Football-Trainer

Patrick Esume: Der Superhero aus Hamburg

Patrick Esume ist Sohn eines Nigerianers und einer Hamburgerin. Zurzeit ist der 45-Jährige mit seiner Show „Superhero Germany“ auf Pro7 zu sehen.

Patrick Esume ist Sohn eines Nigerianers und einer Hamburgerin. Zurzeit ist der 45-Jährige mit seiner Show „Superhero Germany“ auf Pro7 zu sehen.

Foto: Michael Rauhe / HA

Er war Football-Profi und trainiert das französische Nationalteam. Zurzeit ist er auf Pro7 zu sehen. Begegnung mit einem Multitalent.

Hamburg.  Schnellen Schrittes kommt Patrick Esume zum Treffen im Coffeeshop an der Eppendorfer Landstraße gelaufen. Der Moderator und Football-Trainer hat viel zu tun in diesen Tagen. Gerade hat er seine Show „Superhero Germany“ auf Pro7 abgedreht, die am Sonnabendabend ausgestrahlt wird. Parallel dazu reist er mit seiner American-Football-Stand-up-Tour „Believe the Hype!“, einer Bühnenshow zum Thema Football, durch Deutschland und die Schweiz. Immer wieder moderiert und kommentiert er im Fernsehen Football-Sendungen. Und dann gibt es da noch seine Aufgabe als Trainer der Französischen Nationalmannschaft. „Es ist eine wirklich spannende Zeit“, sagt Esume. Er bestellt eine Flasche Wasser, dazu einen Espresso. „Den gönne ich mir zur Feier des Tages.“ Eigentlich versuche er gerade, auf Kaffee zu verzichten. „Das ist aber gar nicht so leicht.“

Esume ist das Gesicht des deutschen Footballs. Und ein echter Hamburger. Der Mann mit den angegrauten Haaren ist als Sohn eines Nigerianers und einer Hamburgerin in der Hansestadt geboren und aufgewachsen, in der Nähe des Fischmarktes. Hier ging er zur Schule, machte Abitur – und spielte Fußball. Viele Jahre lang. So lange, bis er eher seine wahre Leidenschaft entdeckte.

Ehrgeiziger junger Mann

„Als ich 18 Jahre alt war, hat mich ein Freund mit zum Football-Training genommen. Und da hat es mich sofort erwischt.“ Die englischsprachigen Trainer, die besonderen Klamotten, das alles sei aufregend gewesen. „Ganz anders als beim Fußball. Der hatte längst seine Anziehungskraft für mich verloren.“ Esume entschied, die Sportart zu wechseln. Dabei habe er zunächst gar nicht die Figur dafür gehabt: „Ich war dürr und hatte nicht genug Muskeln.“

Diesen körperlichen Mangel machte der ehrgeizige junge Mann durch seinen Einsatz wett. Zumindest spielte er schon nach kurzer Zeit in der ersten Bundesliga, was im deutschen Football allerdings auch deutlich leichter sei als im Fußball. Überhaupt könne man die beiden Sportarten nicht miteinander vergleichen: „Vom Football kann niemand in Deutschland leben. Alle Bundesliga­spieler haben ganz normale Jobs.“ So auch Esume. Der Abiturient machte neben dem Sport eine Lehre zum Heil­pädagogen.

„Trainer zu werden war nie mein Plan“

Doch erst einmal spielte sich er sich mit seinem Team, den Hamburg Blue Devils, von Sieg zu Sieg. Esume gewann die deutsche Meisterschaft. Gleich dreimal dazu den Eurobowl, die Champions-League im Football. Also so ziemlich alles, was man hierzulande erreichen kann. Auch deshalb begann er, sich mit Mitte zwanzig Gedanken über die Zeit nach seiner sportlichen Karriere zu machen: „Es war Zeit für ein neues Kapitel. Und ich wollte nicht noch am Ende womöglich eine schwere Verletzung davontragen.“ Esume hörte mit dem Sport auf und plante seinen Umzug in die Schweiz, um seine Ausbildung zum Heilpädagogen zu beenden und Theosophie und Sprachgestaltung zu studieren.

Eher nebenbei hatte der Hamburger damals angefangen, eine Hamburger Mannschaft, die Hamburg Wild Huskies, aus der Zweiten Bundesliga zu trainieren. „Trainer zu werden war nie mein Plan“, sagt er. Bis eines Tages das Telefon klingelte. Am anderen Ende ein Manager der NFL Europe, des europäischen Ablegers der amerikanischen Profiliga. „Er habe von mir gehört, sagte er. Und ob ich mir vorstellen könne, einen Job in der NFL Europe zu übernehmen.“ Esume wurde zu einem Vorstellungstermin eingeladen. „Ich habe mir gedacht, den Job bekomme ich sowieso nie.“ Das Bewerbungsgespräch sei das ungewöhnlichste seines Lebens gewesen. „Wir haben eine Stunde lang gesprochen, aber nicht mit einem Wort über Football.“

Esume wuchs zweisprachig auf

Esume bekam den Job: „Ein unfassbares Gefühl.“ Dennoch sei er unsicher gewesen, ob das auch wirklich der richtige Weg sei. „Meine Mama, die erst wirklich skeptisch war, meinte schließlich: Mach es. Probier es aus. Aufhören kannst du ja immer noch.“

Also zog Esume nach Frankfurt und wurde Assistenztrainer der Frankfurt Galaxy. „Ich habe mit unglaublich erfahrenen, tollen Trainern aus Amerika zusammenarbeiten dürfen und so viel gelernt“, so Esume. Sein Vorteil, sagt er heute: Er sehe nicht aus wie ein Deutscher und konnte akzentfrei Englisch sprechen. „Deshalb haben mich Spieler und Trainer sofort als einen der ihren akzeptiert.“ Das fließende Englisch kommt übrigens aus seinem Elternhaus. Esume wuchs zweisprachig auf.

Aber nicht nur das wird Esume geholfen haben, als Trainer Erfolg zu haben. Der Hamburger ist ein Perfektionist. Jeden Morgen war er der Erste auf dem Platz. Bis in die tiefe Nacht hinein studierte er Spielzüge am Bildschirm. Nichts wollte Esume dem Zufall überlassen. Schließlich war es ein gewagtes Unterfangen, als Deutscher in der amerikanisch dominierten Football-Welt zu bestehen. Als Arbeitstier bezeichnen Freunde Esume, sogar als Fanatiker. Er gab einfach alles für den Traum der Trainerkarriere.

Viel Erfahrung und viele Ideen

2005 kehrte er mit viel Erfahrung und Ideen nach Hamburg zurück, wurde Cheftrainer bei den Hamburg Sea Devils. Und gewann mit der Mannschaft zwei Jahre später bereits den World Bowl. Es folgten Jobs in Paris und in Kiel. Auf all seinen Stationen konnte Patrick Esume große Siege verbuchen, wie die französische Meisterschaft oder in Kiel die German Bowl und die European Football League. Seit 2014 trainiert der 45-Jährige die Französische Nationalmannschaft, mit der er im vergangenen Jahr Europameister wurde.

Das Leben als Trainer neige sich allerdings so langsam dem Ende zu, sagt Esume. „Wenn man alles erreicht hat, sollte man sich Gedanken machen, wie es weitergehen soll. Es ist wichtig, genau im richtigen Moment den Absprung zu schaffen.“ Auch deshalb denke er gerade viel darüber nach, wie es mit ihm und der Nationalmannschaft weitergehen soll.

Denn eher durch einen Zufall hat Esume eine neue Leidenschaft entdeckt, die Bühne. Was erstaunlich ist, weil der Hamburger eigentlich gar nicht so gern im Rampenlicht steht. Doch die Lesungen seines autobiografischen Buches „Believe the Hype“, übrigens aus dem Stand Nummer eins der „Spiegel“-Bestseller-Liste, waren wohl von Anfang an mehr eine Art Show als nur Lesung. Also entstand die Idee eines eigenen Stand-up-Programms zum Thema Football.

Zweite große Bühne

Seine zweite große Bühne ist seit einiger Zeit das Fernsehen. Bereits 2015 stieg er für ProSieben Maxx bei ranFootball als Experte und Moderator ein. Gerade erst hat er zusammen mit seinem Team den Deutschen Fernsehpreis 2018 als beste Sportsendung gewonnen. Im vergangenen Jahr zeichnete er für RTL „Showdown – Die Wüsten-Challenge“ auf, bei der acht Frauen oder Männer in der Wüste gegeneinander antreten. Nun ist er mit „Superhero Germany“ zu Pro7 zurückgekehrt.

Auch hier treten Männer und Frauen in sportlichen Wettkämpfen gegeneinander an – und gegen ehemalige Spitzensportler wie Tim Wiese oder Speerwerferin Christina Obergföll. „Es ist unglaublich zu sehen, was Menschen in ihrer Freizeit alles erreichen können“, sagt er. Aber auch hier macht er mit seiner Genauigkeit die Unsicherheit auf der Bühne wett. Schreibt abends die Moderationen des nächsten Tages um, lernt sie nachts und am frühen Morgen auswendig. Um dann locker und entspannt vor der Kamera erscheinen zu können.

Nun hat er aber auch genug über sich und sein Leben geredet. Patrick Esume­ muss weiter. Seine nächste Verabredung steht an. Und danach der wichtigste Termin des Tages: seine Tochter Romy (6). Die will Esume von der Kita abholen. Danach geht es dann nach Hause zu seiner Frau und seiner kleinen Tochter Rosa (20 Monate). Schließlich hat er im Moment sowieso viel zu wenig Zeit für die drei.