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Radklima in Hamburg? Die Richtung stimmt, aber ...

Ein Kommentar von Nico Binde
Nico Binde

Nico Binde

Foto: HA

Sicherheit: mangelhaft. Radwege: mangelhaft. Kontrolle von Falschparkern: mangelhaft. Die Ergebnisse des ADFC-Radklimatests mögen ein verheerendes Stimmungsbild von Hamburgs Straßen zeichnen und der Opposition einen bequemen Anlass geben, sich polemisch am Senat abzuarbeiten. Aber es ist schlicht zu billig, SPD und Grüne für eine verfehlte Radverkehrspolitik zu geißeln. Denn die eingeschlagene Richtung, dem Rad deutlich mehr Bedeutung beizumessen, stimmt. Aber die Maßnahmen sind nur wenig überzeugendes Stückwerk. Vor allem Eltern, Gelegenheitsfahrer und Senioren hadern – und das ist die abzuholende, breite Zielgruppe auf dem Weg zu 25 Prozent Radverkehrsanteil.

Die vielen in ein „Bündnis für den Radverkehr“ gegossenen Einzelmaßnahmen der rot-grünen Regierung sind auf dem Papier toll. Wer kann schon etwas gegen den Ausbau eines zusammenhängenden, 14-armigen Radwegenetzes haben? Oder den Umbau von Autospuren zu Radwegen angesichts drängender Klimaprobleme ablehnen?

Erfolg misst sich nicht in Straßenmetern

Straßenkorrekturen, radeigene Kreuzungsflächen, mehr Bike-and-ride-Anlagen oder die wachsende Zahl der Leihräder – alles schön und gut. Aber Erfolg misst sich nicht in fertig gebauten Straßenmetern, sondern in der Akzeptanz ihrer Nutzer.

Diese Akzeptanz fehlt. Unter anderem, weil schmale Radstreifen neben Schwerlastern schön sichtbar sind, aber auch den Eindruck vermitteln, der Senat wolle es allen recht machen, doch auf keinen Fall die Autofahrer verprellen. Kurzum: Es wirkt halbherzig, unentschlossen, mutlos – Legislaturdenken. Dabei müsste die Politik wissen: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

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