Glosse

Die Würstchen des Herrn Nachbarn

Der Autor ist Sportreporter beim Abendblatt

Der Autor ist Sportreporter beim Abendblatt

Foto: Klaus Bodig

In Hamburg ist das Brutzeln auf Balkonen verboten. Trotzdem stinkt es manchem. Kommt jetzt die Soko „Grillposer“?

Nur damit wir uns nicht missverstehen: Grillen ist nicht gleich grillen. Es ist ein Unterschied, ob jemand seine Würstchen auf den elektrisch betriebenen Rost aus dem Baumarkt legt und hofft, dass sie nicht platzen. Oder ob einer nach der erfolgreichen Absolvierung von – mindestens – drei Fortgeschrittenen-Kursen auf einem 1000-Euro-Hightech-Gerät Vanilleeis im Schlafrock oder Trüffelschweinhälften aus dem Teutoburger Wald grillt.

Doch, das gibt es. Monsterteile, mit denen nicht nur Essen zubereitet wird, sondern auch geprotzt. Alles können diese Geräte, nur die serienmäßige Steakvergoldung klappt noch nicht. Bei Kraftfahrzeugen schreitet inzwischen in Hamburg die Soko „Autoposer“ gegen zu aufdringliches Zeigen und Vorführen seiner kostspieligen und lärmenden Tuningteile ein. Eine Soko „Grillposer“ aber gibt es noch nicht.

Das Land mit dem "Willen zum Grillen"

Das erstaunt in einem Land, in dem der „Willen zum Grillen“ ein schon legendärer Slogan geworden ist. Und in dem der Gebrauch von Grillgeräten bereits diverse Gerichte beschäftigt hat. So ist in Hamburg das Grillen mit Holzkohle auf Balkonen untersagt, auf einer Terrasse aber ist es möglich. Aber nicht ununterbrochen. In Bonn darf nur einmal im Monat der Grill angeschmissen werden, in Berlin nicht länger als zwei Stunden und nicht nach 21 Uhr. Ohne jede Ruhestörung bitte.

Ein Problem sind tatsächlich die lieben Nachbarn und deren Bedürfnis nach Ungestörtheit. Dabei ist es egal, ob einer mit Holzkohle, Gas oder Strom die Speisen bereitet, ob er ein Billiggerät oder High End bedient, am Ende gilt eben viel zu oft wie bei Autoposern: Es stinkt zum Himmel, und es lärmt. Die Soko „Grillposer“ wird also kommen.