den gasbildenden Bakterien als „Kraftfutter“ dienen. Die Entsorgung der Speisereste in der Toilette sei die deutlich schlechtere Alternative, so Fiedler. Diese dienten in der Kanalisation dann Ratten als Nahrung.

4. Legosteine und Kochtöpfe können in die gelbe Tonne. In Hamburg ist es erlaubt, in Wertstofftonne oder gelbem Sack auch sogenannte stoffgleiche Nichtverpackungen zu entsorgen. Diese bestehen überwiegend aus Plastik oder Metall, sind aber keine Verpackungen. Wischeimer, Kleiderbügel aus Plastik, Backbleche oder Schraubenschlüssel dürfen also in den Gelbmüll. Aber keine Elektrogeräte!

5. Elektrogeräte dürfen in keine Mülltonne. Nicht einmal kleine Elektrogeräte wie Uhren, Föhne, Rasierapparate, elektrische Zahnbürsten und Handys dürfen in Mülltonnen entsorgt werden. „Das ist klar verboten“, warnt Fiedler. Kleingeräte können in den grünen Sammelcontainern für Elektro-Geräte (stehen neben den Papiercontainern) oder auf allen Recyclinghöfen kostenlos entsorgt werden. Die Stadtreinigung gibt den Elektro-Schott an verschiedene Spezialunternehmen, wo die Geräte in ihre Einzelteile (Glas, Plastik, Metalle) zerlegt und der Weiterverwendung zugeführt werden. Laut Verband Bitkom sollen 124 Millionen Handys ungenutzt in Deutschlands Schubladen herumliegen. Weil sie seltene Erden und kritische Metalle enthalten, sollten sie in den Elektro-Schrott.

6. Batterien niemals in der Mülltonne entsorgen. Batterien und Akkus sind laut Kreislaufwirtschaftsgesetz gefährlich Abfälle und dürfen nicht in den Müll. Sie enthalten Wertstoffe, die recycelt werden können (darunter Zink, Eisen, Aluminium, Lithium und Silber), aber auch gesundheits- und umweltgefährdende Stoffe wie Quecksilber, Cadmium und Blei. Leere Batterien kann man in Discountern, Drogerie- und Baumärkten, aber auch an Recyclingstellen abgegeben werden.

7. Lieber Akkus verwenden als Batterien. Da Batterien bei der Herstellung bis zu 500-mal mehr Energie benötigen als sie später abgeben, sollten sie nur dann eingesetzt werden, wenn keine Alternativen vorhanden sind. Akkus können mehrmals aufgeladen werden und haben dadurch eine bessere Klimabilanz.

8. Verpackungen aus mehreren Materialien in Einzelteile zerlegen. Vor dem Entsorgen sollten Verpackungen, wenn möglich, auseinander genommen werden. Eine Joghurtbecher besteht beispielsweise aus Plastik mit Aluminiumdeckel und Pappmanschette. Becher und Deckel gehören in die gelbe Wertstofftonne, die Manschette ins Altpapier.

9. Auf dunkle und schwer recycelbare Verpackungen verzichten. Dunkle Verpackungen wie Plastikblumentöpfe, Beutel für Tütensuppen oder Schalen für abgepacktes Fleisch und Gemüse werden von den Sensoren der Recyclinganlagen nicht erkannt und aussortiert. Sie gehen also als Rohstoffe verloren. Ebenso wenig können Verpackungen aus mehreren Materialien, die – anders als bei Joghurtbechern – vom Verbraucher nicht getrennt werden, wiederverwertet werden. Dazu gehören Tetrapacks oder Folien bei Frischwaren. Unter www.stadtreinigung.hamburg/einkaufsguide/#16 ist ein entsprechender Einkaufsratgeber abrufbar.

10. Die Zero Waste Map nutzen. Diese neue App der SRH ist im kostenlos im App-Store erhältlich. Sie erklärt, wie man verpackungsarm einkaufen kann und welche Verpackungen gut recycelbar sind. So lässt sich jeden Tag ein bisschen Müll vermeiden. Informationen und Download unter www.stadtreinigung.hamburg/privatkunden/app/index.html.

11. Mehrweg-Pfandflaschen von lokalen Abfüllern bevorzugen. Das vermeidet unnötige Transportfahrten Besonders Mehrweg-Flaschen aus Glas können 50 Mal und häufiger befüllt werden. Plastikflaschen werden dagegen selten als Mehrweg-Flaschen eingesetzt. „Am umweltfreundlichsten ist es, das Hamburger Leitungswasser zu trinken;“ so Fiedler.

Mal ehrlich: Sind Sie bei der Mülltrennung konsequent?

12. Glas als Alternative zu Plastikverpackungen nutzen. Viele Milchprodukte und Getränke werden in Gläser und Flaschen abgefüllt. Sind sie dem Pfandsystem angeschlossen, ist das besonders umweltfreundlich. Reinhard Fiedler rät, den Schraubverschluss drauf zu lassen. „Das schont das Gewinde“. Auch von Flaschen, die im Altglascontainer landen, muss der Deckel vorher nicht abgeschraubt werden. „Das erledigen Maschinen, die Deckel werden dann recycelt.“

13. Kaffee nicht mit Kapseln zubereiten. Kaffeekapseln aus Aluminium oder Kunststoff zu verwenden, mag bequem sein, erzeugt aber unnötigen Abfall, der häufig im Restmüll landet. Filtermaschinen, French Press oder Espressokocher kommen ohne Plastik aus – und der Kaffee schmeckt mindestens genauso gut.

14. Öffentliche Verkehrsmittel nutzen für weniger Mikroplastik. Reifenabrieb ist laut Stadtreinigung mit 1,2 Kilo pro Kopf und Jahr eine der größten Quellen von Mikroplastik in Deutschland. Bei Regen gelangen die Partikel in Kanalisation und Gewässer. Die Stadtreinigung kann durch ihre Kehrmaschinen viel von dem Abrieb aufnehmen, sagt aber trotzdem: „Wer öffentliche Verkehrsmittel nutzt, trägt dazu bei, dass gar nicht erst so viel Mikroplastik entsteht.“

15. Auf „richtige“ ökologisches Handeln achten. Kauft man kompostierbare Biomülltüten oder Coffee-to-go-Becher mit kompostierbaren Deckeln, Luftballons aus Naturlatex oder Geschirr aus Bambusfasern oder Kaffeesatz, dann hofft man, ökologisch bewusst gehandelt zu haben. Doch Biomülltüten aus Maisstärke haben sogar eine schlechtere Klimabilanz als herkömmliche Tüten, und in Bambusgeschirr sind künstliche Bindemittel und andere Zusätze enthalten, die ein Recycling unmöglich machen – und sogar schädlich für die Nutzer sein können.

16. Auf Plastiktüten verzichten. Plastiktüten bestehen aus Erdöl, werden unter hohem Energieeinsatz produziert und landen meist nach nur einmaliger Nutzung im Müll. Plastikfrei und damit die bessere Wahl sind Stofftaschen, Rucksäcke oder Einkaufskörbe. Weil auch Papiertüten keine gute Klimabilanz haben, sollten sie häufiger als ein Mal verwenden.

17. Medikamente nicht in der Toilette entsorgen. Zur Entsorgung von abgelaufenen oder nicht mehr benötigten Medikamenten gibt es in Deutschland keine einheitliche Regelung. Sie können in der Restmülltonne entsorgt werden – so, dass Kinder nicht ran kommen. Auch Apotheken nehmen Tabletten und Fläschchen oft zurück.

18. Energiesparlampen dürfen nicht in den Hausmüll. Alle Leuchtmittel außer der „normalen“, alten Glühbirne gelten als Elektrogeräte und müssen an Recyclinghöfen oder Umweltbussen abgegeben werden. Eine Glühbirne mit Glühfaden darf dagegen im Restmüll entsorgt werden.

19. Farbreste und Pinsel richtig entsorgen. Wohin nach dem Anstreichen mit Farbeimern und -dosen? Befindet sich eingetrocknete Farbe in Dose oder Eimer, sollte dieser im Restmüll entsorgt werden. Ist die Farbe noch flüssig, müssen die Behältnisse im Umweltbus oder auf Recyclinghöfen abgegeben werden. Sind die Behältnisse vollständig geleert, können sie in die gelbe Tonne.

20. Blaues Glas gehört in den Grünglascontainer. Schon wenige Farbflaschen im Weißglas können verhindern, dass das Altglas erneut für transparente Gefäße verwendet werden kann. Denn tatsächlich rügt der Eindruck, dass bei Entleeren der Container durch die Sammelfahrzeuge alles zusammengekippt wird. „Jeder Wagen hat drei verschiedene Kammern“, sagt Reinhard Fiedler. Dort gehörten aber nur Verkaufsverpackungen hinein. Fenster- oder Autoscheiben, Spiegel, Vasen und Trinkgläser müssten in den Restmüll.