Nach Drama von Frankfurt

Durchsage zu "muslimischen Anschlägen" am Bahnhof Altona

Am Bahnhof Altona wurden Fahrgäste vor Anschlägen gewarnt (Symbolbild).

Am Bahnhof Altona wurden Fahrgäste vor Anschlägen gewarnt (Symbolbild).

Foto: picture alliance / dpa

Unbekannter gibt "deutschen Fahrgästen" Verhaltenstipps per Megafon. Hintergrund ist der Tod des Jungen im Hauptbahnhof Frankfurt.

Hamburg. Diese Worte haben auf viele Bahnreisende befremdlich gewirkt: Per Durchsage sind am Dienstag gegen 13 Uhr alle "deutschen Fahrgäste" am Bahnhof Altona aufgefordert worden, hinter die Sicherheitslinie zu treten und sicherheitshalber zur Mitte des Bahnsteigs zu gehen. Zudem hieß es, dass Kinder an die Hand zu nehmen seien. Reisenden wurde sinngemäß geraten: "Gehen Sie weiter, wenn eine Person neben Ihnen steht, die nicht geheuer erscheint, damit weitere muslimische Anschläge vermieden werden."

Die Deutsche Bahn bestätigte diesen Vorfall gegenüber dem Abendblatt. "Die Durchsagen am S-Bahnsteig in Altona stammten von einer Privatperson, die mit einem Megafon den Eindruck einer offiziellen Ansage vermitteln wollte", sagt eine Sprecherin. Wer der Unbekannte war, der diese Ansage gemacht hat, sei unklar. Fahrgäste informierten per Notrufsäule den Sicherheitsdienst der Bahn über den Vorfall. Als die Mitarbeiter den Bahnhof absuchten, sei der Mann bereits verschwunden.

Bundespolizei hat die Ermittlungen übernommen

"Die von Zeugen wiedergegebenen rassistischen Botschaften der Durchsage werden von der DB auf das Schärfste verurteilt", sagt die Bahnsprecherin und fügt hinzu: "Die Deutsche Bahn steht für gesellschaftliche Vielfalt, Toleranz und gegenseitigen Respekt. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit widersprechen unseren Unternehmenswerten."

Die weiteren Ermittlungen in diesem Fall hat die Bundespolizei übernommen. Die Beamten versuchen nun per Videoauswertung und Zeugenaussagen, die Identität des Mannes zu klären. "Derzeit ermitteln wir wegen einer Ordnungswidrigkeit", sagt ein Sprecher der Bundespolizei. Der Vorwurf: Belästigung der Allgemeinheit (§118 OWiG).

Hintergrund dieser Aktion dürfte der Tod eines acht Jahre alten Jungen im Frankfurter Hauptbahnhof sein. Ein 40 Jahre alter Eritreer soll eine Frau und ihren Sohn vor einen einfahrenden ICE gestoßen haben. Das Kind wurde von dem Zug überollt und starb. Die Mutter konnte sich auf einen schmalen Gehweg zwischen den Gleisen retten. Täter und Opfer kannten sich nach Polizeierkenntnissen nicht.