Schumachers Woche

Kevin & Gesine – die deutschen Macrons

Abendblatt-Kolumnist Hajo Schumacher

Abendblatt-Kolumnist Hajo Schumacher

Foto: Reto Klar

Die Zweierbeziehung gehörte vom Start weg zu den gesegneten Lebensmodellen. Ohne die Schlange wären Adam und Eva heute noch zusammen. Das Duo ist für Mensch und Tier die ideale Lebensform: Winnetou und Old Shatterhand, Tim und Struppi, Kermit und Miss Piggy. Wichtig ist der Kontrast: Asterix ist schlau, Obelix ist stark, Bibi kann zaubern, Tina kann reiten, Robert sieht gut aus, Annalena kann sich durchsetzen.

Verschiedene Talente und Charaktere fügen sich idealerweise zum größeren Gemeinsamen. Dabei sollte die Machtfrage geklärt sein, so war es bei Willy Brandt und Horst Ehmke, so ist es bei Angela Merkel und Beate Baumann. Zweifel an der Hierarchie sorgen für öffentliches Raunen, wie das Duett von Kanzlerin mit AKK beweist.

Was lernt nun die SPD aus diesen paartherapeutischen Überlegungen? Dass eine Troika nicht funktioniert, wissen die Genossen seit dem 1994 legendär gescheiterten Dreier, als Scharping Kanzler werden wollte, Schröder auch und Lafontaine sowieso. Nur mal am Rande: Trotz des gegenseitigen Dauerausbremsens holte Scharping 36,4 Prozent, also netto. Was bei Heidi Klum, Madonna und den Macrons funktioniert, kann für die SPD nicht schlecht sein: die diverse Doppelspitze. Weil Frauen im Alter attraktiver werden und von Natur aus bessere Anführerinnen sind, hat sich Gesine Schwan selbstverständlich schon mal ans Lenkrad gesetzt. Und die Machtfrage ist auch geklärt. Daneben Kevin Kühnert, der dieses süße Unbedarft-Heldenhafte repräsentiert, das wir an Boris Becker und Mario Götze so mochten. Sie kennt den Osten und den öffentlichen Dienst, er kann Internet und Berlin. Kaum abgelenkt von lästiger Erwerbsarbeit, können beide ab sofort freitags demonstrieren. Die CDU ist alarmiert: Rita Süssmuth und Philipp Amthor sollten sich warmlaufen.