Spielmacher Konferenz 2019

Zwillingsbrüder wollen Hamburg zur Fußball-Hauptstadt machen

Fußball ist in ihrer DNA verwurzelt: Die Zwillingsbrüder Christopher (links) und Sebastian Lemm gründeten die Spielmacher.

Fußball ist in ihrer DNA verwurzelt: Die Zwillingsbrüder Christopher (links) und Sebastian Lemm gründeten die Spielmacher.

Foto: Thorsten Ahlf / THORSTEN AHLF / FUNKE FOTO SERVICES

Christopher und Sebastian Lemm holen führende Köpfe des Sportbusiness an die Elbe. Auch Oliver Kahn kommt zur Spielmacher Konferenz.

Hamburg.  Die Hektik steigt am Montagnachmittag. Christopher und Sebastian Lemm müssen noch ein „Problem fixen“. Die Bühne im Cruise Center HafenCity am Strandkai wird gerade aufgebaut. Dabei kommt es zu ein paar Schwierigkeiten. Doch schon nach wenigen Minuten ist das Problem behoben. Der Aufbau läuft nach Plan. Und die Zwillingsbrüder blicken zufrieden in die Veranstaltungshalle. Am Mittwoch findet hier die Spielmacher Konferenz 2019 statt. Es ist das große Event eines kleinen Hamburger Start-ups. Und die Brüder Lemm sind die Gründer.

Bereits zum dritten Mal laden die Zwillinge an die Elbe und begrüßen Gäste aus Hamburg, Deutschland, Europa und den USA, um über die Zukunft des Fußballgeschäfts zu sprechen. Die Teilnehmerzahl wächst von Jahr zu Jahr – und gleichzeitig die Anspannung der Lemms von Tag zu Tag. 1300 Namen stehen in diesem Jahr auf der Liste. „Es kommen führende Köpfe aus der Branche. Da spüren wir schon eine Verantwortung. Wir wollen einfach ein geiles Event abliefern“, sagt Christopher.

Oliver Kahn ist einer der Speaker

Bereits am Dienstagabend geht es los auf der MS Bleichen mit dem Businessdinner der Speaker. So nennen die 28-Jährigen ihre Gäste, die am Mittwoch im Cruise Center Vorträge halten werden. Der namhafteste Gast ist der frühere Nationaltorhüter Oliver Kahn, der künftig als Vorstandschef den FC Bayern München in die Zukunft führen soll.

Aber auch die weitere Auswahl der Speaker macht deutlich, dass in Hamburg die großen Zukunftsthemen des Fußball-Geschäfts besprochen werden. So lassen die Lemm-Brüder etwa den US-Amerikaner Rich Orosco vom Los Angeles Football Club einfliegen. Orosco soll aufzeigen, wie er den LAFC quasi am Reißbrett entworfen und sich in die Major League Soccer eingekauft hat. Mit Thomas Rudy und Richard Perna sprechen zwei Fußball-Investoren über einen möglichen Einstieg bei einem Bundesligisten.

Es sind Themen, die mit hoher Geschwindigkeit auf den deutschen Fußball zurollen. Und die in Hamburg diskutiert werden. „Die Geschwindigkeit, mit der sich die Dinge im Fußball verändern, steigt derzeit stark an. Dafür braucht es ein Event, um diese Veränderungen zu besprechen“, sagt Sebastian Lemm.

Vor drei Jahren hatten die Zwillinge die Idee

Wer die beiden gebürtigen Barmbeker reden hört, der merkt schnell, dass sie aus einer anderen Branche kommen. Sie benutzen Begriffe wie Knowledge, Slots, Content, Wishlists, Gamechanging oder sprechen vom Markt, den sie gescreent haben. Es ist die Sprache der Start-ups, der Digitalisierung, der Social-Media-Generation. Die Zwillinge kommen aus diesem Bereich. Ihre Leidenschaft aber ist der Fußball. Und deswegen haben sie es sich zum Ziel gemacht, diese Themen mit einer Business-Konferenz zu verbinden. Und Hamburg soll das Zentrum sein. „Wir haben gleich am Anfang gesagt, dass wir Hamburg zur Fußball-Hauptstadt machen wollen“, sagt Christopher Lemm. Und meint damit ausdrücklich nicht die zweitklassigen Hamburger Proficlubs. Ihr Ziel formuliert er anders: „Wir wollen die relevanteste Fußball-Konferenz in Europa werden, der Punkt auf der Landkarte. Das ist die ganz klare Ambition der Firma. Dafür müssen wir hart kämpfen.“

Drei Jahre ist es her, dass die beiden sich im Café „The Coffee Shop“ in der Hamburger Innenstadt trafen, um über ihre Idee zu sprechen. Vorausgegangen war ihr Besuch beim Online Marketing Rockstars Festival (OMR), das in jenem Jahr die Teilnehmerzahl von 5000 auf 20.000 erhöhen konnte. Und die Lemms fragten sich, warum es so eine Business-Konferenz nicht auch im Fußball gebe? Sie mieteten sich ein kleines Kellerbüro am Schwanenwik und gründeten die Spielmacher.

Erste Konferenz startete mit 500 Gästen

Doch schon bei ihren ersten Telefonaten mussten sie reichlich Lehrgeld zahlen. Anrufe in den Marketingabteilungen der Fußball-Bundesligisten waren nicht selten schnell beendet. „Als wir uns gegründet haben, wussten wir gar nicht wie die Industrie funktioniert. Da haben wir uns einige blaue Augen abgeholt. Wir hatten teilweise sehr ernüchternde Tage“, erzählt Sebastian Lemm im Rückblick.

Doch die Brüder waren von ihrer Idee überzeugt und luden nur ein Jahr später zur ersten Konferenz nach Hamburg ein. 500 Gäste waren dabei. Im zweiten Jahr ging es erstmals in das Cruise Center. Mit 1000 Teilnehmern. Darunter zum Beispiel auch Fredi Bobic, der Erfolgsmanager von Eintracht Frankfurt. Die Lemms verstanden schnell, wie das Fußballbusiness funktioniert. Und streben nun die nächste Stufe an. Viele Bundesligisten sind am Mittwoch in Hamburg vertreten. Die Zwillinge aber denken bereits international. „Wir sind beide sehr ehrgeizige Charaktere. Wir hatten schon früh die Idee, selbstständig zu sein und etwas eigenes zu machen“, sagt Sebastian.

Zwillinge spielten beim Eimsbütteler TV

Dass es in den Fußball gehen sollte, war dabei gar nicht so klar. Zwar stürmten die beiden in der G-Jugend zusammen für den Eimsbütteler TV, spielten zuletzt als defensive Flügelzange für den VfL 93 und wechseln nun mit ihrer gesamten Mannschaft zum VfL Hammonia in die Kreisliga. Doch beruflich zog es sie nach ihrem Studium in das digitale Geschäft. Zu Ebay nach London (Christopher), zu Start-ups in Hamburg (Sebastian). Nun arbeiten sie endlich auch zusammen. Was nicht immer einfach ist. Denn die Brüder ticken verschieden. Fast täglich kommt es zu Reibungen, immer aber im Sinne ihres Unternehmens. Die Lemms wissen, was im Streit zu tun ist. „Wir verstehen uns nonverbal und wissen immer wie der andere denkt“, sagt Sebastian.

Die Brüder stehen vor der Halle, gucken raus auf die Elbe. Ihre Vision ist spürbar. „Wir kommen dem Ziel näher“, sagt Christopher. Die Zukunft des Fußball-Geschäfts soll künftig mit ihrem Unternehmen verbunden sein. Und mit dem Standort Hamburg. Es sind große Ziele, die sich die Zwillinge gesetzt haben. Wer ihre Geschichte verfolgt hat, der weiß in jedem Fall, dass sie sich von diesem Weg nicht abbringen lassen.