Haspa-Überfälle

70-jähriger Haspa-Räuber wegen versuchten Mordes angeklagt

Michael J. (roter Kreis) führte als Häftling 1990 eine Gefängnisrevolte in Santa Fu an. Am 12. Januar 2017 soll der heute 70-Jährige an der Holstenstraße bei einem Haspa-Überfall einen Bankangestellten niedergeschossen haben (kl. Foto).

Michael J. (roter Kreis) führte als Häftling 1990 eine Gefängnisrevolte in Santa Fu an. Am 12. Januar 2017 soll der heute 70-Jährige an der Holstenstraße bei einem Haspa-Überfall einen Bankangestellten niedergeschossen haben (kl. Foto).

Foto: André Zand-Vakili / Haspa

Serien-Bankräuber Michael J. steht ab heute vor Gericht. Er soll einem Haspa-Mitarbeiter in den Bauch geschossen haben.

Hamburg.  Er ist der berüchtigte "Donnerstagsräuber", dem mehrere bewaffnete Überfälle auf Haspa-Filialen zur Last gelegt werden und der im Januar 2017 einem Mitarbeiter in Altona durch einen Schuss in den Bauch schwer verletzt haben soll: Ab dem heutigen Freitag steht der 70 Jahre alte Michael J., der von Star-Anwalt Gerhard Strate vertreten wird, vor Gericht.

Michael J. muss sich vor dem Schwurgericht dann wegen drei Überfällen auf Sparkassen verantworten. Die Staatsanwaltschaft Hamburg wirft dem Senioren schwere räuberische Erpressung, versuchten Mord und Verstoß gegen das Waffengesetz vor. Bereits am 29. Dezember 2011 soll Michael J. nachmittags maskiert und mit einer Pistole bewaffnet die Haspa-Filiale am Neuen Steinweg (Neustadt) betreten und Geld gefordert haben. Anschließend flüchtete er auf einem Fahrrad – seine Beute betrug laut Staatsanwaltschaft 14.800 Euro.

Aus kurzer Distanz in den Bauch geschossen

Auch für einen äußerst brutalen Banküberfall aus dem Jahr 2017 soll Michael J. verantwortlich sein. Damals soll der Rentner die Haspa-Filiale an der Holstenstraße in Altona überfallen haben. Er hatte an einem Schalter unter vorgehaltener Schusswaffe Bargeld gefordert. Obwohl er das Geld bekam, schoss der Täter einem 45-jährigen Haspa-Mitarbeiter ohne erkennbaren Grund aus kurzer Distanz in den Bauch. Der Bankangestellte konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden. Michael J. erbeutete 4888 Euro.

Haspa-Überfall am 12. Januar 2017

Schon damals war von der Kaltblütigkeit des Täters die Rede, die den Verdacht nährte, dass er ein Profi ist. So ging er bei dem Überfall kühl und berechnend vor und flüchtete auch ohne jede Hektik mit einem Fahrrad in Richtung des Bahnhofs Holstenstraße. Pikant: Am Tag des Haspa-Überfalls an der Holstenstraße wurde in der Elbphilharmonie die Eröffnung des Kleinen Saals gefeiert. Unter den Gästen war damals auch Haspa-Chef Harald Vogelsang. Dieser verließ die Feierlichkeiten jedoch vorzeitig, als er den Anruf erhielt, dass einer seiner Angestellten bei einem Überfall angeschossen und lebensgefährlich verletzt wurde.

Michael J. war bereits 13 Jahren in Haft

Gefasst wurde der 70-Jährige Anfang des Jahres, nachdem er am 10. Januar maskiert und mit einer durchgeladenen Pistole die Haspa-Filiale in der Langen Reihe (St. Georg) überfallen hatte. "Er forderte die Herausgabe von 5550 Euro", teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit. Auch bei diesem Banküberfall versuchte Michael J. auf einem Fahrrad mit seiner Beute zu flüchten. Doch dieses Mal ging sein Plan nicht auf: Der 70-Jährige wurde unmittelbar vor dem Haspa-Gebäude von Polizeibeamten festgenommen. Damals ahnte jedoch noch niemand, dass es sich bei dem Festgenommenen um den Serientäter Michael J. handeln sollte.

Überfall auf Haspa in St. Georg

Michael J. hatte schon in den 1980er-Jahren sieben Überfälle begangen – vornehmlich in Hamburg, aber auch in Hannover und Ulm. Alle Taten verübte er an einem Donnerstag. Für die sieben Überfälle war er zu 13 Jahren Haft verurteilt worden, die er in der berüchtigten Hamburger Haftanstalt "Santa Fu" absaß. Dort war er 1990 einer der führenden Köpfe einer viertägigen Gefangenenrevolte. Diese war ausgelöst worden, weil Michael J. keinen Fernseher in seiner Zelle hatte. Der war ihm weggenommen worden, nachdem er sich geweigert hatte, in der Haft zu arbeiten.