Planetarium

Der Sternenhimmel über Hamburg im Juni

Foto: Katja Frauenkron/Planetarium Hamburg

Der Jupiter ist der „Superstar“ des Sommers. Auch Saturn, der „kleine Bruder“ des Planeten, hat am Nachthimmel seinen Auftritt.

Hamburg.  Unsere Sonne regiert im Juni länger als in allen anderen Monaten: So hoch und so lange steht sie zu keiner anderen Zeit am Himmel. Am 21. Juni um 17 Uhr 54 Mitteleuropäischer Sommerzeit erreicht sie den Gipfelpunkt ihrer Jahresreise im Tierkreis, den „Wendekreis des Krebses“. Allerdings steht sie dabei noch vor dem Sternenhintergrund des Stiers und wechselt wenige Stunden später in das Tierkreissternbild Zwillinge. Erst am 20. Juli wird sie in das Sternbild Krebs eintreten.

Der glühend-heiße Sonnenball bleibt lange am Himmel: Erst spätabends verschwindet er im Nordwesten hinter unserer Erdkugel. Bis tief in die Nacht leuchtet der Dämmerschein, denn unsere Sonne taucht nicht tief genug unter die Horizontlinie. Nur die hellsten Gestirne können sich durchsetzen. Im Norden Deutschlands ist es erst gegen ein Uhr morgens dunkel genug, um auch einige lichtschwächere Sterne zu sehen.

Doch allen stiehlt „König Jupiter“ die Schau, und man kann ihn nicht übersehen. Als hellster Lichtpunkt wird er in der späten Abenddämmerung im Südosten erkennbar. Der weiß-goldene Planet gelangt am 10. Juni in Opposition zur Sonne. Er steht die ganze Nacht am Himmel und erreicht in der Mitte der Nacht seine größte Höhe im Süden. Allerdings bleibt es bei einer bescheidenen Höhe von rund 15 Grad, das ist weniger als eine Handspanne bei ausgestrecktem Arm. Dennoch zieht Jupiter alle Blicke auf sich – er ist der „Superstar“ des Sommers. Jetzt ist seine beste Zeit des Jahres, denn unsere Erde überholt ihn auf der schnelleren Innenbahn. Unsere Entfernung von Jupiter beträgt Mitte Juni „nur“ 641 Millionen Kilometer. Diese Entfernung legt das Licht in etwas weniger als 36 Minuten zurück. Jupiter wandert rückläufig durch das Sternbild Schlangenträger, das sich zwischen Schützen und Skorpion zwängt.

Saturn wandert im Tierkreissternbild Schütze tief im Süden

Nur wenige Abende nach der Jupiter-Opposition und nur wenige Stunden vor Vollmond zieht die Mondkugel am 16. Juni nur zwei Grad nördlich an dem Riesenplaneten vorbei. Und die Juni-Show ist damit noch nicht vorbei, denn nur zwei Nächte später, nähert sich der noch fast volle Mond in der Nacht vom 18. auf 19. Juni dem anderen Riesenplaneten in unserem Sonnensystem, dem Saturn. Gegen 2.30 Uhr stehen beide im Süden und der Mond nur etwa zwei Grad rechts unter Saturn. Saturn ist gewissermaßen der „kleine Bruder“ des Jupiters – und er geht nur kurze Zeit nach ihm auf.

Der Ringplanet ist jedoch bei Weitem nicht so auffällig wie Jupiter und wandert im Tierkreissternbild Schütze tief im Süden. Zwischen Saturn und Jupiter steigt das Band der Milchstraße herauf, das man nur abseits der Stadt in einer dunklen, mondlosen Nacht sehen kann. Um Mitternacht ist es zumindest dunkel genug, um einige markante Sternenfiguren zu finden. Hoch über den beiden hellen Planeten funkeln die Sterne des Sommerdreiecks: Wega in der Leier, Deneb im Schwan – und näher an den beiden Riesenplaneten – der Stern Atair, der die Südspitze dieses ausgedehnten, gleichschenkeligen Sommerdreiecks markiert.

Atair galt bereits vor Jahrtausenden bei den Sumerern und Babyloniern als „Adlerstern“. Einer griechischen Sage nach ist er mit den Heldentaten des Herakles verbunden: Prometheus, der den Menschen gegen den Willen der Götter das Feuer gebracht hatte, war zur Strafe von Zeus an einen Fels gekettet worden. Jeden Tag erschien ein Adler und fraß von der Leber des Unglücklichen, die bis zum nächsten Tag wieder vollständig nachwuchs. Als Herakles Prometheus fand, befreite er ihn von den Ketten und schoss den Adler mit einem Pfeil ab. Den Pfeil finden wir ebenfalls als Sternbild am Himmel verewigt, nur wenig höher als Atair schwirrt er durch die Milchstraße. Die moderne Astrophysik ermittelte, dass der bläulich-weiße Stern Atair unsere Sonne um das Zehnfache an Leuchtkraft übertrifft und mit einer Oberflächentemperatur von 8600 Grad heißer ist.

Der Morgenstern Venus geht in die Sommerpause

Natürlich finden wir spätabends auch die sieben Sterne des „Großen Wagens“. Sie stehen hoch über uns. Verlängern wir den Bogen der Wagendeichsel, so führt er uns halbhoch im Südwesten zu dem hellen, rötlichen Stern Arktur im Bärenhüter (lateinisch: „Bootes“) – eine Riesensonne, die mehr als zwei Millionen Mal weiter von uns entfernt und fast ­70-mal größer als unsere Sonne ist. Trotz dieser 36 Lichtjahre Entfernung sehen wir Arktur als hellen Stern, da er nahezu 1200-fache Sonnenleuchtkraft besitzt.

Ziehen wir den Deichselbogen über Arktur hinaus noch weiter, so treffen wir auf Spica, den bläulich funkelnden, hellen Hauptstern des Tierkreissternbildes Jungfrau, das nun zum Westhorizont sinkt. Rasch verstärkt sich in der zweiten Nachthälfte die Dämmerung und wächst zum hellen Tageslicht an. Verzichten müssen wir auf den „Morgenstern“ Venus. Unser innerer Nachbarplanet Venus wandert vom Widder in den Stier und schafft es kaum mehr, sich vor Sonnenaufgang gegen die Helligkeit durchzusetzen. Auch Mars versteckt sich im Glanz der Sonne. Er hat im Sternbild Zwillinge nicht genug Vorsprung vor der Sonne und beendet seine Abendsichtbarkeit.