Wohnraum

Wie Dating-Plattform: So hilft Hamburg Baugemeinschaften

Ein urbanes Quartier ist auf dem ehemaligen Krankenhausgelände in Eilbek entstanden. Neun Baugemeinschaften haben in 143 Wohnungen auf dem Friedrichsberg ihre neue Heimat gefunden.

Ein urbanes Quartier ist auf dem ehemaligen Krankenhausgelände in Eilbek entstanden. Neun Baugemeinschaften haben in 143 Wohnungen auf dem Friedrichsberg ihre neue Heimat gefunden.

Foto: Franziska Duge

Online-Kontaktbörse soll Interessenten zusammenbringen. In Oberbillwerder und Wilhelmsburg noch freie Grundstücke.

Hamburg.  Mit einer Online-Kontaktbörse und einem Speeddating-Format geht die Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen ungewöhnliche Wege, um Menschen für gemeinschaftliches Bauen zu begeistern.

Dabei liegt der Fokus auf Entwicklungsquartieren in weniger zentralen Wohnlagen wie dem geplanten neuen Stadtteil Oberbillwerder oder Neugraben-Fischbek. Ein Instrument der Baugemeinschaftsoffensive ist die Online-Kontaktbörse (unter www.hamburg.de/baugemeinschaften/kontaktboerse-fuer-baugemeinschaften), die kürzlich online gegangen ist und im Grunde wie eine Dating-Plattform funktioniert. Hier können sich Interessierte und Baugemeinschaften vernetzen und ihre Angebote und Gesuche erstellen und auf einer Karte den Ort des Projektes markieren.

Können Sie sich vorstellen, mit einer Baugemeinschaft ein Wohnhaus zu errichten?

 

Rund 30 Einträge von Gruppen und Einzelinteressenten wurden bereits verfasst. Da ist zum Beispiel eine generationsübergreifende Baugemeinschaftsgruppe in Stellingen, die einen Bewohner für eine Erdgeschosswohnung sucht oder eine Künstlergruppe aus der HafenCity, die bei ihrem Bauprojekt noch Bedarf an Mitstreitern hat.

Zahlreiche Veranstaltungen sind geplant

Begleitet wird die Online-Kontaktbörse von einer Veranstaltungsreihe, die ebenfalls als Kennenlern-Plattform dient. Diese finden an jedem vierten Dienstag im Monat an verschiedenen Orten der Stadt und zum Teil auch in den neuen Quartieren statt. „Auf den Veranstaltungen gibt es immer ein Kurzinterview mit einem Experten zu einem Schwerpunktthema und im Anschluss ein Speed­dating, bei dem sich die Teilnehmer kennenlernen können“, sagt Judith Böttcher von der Stadtentwicklungsbehörde. „Die Idee ist, dass das Angebot niedrigschwellig auch die Menschen erreicht, die noch keine Vorkenntnisse im Bereich Baugemeinschaften haben.

Ebenso sollen sich die Menschen angesprochen fühlen, die schon lange Lust auf gemeinschaftliches Wohnen haben, aber denen das private Netzwerk für die Umsetzung ihrer Idee fehlt.“ Und so geht es auf den Veranstaltungen zwar auch um vermeintlich sperrige Themen wie Rechtsformen von Baugemeinschaften und Förderregularien, aber in einem vergleichsweise lockeren Rahmen: „Die Fragen an die Experten etwa können die Teilnehmer auf Bierdeckel schreiben, was etwas an die TV-Show ,Inas Nacht‘ angelehnt ist“, so Böttcher. Die ersten Veranstaltungen seien bereits gut angenommen worden, erste Gruppen hätten sich bereits gefunden, die sich nun auf die städtischen Grundstücke bewerben können.Hamburg gilt als Hochburg der Baugemeinschaften: Rund 120 fertiggestellte Projekte gibt es bisher in der Hansestadt.

Weg zum eigenen Haus ist oft steinig

„Die Vorteile des gemeinschaftlichen Bauens sind zum Beispiel, dass man sich seine zukünftigen Nachbarn selber aussuchen kann“, sagt Angela Hansen von der Agentur für Baugemeinschaften, die an die Stadtentwicklungsbehörde angegliedert ist. „Außerdem kann man durch die städtischen Förderungen zu vergleichsweise niedrigen Preisen wohnen.“ Und auch aus politischer Sicht seien Baugemeinschaften von großer Bedeutung. „Für die Stadt ist wichtig, dass die neuen Entwicklungsquartiere auch von Menschen bezogen werden, die ein Interesse haben mitzugestalten und sich sozial zu engagieren“, so Hansen weiter.

Derzeit stünden besonders die Entwicklungsgebiete in Oberbillwerder und Wilhelmsburg im Fokus, bei denen bis zu ein Fünftel der Flächen für Baugemeinschaften reserviert ist. Trotz aller Vorteile des gemeinschaftlichen Bauens sei der Weg zum eigenen Haus allerdings oft steinig. „Aus der Erfahrung wissen wir, dass einige doch abspringen, wenn es ernst wird.“ Auch Streitigkeiten unter den Mitgliedern seien keine Seltenheit. „Aus der Erfahrung heraus können wir auf den Veranstaltungen auch viele Tipps mitgeben, wie sich Unstimmigkeiten vermeiden lassen. Außerdem ist es wichtig, dass alle Baugemeinschaften nach der Gründung von Baubetreuern und Architekten betreut werden.“

„Mit einer Gruppe zu bauen ist ein Abenteuer“

Die nächste Veranstaltung findet am 27. August von 18 bis 20 Uhr in der Kulturetage Altona (Große Bergstraße 160) statt. Das Schwerpunktthema ist Finanzierung und Förderung. „Das ist ein Kernthema für viele Baugemeinschaften“, so Hansen weiter. „Denn die Regularien für gemeinschaftliches Bauen sind relativ komplex und sehen unter anderem vor, dass bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschritten werden, wobei gleichzeitig ein relativ hohes Eigenkapital von kleingenossenschaftlichen Baugemeinschaften vorausgesetzt wird. Aber auch hier gibt es Möglichkeiten der Förderung, über die wir ebenfalls informieren.“ Klar sei aber: „Mit einer Gruppe zu bauen ist ein Abenteuer. Aber eines, das viel Spaß machen kann, wenn man es richtig angeht.“