Was jeder tun kann, um das Klima zu schützen

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Jürgen Polzin

Berlin.  Es ist, als ob alles Reden und Verhandeln über den Klimaschutz verpufft: Weltweit steigen die CO2-Emissionen immer weiter. 33,1 Gigatonnen CO2 sind 2018 aus der Verbrennung von fossilen Brennstoffen in die Atmosphäre freigesetzt worden, hat die Internationale Energieagentur IEA verkündet. Ein neues Rekordhoch, dabei müssten die Emissionen eigentlich längst sinken, um überhaupt in Reichweite der Ziele zu kommen, die im Pariser Weltklimavertrag genannt sind. Vergebliche Mühe? Kann der Einzelne also nichts ausrichten? Doch, er kann.
Etwas über elf Tonnen CO2 beträgt der Pro-Kopf-Ausstoß eines Bundesbürgers im Jahr. Im Schnitt entfällt in Deutschland knapp ein Viertel der Treibhausgasemissionen auf Heizung und Strom. 23 Prozent auf den Verkehr, 13 Prozent trägt die Ernährung bei. Das Umweltbundesamt hat errechnet, dass jeder Bürger seinen Wert auf fünf Tonnen senken kann, wenn er CO2-bewusst lebt. So geht’s.


Reisen Sie klimaschonender
Fliegen ist die klimaschädlichste Art und Weise, sich fortzubewegen. Wer kann, sollte nicht nur auf Flugzeug verzichten und die Bahn nehmen. Er sollte auch Autofahrten vermeiden, auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen oder sich auf das Rad setzen. In immer mehr Städten nimmt die Zahl der Alternativen zu. Eine davon: Teilen Sie Verkehrsmittel mit anderen. Überlegen Sie, ob Sie auf Ihrem täglichen Weg zur Arbeit Mitfahrgelegenheiten anbieten oder Sie selbst in Anspruch nehmen wollen. Apps auf dem Smartphone helfen dabei. Wer dennoch fliegt und dies nicht vermeiden kann, der kann seine Reise trotzdem ein wenig klimaschonender gestalten. Flug-, Busgesellschaften oder Reiseportale bieten die Möglichkeit einer CO2-Kompensation an: Der Reisende kann CO2-Zertifikate kaufen, die von ihm verursachte Emissionsmenge wird in gleichem Umfang in Klimaschutzprojekten wieder ausgeglichen. Wie das genau geht, erklärt das Umweltbundesamt in einem Ratgeber über freiwillige CO2-Kompensation (www.umweltbundesamt.de, dann Suchfeld benutzen).


Wechseln Sie zu einem echten Ökostrom-Anbieter

Der Anteil erneuerbarer Energien wächst. 2018 deckten Photovoltaik, Windenergie & Co. im Stromsektor fast 38 Prozent des gesamten deutschen Bruttostromverbrauchs. Doch immer noch wird in Deutschland ein großer Teil des Stroms aus klimaschädlicher Braun- und Steinkohle erzeugt. Ein Wechsel des Stromanbieters ist eine Möglichkeit, einfach noch dazu. Portale wie Verivox, Check24 oder Stromvergleich helfen dabei: Die Option „Ökostrom“ anklicken, auswählen, fertig. Um die Formalitäten kümmert sich der neue Anbieter. Doch nicht alle Angebote sind wirklich grün. Wechselwillige sollten den Anbieter unter anderem fragen, wie sich der Strompreis genau zusammensetzt. Experten empfehlen zudem Anbieter mit dem „Ok-Power-Siegel“ oder dem Label „Grüner Strom“, auch unabhängige Unternehmen wie Lichtblick, EWS Schönau oder Greenpeace Energy gelten als sicher. Und: Es gibt auch grüne Tarife für Gas.


Ernähren Sie sich klimabewusst
Weniger Fleisch und tierische Lebensmittel, mehr Gemüse und Obst – damit schützen Sie nicht nur das Klima, Sie tun auch etwas für Ihre Gesundheit, rät das Bundeszentrum für Ernährung. Ein Kilo Rindfleisch etwa bringt 15,5 Kilo CO2 auf die Klimawaage. Lebensmittel sollten saisonal sein, aus der Region stammen und im besten Fall nicht einzeln in Plastik gehüllt sein. Werfen Sie weniger weg. Machen Sie vor dem Einkauf einen Zettel. Leicht verderbliche Lebensmittel haben ein Verbrauchsdatum – sie müssen dann auch wirklich gegessen sein. Vom Mindesthaltbarkeitsdatum hingegen sollten sich Verbraucher nicht drängen lassen: Viele Produkte sind nach dem Ablauf des Datums noch länger essbar. Teilen Sie Ihr Essen. Start-ups haben Apps wie „Too Good To Go“ oder „Meal Saver“ entwickelt. Sie vernetzen Restaurants, Supermärkte oder Bäcker mit Verbrauchern, die Lebensmittel vor der Mülltonne retten wollen. Meiden Sie, wenn es geht, Produkte mit zu viel Verpackung.


Wohnen Sie nachhaltiger

Wohnraum in Großstädten ist teuer und rar, das stimmt. Doch auch wer zwischen bezahlbaren Angeboten die Auswahl hat, kann aufs Klima achten: Lassen Sie sich den Energieausweis der Wohnung oder des Hauses zeigen. Er verrät, wenn es mit der Energieeffizienz nicht weit her ist. Für viele Modernisierungsmaßnahmen gibt es Fördergelder oder zinsgünstige Kredite. Auch das hilft: Die Absenkung der Raumtemperatur um nur ein Grad senkt die CO2-Emissionen eines Vierpersonenhaushalts pro Jahr um rund 350 Kilo, so Greenpeace. Wer die Temperatur in der Nacht in der Wohnung generell auf 15 bis 16 Grad reduziere, spart noch einmal knapp 300 Kilogramm CO2 ein. Auch das bringt Einsparungen: Die Heizung sollte regelmäßig gewartet, Heizkörper entlüftet werden. Statt Dauerlüften mit gekipptem Fenster sollte man lieber Stoßlüften – auch das spart Energie. Auch bei der Wäsche kann jeder seine CO2-Bilanz aufhübschen. Greenpeace rät: Vorwäsche weglassen und grundsätzlich mit höchstens 60 Grad waschen – nur in Ausnahmefällen mit 95 Grad. Anschließend die Wäschestücke nicht in den Trockner stopfen, sondern auf die Leine hängen.


Konsumieren Sie bewusster
Nutzen Sie Produkte gemeinsam, mehrfach und länger. 100 Millionen alte Handys liegen in den Schubladen deutscher Haushalte. Braucht es wirklich alle zwei Jahre ein neues Gerät? Das Gleiche gilt für Mode. Jedes fünfte Kleidungsstück wird so gut wie nie getragen, ergab eine Greenpeace-Umfrage. Eine Alternative: In vielen Städten finden Kleidertauschbörsen statt, im Internet gibt es dafür Plattformen. Auch Bücher oder gebrauchte Elektronik können geteilt oder verliehen werden. Werfen Sie defekte Geräte nicht gleich in die Wertstofftonnen: In vielen Städten schauen sich Tüftler in Reparatur-Cafés an, ob eine Reparatur möglich ist.

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