Solarien

Boom vorbei: Immer weniger Sonnenstudios in Hamburg

Solarien werden heute vor allem von unter 35-jährigen Frauen besucht.

Solarien werden heute vor allem von unter 35-jährigen Frauen besucht.

Foto: imago stock&people / imago/Peter Widmann

Zahl der Solarien geht zurück. Mit Massagen und Kosmetik werden Kunden angelockt. Viele Besucher sind unter 35 Jahre alt.

Hamburg. Die Sonnenstudio-Branche führt zunehmend ein Schattendasein - verglichen mit dem Boom vor der Jahrtausendwende. Auch in der Hansestadt ist die Zahl der Solarien seitdem weiter gesunken. Das bestätigte der Bundesfachverband für Besonnung e.V. auf Abendblatt-Anfrage. Genaue Zahlen für Hamburg liegen nicht vor. Groben Schätzungen zufolge gibt es in Hamburg derzeit rund 100 Solarien, vor 20 Jahren waren es mindestens doppelt so viele.

Das sagt der Bundesfachverband

„In Deutschland ist die Zahl der Sonnenstudios seit der Jahrhundertwende gesunken. Der Markt war damals bundesweit mit über 7000 Sonnenstudios übersättigt. Heute nutzen laut einer repräsentativen Befragung acht Prozent der Bevölkerung gelegentlich ein Solarium, rund fünf Prozent nutzen das Angebot regelmäßig“, sagte Janine Birnbaum, Sprecherin des Bundesverbandes. Die demographische Entwicklung der Bevölkerung habe zu geringeren Kundenzahlen geführt. Das jetzige Angebot richte sich eher an junge Menschen, hieß es.

Studie am UKE

Dass die Deutschen immer weniger in Solarien gehen, bestätigt Professor Matthias Augustin, Leiter des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Die Ärzte-Zeitung hatte über seine empirischen Forschungen berichtet. Danach ist der Anteil der Berufstätigen, die sich künstlichem UV-Licht zu Bräunungszwecken aussetzen, zwischen 2001 und 2015 von elf auf 1,6 Prozent gesunken. Das entspricht einem Rückgang von gut 85 Prozent. Frauen nutzen Sonnenbänke häufiger als Männer.

Am häufigsten gehen die unter 35-jährigen Hamburger ins Solarium, doch auch bei ihnen habe sich die Rate stark vermindert. Als Grund für den Rückgang nennen die Mediziner vor allem das gestiegene Bewusstsein des Hautkrebsrisikos durch die Nutzung von Solarien. Die Erkenntnisse von Professor Augustin beruhen auf Screenings von mehr als 150.000 Mitarbeitern in über 500 Firmen, die hautärztlich untersucht und dabei auch nach eventuellen Risikofaktoren für Hautkrebs gefragt worden waren.

Bäderland baute Solarien ab

Bereits vor rund sechs Jahre hatte Bäderland damit begonnen, Solarien abzubauen. Das Unternehmen zog damit Konsequenzen aus den verschärften gesetzlichen Änderungen zur Solariennutzung. Nachdem für Minderjährige bundesweit bereits seit 2009 ein Verbot gilt, hatte die EU mit der UV-Schutzverordnung weitere drastische Auflagen für Solarien erlassen. Die neuen Regelungen verpflichten die Betreiber unter anderem, UV-Schutzbrillen zur Verfügung zu stellen und qualifiziertes Personal einzusetzen.

„Größtmögliche Sicherheit“ in Solarien für Kunden

Der Bundesfachverband für Besonnung e.V. erklärte dazu auf Abendblatt-Anfrage: „Die durch den Gesetzgeber im Jahr 2013 realisierte UV-Schutzverordnung wird von unserem Verband begrüßt und unterstützt. Die gesetzlichen Vorgaben bieten den Kunden größtmögliche Sicherheit.“ Die Mitarbeiter der Solarien Anbieter würden durch Unternehmen geschult. Der Selbstbedienungsbetrieb sei in Deutschland genauso wie die Nutzung der Solarien durch Minderjährige nicht gestattet.

Um neue Kunden zu gewinnen, bieten die Solarien nach Angaben des Fachverbandes heute neben der Besonnung verschiedene Beauty- und Wellness-Behandlungen an. Dazu gehören unter anderem Lymphdrainage, kosmetische Rotlicht-Behandlungen, Überwassermassage oder Kryolipolyse (kosmetische Kälteanwendung zur Reduktion von Fettgewebe“). So hat ein Solarium in Winterhude Angebote zur „lymphaktivierenden Massage“ und Gewichtsreduktion im Angebot. Außerdem werden Kosmetikprodukte verkauft.