Auslandstierschutz

Hamburger Tierärzte warnen vor Handel mit Straßenhunden

Die Präsidentin der Hamburger Tierärztekammer Dr. Susanne Elsner warnt vor dem Import von Hunden aus Osteuropa. 

Die Präsidentin der Hamburger Tierärztekammer Dr. Susanne Elsner warnt vor dem Import von Hunden aus Osteuropa. 

Foto: FOTO: Sebastian Becht

Immer mehr Tiere aus Osteuropa. Sie verbreiten Tollwut und Staupe, es geht ihnen hier nicht besser – aber einige verdienen gut daran.

Hamburg. Menschen reißen sie aus ihrem gewohnten Umfeld und sperren sie in kleine Käfige in die dunklen Ladeflächen von Transportern. Die Fahrt nach Hamburg dauert mehr als 24 Stunden. Dort soll es ihnen dann besser gehen. Die Rede ist von Hunden aus Osteuropa. Tierschützer bringen immer mehr davon nach Deutschland.

In der Hansestadt hat allein der Hamburger Tierschutzverein in den letzten Jahren 576 Hunde aus Rumänien nach Hamburg importiert. Und nicht nur er bringt osteuropäische Hunde hierher. „Immer mehr Vereine holen Hunde aus Osteuropa“, sagt die Vorsitzende der Hamburger Tierärztekammer Dr. Susanne Elsner.

Staupe und Parvovirose aus Osteuropa

Der Import verursache eine Reihe von Probleme – auch für die heimischen Hunde. „Die Tiere bringen Krankheiten mit“, sagt Dr. Elsner. So verbreiteten sich in Hamburg beispielsweise die hochansteckenden Viruserkrankungen Staupe und Parvovirose (häufig Hundeseuche genannt) mittlerweile wieder. Auch seien einige der eingeschleppten Parasiten auf einheimische Tiere und den Menschen übertragbar. Neben den Herz- und Lungenwürmern seien besonders die Leishmanien problematisch. Die Kleinstlebewesen habe es in Deutschland vorher nicht gegeben. Sie führen beim Menschen zu Geschwüren auf der Haut und können auch die inneren Organe angreifen.

. „Gerade bei Kindern kann die Infektionserkrankung sogar zum Tod führen“, sagt Dr. Elsner. Auch die Gefahr eines Tollwutausbruches steige durch die ausländischen Straßenhunde. „Die Impfausweise der Hunde aus Osteuropa weisen oft offensichtliche Unregelmäßigkeiten auf“, sagt Dr. Elsner. Auch bei einer eingetragenen Tollwutimpfung könne nicht ausgeschlossen werden, dass diese nie stattgefunden hat.

Kinder können an den Krankheiten sterben

In Frankreich habe es bereits einen Fall gegeben bei dem zwei Kinder gestorben sind, die einem importierten Hund gestreichelt haben, sagt Dr. Elsner. Derartige Extremfälle sind bei dem Hamburger Tierschutzverein nicht bekannt. Doch auch hier gab es Unregelmäßigkeiten bei den von ihm eingeführten Hunden. Wie berichtet ermittelt das Veterinäramt Mitte in mehreren Fällen zu Verstößen gegen Impf- und Einreisevorschriften.

„Das Problem sind Tierschützer ohne medizinische Bildung, die im besten Wissen und Gewissen meinen, das Richtige zu tun“, sagt Dr. Elsner über den Trend Hunde aus Osteuropa zu importieren. Rund 70 Prozent der osteuropäischen angeblichen Tierschutzhunde stammten aus illegalem Hundehandel und kämen aus Tiervermehrungsstationen. Die oft sehr armen Menschen vor Ort würden die Gutmütigkeit der Westeuropäer ausnutzen, um durch die Vermittlungsgebühren Geld zu verdienen.I

Immer mehr Hunde, obwohl die Tierheime voll sind

„Es werden massenhaft Hunde nach Deutschland geholt, obwohl hier die Tierheime voll sind“, sagt Dr. Elsner. Die Probleme mit den Straßenhunden in osteuropäischen Ländern löse man damit nicht. Stattdessen müsse die Situation vor Ort verbessert und Kastrationsprogramme unterstützt werden.

Das ist übrigens auch die Position des Deutschen Tierschutzbundes sowie der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz, ein Verein in dem sich ausschließlich Veterinärmediziner für Tierschutz einsetzen. „Tatsächlich geht es den Hunden in ihrer Heimat oft sogar besser als hier“, sagt deren Vorsitzender Dr. Andreas Franzky. Die Hunde hätten meist kaum Kontakt zu Menschen. „Oft zeigen die importierten Hunde ausgeprägte Verhaltensstörungen und haben Angst vor allem, was die westliche Industriegesellschaft mit sich bringt“, sagt Dr. Franzky. Sie litten zum Teil erheblich an der permanenten Überforderung ihres Anpassungsvermögens. Dauerstress und ein daraus resultierendes geschwächtes Immunsystem mache sie anfällig für Krankheiten.

Geld machen mit Mitleidsmasche

Auch Dr. Franzkys Verein stellt seit Jahren fest, dass immer mehr Tierschützer Hunde aus Osteuropa nach Deutschland holen. „Offizielle Zahlen gibt es nicht“, sagt Dr. Franzky. Aber es seien wohl mehr als 100.000 im Jahr. Das werde durch eine „unheilige Allianz aus gut meinenden Tierschützern und skupellosen Hundehändlern“ ständig weiter befeuert. „Letztlich wird mit der Vermittlung der Hunde gegen Schutzgebühren in Höhe von 200 bis 400 Euro über die Mitleidskomponente ein Geschäft abgewickelt“, sagt Dr. Franzky. Der Import vermindere außerdem die Bereitschaft der Behörden vor Ort ihre Probleme eigenständig zu lösen.

Auch Markus Raabe bestätigt das. Der Hufschmied hat bereits zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem vom Deutschen Tierschutzbund, für seine Arbeit im osteuropäischen Tierschutz bekommen. Sein Verein betreibt die erste gemeinnützige Tierklinik in Rumänien und kastriert jedes Jahr rund 2000 Hunde. „Eine Kastration kostet nur 11 Euro“, sagt Raabe. Das erzähle er immer wieder. Aber kaum einer höre ihm zu. Und er wisse auch warum. „Da steckt eine ganze Industrie dahinter – am Hundehandel verdienen viele Menschen“, sagt Raabe. Es gebe professionelle Hundezuchtstationen, in denen immer mehr Hunde für den Export nach Deutschland produziert würden. In einem so armen Land wie Rumänien sei das ein gutes Geschäft. Aber auch manche Vereine aus Deutschland verdienten daran.

Kaum Kontrollen, wohin Spenden fließen

„Der Auslandstierschutz ist ein Sumpf in dem viel Missbrauch betrieben wird“, sagt Raabe. Es gebe kaum Kontrollen, wohin genau Spendengelder fließen. „Rumänien ist teilweise ein rechtsfreier Raum“, sagt Raabe. Gefälschte Papiere wie Rechnungen oder Impfausweise seien für wenig Geld zu bekommen – selbst von Behörden. „Es wird mit illegalen Mitteln gearbeitet, um den Markt in Deutschland zu bedienen“, sagt Raabe. Und daran werde sich auch nichts ändern, solange die Nachfrage bestehen bleibe.