Als Senior die Start-up-Szene aufmischen

Preisträger: Michael Hoppe, Ute Büchmann, Anna Vonnemann, Bernward
Jopen (v. l.)

Preisträger: Michael Hoppe, Ute Büchmann, Anna Vonnemann, Bernward Jopen (v. l.)

Foto: Sabine Tesche

Hamburg.  Auf Kreuzfahrt gehen, Golf spielen oder einfach nur die Beine hochlegen – so kann ein Leben nach der Pensionierung aussehen. Man kann aber auch wie Bernward Jopen (76) aus „Knackis tüchtige Unternehmer“ machen oder wie Anna Vonnemann (69) die Start-up-Szene aufmischen. Die beiden Senioren erhielten gestern gemeinsam mit zwei weiteren innovativen Unternehmern – alle im Alter 60plus – den ersten Zugabe-Preis der Körber-Stiftung.

Die Jury hat unter den 70 Bewerbern bewusst Preisträger ausgesucht, die wirtschaftlich unterwegs sind, deren Projekt sich künftig trägt „und die nicht immer von Spenden abhängig sein werden“, sagte Lothar Dittmar, Vorstandsvorsitzender der Körber-Stiftung. Sie seien alle Vorbilder, die zeigten, wie erfolgreich man auch noch im Alter sein könne.

So bildet Bernward Jopen Münchner Strafgefangene in anspruchsvollen Wirtschaftkursen weiter und lenkt dabei ihre ehemals kriminelle Energie – „viele brauchten für ihre Verbrechen ja auch Mut und Organisationstalent“ – in Richtung einer eigenen, legalen Firma. Dafür gab es 60.000 Euro.

Unter den Preisträgern ist auch der Hamburger Michael Hoppe (70), der mit seiner Stiftung „steps for children“ in Namibia sowohl soziale Bereiche wie Krippen und Kitas fördert als auch Kleinunternehmen wie eine Tischlerei und eine Nähstube unterstützt. „Das Ziel ist es, dass die Kleinunternehmer in Zukunft den sozialen Bereich finanzieren“, sagt Hoppe, der sich das Preisgeld von 60.000 Eur0 mit Anna Vonnemann teilt.

Die Berlinerin hat ein „Remember Motion Device“ entwickelt, der Menschen mit Bewegungsstörungen wieder das Gehen lehrt. Das patentierte Gerät zur Haltungskontrolle gibt es in Form einer Weste mit Minicomputer und wird im Sommer vorgestellt. Motivation für die Künstlerin war dabei ihre Tochter, die einen Schlaganfall hatte und der mit zehn Jahren prophezeit worden war, bald im Rollstuhl zu sitzen. „Nachdem die Ärzte sie aufgegeben hatten, habe ich angefangen zu tüfteln. Meine Tochter kann nun gehen“, sagt Vonnemann. Sie findet, dass man die Start-up-Szene nicht nur der YouTube-Generation überlassen sollte. „Wir Älteren haben viel mehr Erfahrung.“

Ihre Berufserfahrung hat auch der Preetzerin Ute Büchmann, die 60.000 Euro erhielt, bei ihrem Geschäftsmodell geholfen. Mit der „Büchmann Seminare KG“, die auch einen Standort in Hamburg hat, qualifiziert die 65-Jährige lebenserfahrene Menschen zu selbstständigen Senioren-Assistenten. Dabei geht es nicht um Pflege, sondern um Gespräche, Freizeitgestaltung und allgemeine Hilfe im Alltag. „Das ist ein Markt der Zukunft“, wie die Jury befand.