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Frühling in der Wäscherei

Wie das Pfeifen im Walde

Der Frühling kann kommen – zumindest für Michael Eck und sein Kult-Möbelhaus Die Wäscherei. Neue Sofas und Sessel in verschiedenen Formen und Farben, tierische Bilder von chinesischen Künstlern, kreative Tapeten und affenartig geniale Lampen zählen zu den ersten Highlights der Saison.

Täglich landen neue Container aus Europa und Asien mit Accessoires und Möbeln an, die Besucher den aktuellen Status Quo internationaler Design-Trends vor Augen führen. Eck hat auf dem Rundgang durch sein 10.000 Quadratmeter großes Universum also wieder viel zu berichten. Besorgte Kritik übt er nur an seiner Branche, die ihren schleichenden Niedergang offenbar nicht zur Kenntnis nehmen will...

Hamburger Abendblatt: Herr Eck, hier sind heute sehr viele Menschen in Arbeitsmontur und mit Werkzeug unterwegs...

Michael Eck: Ja, heute ist schließlich Freitag, da wird gehämmert und geschleppt, da laufen die Vorbereitungen für unseren Verkaufssamstag auf vollen Touren. Wir wollen morgen schließlich wieder richtig aufdrehen.

Was genau heißt das?

Naja, zum einen natürlich die Musik, ab 13 Uhr steht wie immer unser DJ auf der Matte und heizt den Besuchern hoffentlich ein (lacht). Aber auch beim neuen Angebot geht es morgen zur Sache: Wir haben vor allem sehr viele neue Sofas hereinbekommen, die mit Sicherheit gut angenommen werden.

Warum haben Sie ausgerechnet einen Schwerpunkt auf Sofas gelegt?

Weil wir hier eine besonders gute Qualität zu einem sensationellen Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten können. Die werden Sie nirgendwo anders so finden – das behaupte ich jetzt einfach mal ganz kühn. Wir haben extrem gute Lieferanten in Osteuropa aufgetan, die auf höchstem Niveau fertigen – nur nicht zu italienischen Preisen. Am besten schauen wir uns die Modelle mal an (er geht voran in den ersten Stock und steuert auf eine in himmelblauem Velours bezogene Sitzecke zu).

Die ist aber wirklich sehr opulent...

Ja, es darf wieder etwas größer sein. Diese Sitzgarnitur ist noch nicht das Ende der Fahnenstange, was die Ausmaße betrifft. Da hinten (er zeigt auf die gegenüberliegende Wand) steht eine Sofalandschaft, dessen Sitzfläche so tief ist, dass zwei ausgewachsene Menschen locker nebeneinander quer liegen können. Aber es gibt neben diesen Liegewiesen natürlich auch klassische Modelle in moderaten Größen...

Wie sieht es bei den Bezügen aus? Die wirken alle sehr flauschig...

Ja, Samtoptiken und Velours in warmen Farbtönen sind schwer angesagt. Haben ja auch eine tolle Haptik. Das passt auch besonders gut zum Boudoir-Style, den wir auch hier sehen (zeigt auf ein Paar Sessel mit fächerförmig ausgepolsterter Rückenlehne). Aber auch festere Bezüge mit Noppen im Retrostyle, die an die 50er- und 60er-Jahre erinnern, sind wieder im Kommen.

Es sind offenbar viele Sofas auf dem Markt, bei den anderen Möbelgattungen dürfte es nicht anders sein. Warum designen Sie noch eigene Modelle?

Weil sie sich bestens verkaufen (lacht). Offenbar treffen wir mit unseren Eigenmarken einen Nerv, weil sie einerseits sehr kreativ und besonders, andererseits extrem preiswert und von guter Qualität sind. Unser nächstes Bett heißt übrigens COBRA. Und am 20. April, Ostersamstag also, stellen wird den Wäscherei-Tisch ROMANCE vor. Die Party findet im Nikki Tiger statt, Sie sind herzlich eingeladen!

Neben Sofas gibt es sicher noch weitere Neuheiten...

Die starken Trends der Zukunft haben wir, wie immer, in unseren Kojen umgesetzt. (Eck geht voran zu den „Schaufenstern“ der Wäscherei – kleinen Raumkunstwerken in hölzerner Kulisse, die sofort in Auge stechen. Wir stehen vor einem Ensemble quietschebunter Sitzmöbel mit Pommes-Tapete, dazu Affen als Lampenhalter.)

Hier sehen Sie unsere Seletti-Koje. Ein toller Designer, der auch auf der Mailänder Messe für Furore gesorgt hat. Dieses Arrangement ist, wie alle, natürlich eine Überspitzung, Niemand würde sich so einrichten, aber das eine oder andere Möbelstück ist ein Eyecatcher, der den Raum erfrischt. Post Pop-Art würde ich das nennen, mit Bezügen zu psychodelischem Design. Hier zeigt sich exemplarisch der Sinn unserer Kojen: Wir überhöhen einen Trend ästhetisch bis zur Schmerzgrenze, nur so offenbart sich seine Essenz auf einen Blick.

In der Koje nebenan haben Sie offenbar das florale Thema... (Das Arrangement zeigt eine großgemusterte Blumentapete mit darauf befestigten, gleichfarbigen Stoffblumen).

Auch hier haben wir aus dem Vollen geschöpft. Schöner 3-D-Effekt, oder? Dreidimensionale Tapetendesigns sind ein wichtiger Trend. Manufakturen wie Londonart und Wallpepper liefern immer wieder besonders starke Motive, die wir hier exemplarisch zeigen. Vor allem der Digitaldruck schafft so viele neue visuelle Welten, dass einem ganz schwindelig wird vor Begeisterung. Es lohnt also, mal einen Blick auf die Muster in unserer Tapetenabteilung zu werfen.

Welche Neuheiten kommen sonst noch auf uns zu?

Jede Menge: Sitzpuffs in allen Größen und Farben zum Beispiel, die auch die bestehende Einrichtung mit wenig Aufwand beleben. Es gibt auch neue Lampenformen, etwa diese hier aus Rattan (zeigt auf viereckige Flechtlampen von Komodo in der Form überdimensionierter, umgestülpter Blumenkästen), sehr dekorativ und besonders, oder? Auch großformatige Tierbilder, original gemalt in China zum kleinen Preis oder überhaupt Tierobjekte wie dieser Giraffenkopf (wiegt das Objekt in der Hand) werden wie verrückt gekauft. Wir müssen ständig nachordern...

Ihre Sorgen hätten einige Ihrer Mitbewerber sicher gern...

Sie sprechen schon wieder auf den Niedergang der Branche an (seufzt). Also, hier ein kurzes Update: An der Gesamtsituation hat sich nicht viel geändert, wir leben in schwierigen Zeiten und der einzelne Händler wächst meist durch Zukäufe anderer Betriebe, denen die Luft schon ausgegangen ist und nicht, weil ihm die Kunden die Bude einrennen, um es mal salopp zu formulieren. Die Schönfärberei vieler Fachmedien und der Verbände ist wie das berühmte Pfeifen im Walde. Man ignoriert die existenzielle Gefahr, die vor allem durch den Onlinehandel immer stärker wird. Reicht Ihnen das?

Nicht ganz. Wie lautet ihr Rat an die Kollegen?

Ich kann keinen Rat erteilen, nur sagen, was ich anders machen würde. Wichtig ist echte Leidenschaft für das Mètier und die Lust zu polarisieren. Das tun wir allein mit unserer wöchentlichen Verkaufsparty und den schrägen Partys. Außerdem denken wir vernetzt. Wir sehen die Digitalisierung als Riesenchance statt als Bedrohung an – einfach, indem wir die Macht der Bilder nutzen.

Wie das?

Ganz einfach. Das Bild hat Primat, ist wichtiger und eindrücklicher als jedes Wort. Diese Erkenntnis nutzen wir konsequent. Mit Fotos unserer Kojen und dieser ganzen wahnsinnigen, überbordenden Ausstellung hier bedienen wir den Hunger nach visueller Inspiration. Wir stellen sie ins Netz, auch unsere Kunden posten wie verrückt und machen damit Werbung für uns. Die Leute kommen dann, um das Spektakel hier live und in Farbe zu sehen. Auch unsere Partys, das geschminkte und immer neu kostümierte Verkaufspersonal sowie Imagefilme liefern immer neuen Stoff für alle, die sich gern an neuen Formen und Farben berauschen. Fazit der Lektion: Bei uns kaufen Sie kein Sofa. Sie kaufen ein Lebensgefühl.

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(Möl)